Wieso das chinesische Neujahr verzückt!


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February 8th 2016
Published: February 23rd 2016
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In Chongqing wurde ich um 12 Uhr von meinem Gastbruder Joakim am Bahnhof abgeholt. Ich war total erschöpft und habe gestunken. Das hat Joakim auch bemerkt, nachdem ich im Auto seines Vaters saß. Er sagte: "Bei uns zuhause kannst du auch duschen." Und das war ein Zitat, denn er sprach sehr gutes Deutsch. Er ist sechzehn Jahre alt und hat sich in der Freizeit Deutsch beigebracht, damit er in zwei Jahren in Aachen Informatik studieren kann. Nach vierzig Minuten Fahrt aus der Innenstadt sind wir bei einer "Gated Community" angekommen, sprich: ein Wohnbezirk, der komplett von Mauern umgeben ist und in den man nur reinkommt, wenn man Anwohner ist. Die Wohnung lag im zehnten Stock und war wirklich groß. Mein Gastvater, der Ingenieur ist, hat sogar eine zweite Decke gezogen und teilweise gab es einen zweiten Stock in der Wohnung. Die Mutter hat mich glücklich empfangen und hatte schon Essen gemacht. Das war auch gar nicht so scharf, anders als es mir prophezeit wurde. Denn Chongqing und die Nachbarprovinz Sichuan sind berüchtigt für ihr scharfes Essen. Das war gegen zwei, dann habe ich noch geduscht und bin um drei ins Bett gegangen, um mich auszuruhen. Und habe bis 21 Uhr geschlafen. Dann wurde ich geweckt und es gab Zu essen. Es war wirklich lecker. Viel Fleisch und der Reis war mit Süßkartoffel vermengt. Danach hatte mein Gastbruder die Idee einen Film zu gucken. Es lief auf Terminator: Genisys hinaus, den mussten wir aber Gott sei Dank nicht ganz sehen, weil nach etwa der Hälfte das Spiel Schalke - Wolfsburg anfing, und das wollte Joakim gerne sehen. Denn Joakim hat schon eine sehr wichtige, deutsche Eigenschaft angenommen: Er liebt Fußball. Das Spiel habe ich tatsächlich ganz gesehen und bin um null Uhr wieder ins Bett gegangen.




Bis acht Uhr habe ich am nächsten Tag geschlafen. Und das war der 7. Februar, der Tag vor dem chinesischen Neujahr. Doch anders als in Deutschland, ist es kein Problem sich schon davor "Alles Gute" zu wünschen. Deshalb ist mein Handy auch explodiert. Und das gegen Mittag, als ich mit Joakim noch durch seine Wohngegend gelaufen bin (was ziemlich öde war), hat mir jeder Chinese den ich irgendwie mal getroffen habe eine Nachricht auf WeChat geschickt. WeChat ist das chinesische Pendant zu WhatsApp. Beim Mittagessen habe ich festgestellt, dass das Essen in Shanghai mir einfach etwas besser gefällt, denn es gibt in Chongqing sehr leckere Sachen, die hauptsächlich herzhaft und pfefferig bis scharf sind, doch es gibt auch ein typisches Gewürz, den chinesischen Blütenpfeffer, der deinen Mund taub macht. Als ich den das erste Mal im Essen hatte, dachte ich man will mich vergiften. Und generell ist es nicht so abwechslungsreich, wohingegen Shanghai mit etwas süßem aufwarten kann, aber trotzdem sehr feines und auch herzhaftes Essen hat. In China ist Neujahr das fest der Familie und deshalb waren auch die Züge so voll, wo doch jeder nach Hause fahren will, deshalb wollten wir uns auch mit der Familie von Joakim treffen. Doch als wir nach einer Stunde Fahrt in einem anderen Teil der Stadt waren, war niemand da. Die waren nämlich alle im Chongqing Central Park und wollten das Wetter genießen. Es war nicht sehr warm, aber die Sonne hat geschienen. Wir sind also weitergefahren um sie zu suchen, aber das war komplett bescheuert, denn der Park war gigantisch. Also sind wir etwas rumgelaufen und ich konnte ein Meer von Drachen am Himmel sehen. Aber nach einer guten Stunde sind wir dann zurück zu den Verwandten und sie waren dann auch schon da. Und die war groß. Wirklich groß. Joakim hatte vier oder fünf Onkel und die hatten alle kleine Kinder, die überall rumgewuselt sind. Wir waren auch bei einem Onkel zu Hause, der da erst vor kurzem eingezogen ist, damit das Haus die volle Packung Glück zum neuen Jahr abbekommt. Apropos Glück. Zum chinesischen Neujahr ist alles im Zeichen des Glücks und ein wichtiger Teil davon ist das man Geld verschenkt. Das Geld kann beliebig viel sein, von etwa 13 Euro, die genau 100 Yuen sind und von da gibt es kein Ende. Das Geld wird in kleinen roten Papiertaschen überreicht (weil Rot für das Glück steht) und es ist äußerst unhöflich diese in Gegenwart des Schenkenden zu öffnen. Doch heutzutage gibt es diese unbedingt noch und sie sind auch sehr beliebt, doch gibt es auch eine moderne Variante die zusätzlich benutzt wird. Denn auf WeChat, wie gesagt dem Equivalent zu WhatsApp, kann man auch Geld verschicken, womit man sogar bezahlen kann. Am Ende des Tages hatte ich 50 Yuen auf meinem Account. Denn die ganze Familie saß für eine Zeit nur zusammen und hat auf das Handy gestarrt. Als es dann aber zum Essen kam, waren alle hellwach. Es gab soviel, dass man die Teller übereinander stapeln musste. Es gab Pökelfisch, Rippchen, luftgetrocknete Wurst nach Sichuan Art (sehr lecker, aber mit Blütenpfeffer..), gedünsteten Fisch, alle möglichen Arten von Schweinefleisch und vieles mehr. Alles wieder sehr herzhaft und jetzt sogar mal etwas schärfer. Mir wurde erklärt, dass man so scharf esse, weil es in Chongqing doch so schwüles Klima gäbe. Nachdem man ewig gegessen hatte, wie immer in China, hat sich die Familie zusammen gerottet und alle haben im Fernsehen die Neujahrs Gala geguckt. Das war der Wahnsinn. Ich weiß ja nicht wie das geht, aber die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele hat dagegen wie Kindergeburtstag gewirkt. Nach einer gigantischen Choreografie in der Verbotenen Stadt, wurde ähnliches aus Xi'an, Guangzhou und der Inneren Mongolei übertragen. Zurück in Peking konnte man dann noch einen Auftritt mit drei Sängern vor einer gigantischen tanzenden Menge sehen, die den Song "schönes, schönes China" zum Besten gegeben haben. Einfach unglaublich. Das ging dann noch ein bisschen so weiter, bis es dann eher in ein Comedy Programm übergegangen ist. Davon hab ich aber nichts verstanden. Meine Familie wollte recht bald danach auch wieder gehen. Ich war erst etwas verwundert, doch dann sind sie mit mir durch die gesamte Innenstadt gefahren. Die war hell erleuchtet und ganz im Zeichen des neuen Jahres geschmückt. Das war schon unglaublich und dazu kam dann noch dieses verrückte Straßennetz, welches, wegen den Bergen in denen Chongqing gebaut wurde, in mehreren Stockwerken gebaut wurde und sehr viele Kurven hat. Deshalb nennen die Lokalen es manchmal auch bloß Achterbahn. Da sind wir also durchgefahren und haben alles sehenswerte abgefahren, während neben uns die Feuerwerkskörper in die Luft geschossen wurden. Unsere Tour endete an der Spitze einer Halbinsel, denn Chongqing wurde nicht bloß in den Bergen gebaut, sondern auch an den Ufern zweier großer Flüsse, die hier zusammenfließen. Der eine ist der weltberühmte Yangtze und der andere der Jialing. Und als ich so den Yangtze runtergeguckt habe, wollte das Feuerwerk gar nicht aufhören...







Das war also mein persönliches chinesisches Neujahr. Wirklich eindrucksvoll, aber ich möchte hier zum Schluss noch ein Legenden aufklären:






• Man muss neue Kleidung tragen!


Früher war das wohl so, sogar noch gar nicht so lange her. Ich oder mein Gastbruder haben das nicht gemacht, aber mein Mitfreiwilliger Markus musste das machen.


• Man trägt komplett rot!


Das ist nicht komplett richtig, aber sollte man in das Jahr seines eigenen Tierkreiszeichen kommen, dann stimmt das tatsächlich. Joakim hat mir auch berichtet, das er als er zwölf war eine rote Unterhose tragen "durfte". Und tatsächlich habe ich in jedem Supermarkt rote Unterwäsche gefunden. Jemand Anderes hat mir allerdings gesagt, dass das von der Industrie angefeuert wird und manche Chinesen das nicht machen.


• Alles steht im Zeichen des Glücks!

Das ist vollkommen richtig. Ohne Ausnahme. Zum Teil wurde mir per WeChat ein Betrag geschickt, der drei gleiche Ziffern hatte, bloß weil das Glück bringt. Oder das man die Deko an der Tür falschherum aufhängt, weil das Schriftzeichen dann immer noch Glück heißt. Einfach alles.

• Man schlachtet ein Schwein!

Also meine Familie hat das jetzt nicht gemacht, aber auf dem Land macht man das gelegentlich noch. Ich hoffe ihr habt einen guten Eindruck bekommen und in diesem Sinne: Xi Nian Kuai Le!

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