Geschichte und Fauxpas


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February 2nd 2012
Published: June 20th 2017
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Was für ein Tag!
Heute stand Kambodschanische Geschichte auf dem Stundenplan und dann passierte da noch etwas, dass hatten wir nicht im Stundenplan.
Aber der Reihe nach: für heute hatten wir unseren Tuk Tuk Fahrer Lee angeheuert, der uns zu den Plätzen bringen sollte, die nicht fußläufig zu erreichen waren. Wir starteten also mit einem Besuch im S21 - Tuol-Sleng Museum. Das S21 war ursprünglich eine High School, die während der Herrschaft der Roten Khmer unter Pol Pot zum Sicherheitsgefängnis 21 umfunktioniert wurde und als größtes Gefängnis und Folterkammer der Roten Khmer diente. Von den insgesamt 22.000 Insassen haben nur 7 überlebt - der Rest starb bei Folter oder wurde auf den Killing Fields hingerichtet. Es war also ein sehr dunkler und bedrückender Ort, aber in Kambodscha reisend, kann man sich vor der noch jungen Geschichte der Roten Khmer nicht völlig frei machen und so wollten auch wir noch mehr verstehen. Ich hatte viel, sehr Schlimmes über das Museum gelesen und so musste ich nun feststellen, dass man mit den Jahren und all dem Schrecklichen, das man immer wieder sieht, wohl auch ein wenig abstumpft. So war es bedrückend und auch interessant, wer einmal eine KZ Gedenkstätte in Deutschland besucht hat, hat aber in den Abgrund der Menschheit schon einmal gesehen und so konnte ich die Ausstellungen für mich als Hintergrundinformationen gut verarbeiten.
Als nächstes ging es dann zu den Killing Fields außerhalb der Stadt. Auch hier hatten wir dank des Audioguides einiges an Informationen, die Khmer Rouge Zeit betreffend erhalten.
Es ist heute, trotz der schrecklichen Vergangenheit des Ortes ein fast friedlicher Ort. Die Geschichte kommt zwar stetig durch (so etwa in Kleidungsstücken und Zähnen, die noch immer regelmäßig von Wind und Wetter freigelegt werden) - aber es ist eben auch ruhig, Schmetterlinge fliegen und man hofft, dass die ganzen traurigen Seelen dort nun Frieden finden. Sie haben so viel mitgemacht und die Einzelheiten dessen erspare ich an dieser Stelle. Diese Schreckensherrschaft war erst 1979 vorbei - da war ich schon geboren - und ca. 3 von damals etwas mehr als 7 mio. Khmer durchs eigene Volk ermordet...
Nach diesen schwer verdaulichen Stunden war es dann an der Zeit das Kontrastprogramm zu fahren: wir lassen uns zum Russian Market fahren - einer der beiden großen Märkte und zudem umringt von Factory Outlet Shops...
Was soll ich sagen: nach etwas schlendern und einem Eiskaffee waren wir soweit wieder hergestellt, dass wir tatsächlich noch ins Shoppen kamen.
Netti hat sich im Outlet Shop mal eben Klamotten gekauft, für die sie in Deutschland knapp 500€ hätte löhnen müssen. Ein wenig schmunzeln mussten wir schon, als wir im Etikett eines läppischen BOSS T-Shirts die Auszeichnung von 199$ fanden!?! Daneben stand dann der hier gültige Preis: 19,95$. Ein wenig belächeln kann man sich und Andere ja schon, wenn man daran denkt, dass der Preis auf dem Etikett normalerweise in den USA gezahlt würde.
Nach dem Shopping Wahn sind wir dann auch nach Hause und zum Abendessen gegangen, wo wir noch etwas Skat spielten. So langsam erinnere ich mich auch an immer mehr Regeln.

Als wir dann zu Hause ankamen, wussten wir nicht wie uns geschah: Netti schaute in aller Routine ins Handy und wurde dann kreidebleich. Auf Nachfrage erklärte sie: "Hier ist eine Mail von Alex. Sie schreibt, sie sei gerade angekommen und wir sein aber nicht da - sie wäre langsam etwas nervös..."
In dem Moment fiel auch mir alles aus dem Gesicht und Claudi bekam einen Lachflash.
Oh my Buddha!!! Wir riefen Alex sofort an und rechneten damit, dass sie entweder sofort wieder auflegt oder uns durchs Telefon zieht. Zum Glück geschah weder das Eine, noch das Andere sondern Alex war froh, dass uns nichts passiert war, denn anders hatte sie sich unser nicht Erscheinen am Flughafen nicht erklären können.... Sie war nach 3 Std. vergeblichen Wartens am Flughafen ins Hotel Intercontinental gezogen...
Wir machten uns also sofort auf dem Weg in ihr Hotel und konnten nicht fassen, welche tausend Tode sie gestorben sein musste, hatten wir doch unserer "Schisserin" 1.000 mal beteuert, dass doch alles gut gehen würde und wir dann ja auch direkt am Flughafen auf sie warten würden und sie sich um Nichts zu kümmern bräuchte.
Was war geschehen? Ganz einfach: wir haben am 4. Februar mit ihr gerechnet... Das Tuk Tuk zur Abholung ist seit Tagen reserviert, sämtliche Kommunikation zwischen Alex und uns bezog sich nur auf die Tatsache, dass sie um zwanzig nach vier landen würde und wir sie freudig in Empfang nehmen würde. Diverse Hinweise, wie z.B. Facebook Posts von Mittwoch wie
"checked in... auf geht's nach Dubai!" werden gekonnt nur mit "oh gut, Alex hat sogar überpünktlich im Web eingechecked von unseren Urlaubshirnen verarbeitet. Und das, wo wir die Flüge sogar gebucht haben.... Wir können uns wirklich nicht so recht erklären, wieso für uns fest stand, Alex würde am 4ten landen - es stand mal zur Diskussion, aber das war auch schon alles.
Also bleibt uns nur dankbar anzunehmen, dass Alex es saucool genommen hat und sie jetzt ein wenig zu pampern - machen wir gerne... 😊
Im Interconti angekommen, darf unser Tuk Tuk dann auch nicht direkt vorfahren und auch wir werden in unserem Urlaubsoutfit ein wenig beäugt - aber zumindest sind wir ja Westler - also passt das schon.
Nach vorläufiger Klärung dessen, was passiert ist, schnacken wir Alex dann mit zu uns ins Hotel um ihre Reisegeschichte und neueste News aus Deutschland zu hören und sind am Ende alle sehr erleichtert, dass wir uns gefunden haben.
Ein dickes Sorry an Alex und alle, die mitgelitten haben. Wir werden uns nun gut um sie kümmern - versprochen....
Während Alex dann also irgendwann in ihrem Schloss auf tausend weichen Kissen einschlummert, schämen wir uns noch immer, freuen uns aber auch über die überraschende Ankunft. Morgen zieht Alex dann zu uns in die Holzklasse. Wir freuen uns darauf.

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