Agra: "You wanna see the sunset or the sunrise at the Taj Mahal?" "BOTH!!"


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February 29th 2012
Published: March 1st 2012
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Dienstag ist unser erster Tag "on the road" mit Harish und unserem kleinen schnuckeligen Ambassador, einem Auto das aussieht wie aus den 50ern - aber erst 2004 gebaut wurde. Sehr bequem ist er, was uns darüber hinwegsehen lässt, dass es keine Gurte gibt und die gebuchte "Aircondition" darin besteht, dass man alle Fenster öffnet.
Wir brauchen etwa 30 Minuten zu Bangalis Haus in einem Vorort, der etwas wohlhabender zu sein scheint. Dennoch bin ich etwas geschockt, als uns Anita ins Haus bittet, die kleine Familie, Bangali, Anita und ihre 10jährige Tochter wohnen in einem Raum mit einer Mini-Küche von etwa 4 qm und einem indischen (Stehklo-) Bad.
So bescheiden wohnt man also als Inhaber einer Fahreragentur? Bangali hatte uns gestern noch erzählt, wie er sich letztes Jahr selbstständig gemacht hatte- mithilfe eines Geldgebers aus der Schweiz, eines ehemailigen Fahrgastes, hat er sich zunächst ein eigenes Auto finanziert und dann auch einige fremde Fahrer mit eigenen Fahrzeugen quasi als Subunternehmer angestellt. Der junge Mann aus der Schweiz hat ihm auch die Homepage gebastelt über die wir ihn gebucht haben.
Natürlich ist Bangali noch nicht lange im Geschäft, aber dennoch kann ich mir garnicht vorstellen zu dritt in einem so kleinen Raum zu leben und zu schlafen- vorallem da das- von uns während des Besuches als Sitzgelegenheit genutzte Bett höchstens 1,20 m breit ist.
Anita serviert uns würzigen Chai-Tee und leckere, sehr knusprige und scharfe Teigfladen, die sie glaube ich Papad genannt hat.
Dann besprechen wir unsere Tour nocheinmal kurz und zahlen etwa 1/3 der Kosten an. Auf dem Rückweg sind wir noch einmal bei Anita zum Lunch eingeladen und lernen hoffentlich auch die kleine Tochter mal kennen.
Dann dauert es etwa eineinhalb Stunden bis wir entgültig aus dem gräßlichen, ewig hupenden Verkehr rund um den Großraum Delhi heraus sind und Harish mal über 40 km/h beschleunigen kann. Draussen zieht das indische Leben an uns vorbei: Straßenmärkte, Müllberge, wunderschön bunt gekleidete Frauen und spielende Kinder sowie Esel, Kühe, Ziegen, Hunde und Affen laufen herum. Immer wieder tuckern voll besetzte kleine Autorikschas an uns vorbei, die höchste Personenzahl pro Rikscha die wir zählen, sind 14 Personen von denen zwei auf dem Dach sitzen!! Auch die Fahrräder mit Anhänger sind teilweise halsbrecherisch beladen mit allem was so transportiert werden muss: von 10 Meter langen Aluminiumlatten zu, in einer Art Käfig-Anhänger transportierten, Grundschulkindern, von haushoch getürmten Ziegelsteinen bis zu riesigen Pflanzenbündeln.
Die kleinen Orte an denen wir vorbeifahren sehen alle irgendwie gleich aus, meist ärmlich, gesichtslos und zugemüllt aber überall tobt das Leben auf der Straße.

Dann kommen wir nach etwa 4 1/2 Stunden Fahrt endlich in Agra an. Wie uns bereits der Reiseführer prophezeite, ist die Stadt ein schreckliches Moloch, das außer dem Taj Mahal und einem Roten Fort, ähnlich dem in Delhi, nicht viel zu bieten hat.
Wir beziehen ein kleines, aber sauberes Hotelzimmer (aus Prinzip erstmal nicht das was uns Harish vorschlagen wollte) für 800 Rupien, also etwa 13 Euro und fahren dann am Roten Fort vorbei zunächst auf die andere Flussseite des Taj Mahal, um es dort von einem netten kleinen Park aus im Abendlicht zu bestaunen.
In dem Park ist es auf Grund eines geringfügigen Eintrittsgeldes auch relativ ruhig und so sitzen wir über 2 Stunden einfach nur dort herum und bestaunen dieses monumentale Wunderwerk der Baukunst bis die Sonne untergeht und wir von einem Aufseher mit einer extrem nervigen Trillerpfeife als letzte Gäste aus dem Park gescheucht werden.

Zum Abendessen nehmen wir eine Empfehlung von Harish an und essen super lecker auf der Dachterasse eines kleinen Hotels. Hier fühlen sich allerdings im Gegensatz zu Delhi auch kleine Stechmücken sehr wohl und da der Bundesstaat Uttar Pradesh, in dem wir uns jetzt befinden ein bedeutend höheres Malariarisiko hat als Rajastan und Delhi werfen wir uns vorsichtshalber unser Allround Antibiotikum ein.


"Schließ dich dem Kreis meiner Diener an und gehe in mein Paradies ein" (Vers 89 des Koran, Inschrift auf dem Eingangstor zum Taj Mahal)


Unser Wecker klingelt um 05:45 Uhr um den Sonnenaufgang beim Taj Mahal zu sehen...Aber eigentlich hätten wir ihn garnicht gebraucht, denn gegenüber ist ja eine Moschee und der Muezzin weckt uns netterweise schon um 05.30 Uhr und zwar so laut als würde er mir ins Ohr singen. Nagut, aufstehen und in Trance in Richtung Ticketschalter torkeln, Ticket kaufen (bei einem 12 Euro Ticket gibt es eine Gratis Flasche Wasser dazu, wie nett...denn sein eigenes Essen und Trinken darf man nicht mitnehmen). Dann fahren wir mit einem -ebenfalls kostenlosen- Elektrobus bis kurz vor das Osttor des Taj Mahal und warten dort artig mit etwa 30 weiteren Frühaufstehern bis die Sonne und damit die Tore zum Taj Mahal aufgehen.
Nach dem bereits bekannten Ritual der Ganzkörperuntersuchung findet die Securitydame 3 Lollipops in meiner Tasche, die natürlich sofort sichergestellt werden- "man darf doch kein Essen mitbringen Miss"!!
Den Verlust verkraften wir jedoch ganz schnell, als wir durch das Haupttor den ersten weltberühmten Blick auf das Taj Mahal im Morgenlicht mit seinen Wasserbecken und Gartenanlagen werfen können. Wunderschön.
Und so genießen wir die wenigen ruhigen Minuten in denen wir fast ganz alleine auf das Taj Mahal zulaufen, denn die meisten Touristen bleiben erstmal am Haupttor stehen um von dort tausende Bilder zu machen.
Auch wenn man das Taj Mahal schon von etlichen Bildern kennt, verzaubert das Original uns total.
Natürlich machen auch wir von jedem Zentimeter des Gebäudes ein Foto und laufen die gesamte Gartenanlage ab, um von jedem Standpunkt den Blick auf dieses Wunderwerk der Architektur und der Liebe aufzusaugen.
Insgesamt fast 3 Stunden bleiben wir in der Anlage, die sich nach und nach mit immer mehr Touristen füllt bis man schließlich fast nirgends mehr alleine sein kann und auch wir uns irgendwann satt gesehen haben.

Dann machen wir uns nach einem kurzen Frühstück auf in den Ranthambore Nationalpark, laut Harish etwa 5-6 Stunden Fahrt.
Harish erzählt heute zum ersten Mal sehr offen und von sich aus über die Korruption von Politik und Polizei in Indien, eigentlich so ein Thema, das man als Tourist nicht von sich aus anspricht, insofern waren wir genauso interessiert wie überrascht und schockiert darüber, was er uns da freimütig erzählt hat. Kein Wunder, dass es immernoch so vielen Leuten hier so schlecht geht und das Land in Müll und Armut erstickt. Rajasthan ist trotz der vielen Kulturellen Highlights und Touristen einer der ärmsten und am wenigsten alphabetisierten Staaten Indiens. Leider ist es wahrscheinlich auch die Größe dieses Landes, die es so schwer macht, diese Umstände grundlegend zu ändern.

Um die lange Autofahrt etwas aufzulockern machen wir einen kleinen Zwischenstop in Fatehpur Sikri einer Geisterstadt mit Moschee und Palastanlage etwa 40 km von Agra entfernt. Hier werden wir aber nur von Bettlern, Verkäufern, "Guides", Schleppern belagert, sodass der Aufenthalt sehr anstrengend ist. Vorallem sind hier so viele Kinder, die Sachen verkaufen wollen, was wir immer sehr traurig finden.
Wir sehen uns nur die Moschee an und fahren nach etwa 45 Minuten weiter.

Unsere Fahrt führt uns dann durch die inzwischen relativ grüne Landschaft aus Uttar Pradesh endlich nach Rajasthan, "The Royal Land of Kings" wie einige Prospekte es immer so schön beschreiben.
Wir versuchen ein bisschen zu schlafen was aber auf Grund der immer schlechter werdenden Straßen, teilweise Sand- und Schotterpisten nur schwer möglich ist. Teilweise kann Harish kilometerlang nur 20 km/h fahren und so bleibt zwar viel Zeit sich das Dorfleben, das am Autofenster vorbeizieht, anzusehen aber die Fahrt dauert letztendlich 7 1/2 Stunden. Offenbar hatte Harish eine neue Strecke ausprobiert, die aus meiner Sicht aber eindeutig durchgefallen ist.

Gegen Abend kommen wir in Sawai Madhopur am Rande des Nationalparks an. Da wir sher müde sind checken wir in dem von Harish vorgeschlagenen Ankur Resort ein und buchen auch hier an der Rezeption eine- etwas teurere- Tigersafari für morgen früh.
Im Ranthambore Nationalpark gibt es noch 20 Tiger, mal sehen ob wir einen zu sehen kriegen.


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Fatehpur Sikri MoscheeFatehpur Sikri Moschee
Fatehpur Sikri Moschee

Jaa, Christian hat ein Palstikkörbchen auf dem Kopf :-)


18th August 2012

Ein sehr schöner Bericht! - und ich bin gespannt auf die Fortsetzung
Liebe Anna und Christian, durch Zufall, gibt es Zufälle? Nun, wie auch immer, Google hat mich auf Euren Bericht und diese Seite geführt. Es ist toll was Ihr da schreibt, es ist ehrlich und man hat den Eindruck mit Euch zusammen diese Reise machen zu können. Herzliche Grüße Albert aus Wiesbaden PS Hatten wir uns nicht am 27. Februar in Delhi kurz getroffen??
9th October 2012

Und was für ein Zufall.
Hallo Albert, dankeschön und es freut mich von dir zu hören!! Wir hatten eine wirklich tolle Zeit in Indien, auch Dank deiner Empfehlung für Bangali!! Was macht dein Projekt in Kalkutta?? Liebe Grüsse von der anderen Rheinseite :)

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