Cederberg Mountains: Irgendwo im Nirgendwo - der perfekte Ort für eine Reifenpanne


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March 13th 2017
Published: March 13th 2017
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Es gibt wahrscheinlich heute wenig bewohnte Orte auf der Welt, an denen man (noch) keinen Handyempfang hat . Die Cederberg Mountains etwa 300 km nördlich von Kapstadt im trockenen Inland sind so ein Ort. Im touristischen Westen Südafrikas sind sie noch so ein halber Geheimtipp und wir planten nach den Tagen in der Großstadt ein paar einsame Tage in der Natur.

Nach unseren ersten Schotterstraßen-Erfahrungen und einem fast zweistündigen Umweg über die Westküste (wegen eines traumhaft klingenden Outdoor-Restaurants direkt über dem Meer, das dann leider bei unserer Ankunft geschlossen hatte) landen wir in Clanwilliam, dem Einfallstor in die Cederberge. Hier werden noch schnell Holz, Grillgut und Frühstücksutensilien eingekauft und dann geht es noch mal 50 km über Schotter- und Sandpisten zu unserem kleinen Cottage am Sandrif River. Leider ist die Sektion, auf der wir eigentlich wandern wollten wegen eines Feuers gesperrt. Alternativ holen wir uns eine Wandergenehmigung für das so genannte "Maltese Cross", eine Felsformation, die dem Malteserkreuz ähneln soll. Die Wanderung dorthin soll 3-3,5 Stunden in Anspruch nehmen und "mittelmäßig anspruchsvoll" sein. Nach dem langen Tag machen wir es uns noch ein wenig auf der Terrasse gemütlich und gehen dann früh ins Bett.

Bis wir am nächsten Tag in die Gänge kommen ist es leider neun Uhr, zu angenehm war die stille, dunkle Nacht hier in den Cedermountains im Vergleich zu unserer hellhörigen Unterkunft in Kapstadt, in der uns pünktlich morgens um halb 6 außerdem der Muezzin weckte.

Nach dem Frühstück geht es nochmal 15 Minuten auf einer unwegsamen, und für unseren Polo nur mittelmäßig geeigneten, Sand- und Schotterstraße zum Startpunkt der Wanderung. Außer uns steht hier kein Auto. Es ist dann also doch schon viertel vor zehn als wir am Fuße des schattenlosen Weges in die Berge stehen.

Wir bereuen jetzt doch ein wenig, dass wir nicht früher aufgestanden sind aber tapfer quälen wir uns den steilen felsigen Pfad hinauf, während die Sommersonne schon erbarmungslos auf uns herunterbrennt. Ab und zu spendet ein kleiner Baum oder Felsbrocken Schatten , dann genießen wir eine kurze Verschnaufpause und trinken einen kleinen Schluck. Die Landschaft ist von einer bizarren Schönheit und man kann ewig weit schauen. Als wir nach unserem einsamen Auto Ausschau halten merken wir plötzlich dass es Gesellschaft bekommen hat und dass zwei kleine Ameisen sich langsam uns folgend den Berg hoch schleppen. Noch so zwei Irre, die zu spät aufgestanden sind...

Die erste Stunde ist eine reine Qual und erst dann wird der Weg etwas ebener, werden die schattenspendenden Felsbrocken etwas zahlreicher und wir etwas entspannter. Wir haben schon über die Hälfte unseres Wassers getrunken und hoffen, dass wir es bald geschafft haben als wir plötzlich feststellen, dass wir vom Weg abgekommen sind. Also noch einmal ein paar Meter querfeldein steigen. Hier riecht es unangenehm nach Urin und da kein Mensch außer uns unterwegs ist, drängt sich der Gedanke auf, dass dieser Geruch von einem größeren Tier stammen könnte. Die Cedermountains sind Leopardenland und mir fällt ein, dass ich kein Patenrezept für die Begegnung mit einem Leo parat habe. Rennen scheint unsinnig, klettern auch...aus unserem Rucksack könnte ich ihm auch nur als vegetarische Variante einen Apfel anbieten - vielleicht Lärm machen und ihn versuchen einzuschüchtern? Oder nicht mehr drüber nachdenken wer hier gepinkelt haben könnte und weiter gehen.

Ich sage extra nichts zu Dennis um ihn nicht auch noch mit solchen Gedanken zu belasten, aber wie sich später rausstellen sollte hat er das Selbe gerochen und gedacht wie ich...

Nach knapp eineinhalb Stunden erreichen wir trotz unserer zahlreichen Trinkpausen ein Hochplateau, das von unten wie "der Gipfel" des Berges aussah. Jetzt wo wir hier stehen, merken wir aber dass es dahinter noch höher hinaus geht. Zum Glück entdecken wir aber auch das Maltese Cross inmitten dieser Hochebene einsam gegen den Himmel ragen und so geht es die letzten Meter vom Angesicht der Zielgerade beflügelt dorthin. Nach einer kurzen Fotopause machen wir uns dann direkt mit unserem letzten halben Liter Wasser an den Abstieg. Es ist inzwischen Mittag und die Hitze unerträglich. Erst als wir schon etwa 20 Minuten abgestiegen sind, kommen uns "die zwei anderen Irren" entgegen, wie sich herausstellt zwei Deutsche. Da der Weg so steil und unwegsam ist dauert es nochmal fast 1,5 Stunden bis wir wieder an unserem Auto sind und geschafft aber glücklich in Richtung unseres Cottage holpern. Dort dösen wir erstmal völlig erledigt ein, zwei Stunden herum. Essen, Trinken, Duschen, Schlafen und als Dennis unser Auto unter einen der gerade anspringenden Wassersprenkler fahren will um es ein wenig vom Staub zu befreien, dann der Schock. Unser rechter hinterer Reifen ist platt. Und irgendwie fehlt auch die Radabdeckung....

Das kann eigentlich nur auf dem Rückweg vom Wanderparkplatz passiert sein. Ein paar Mal lies es sich nicht vermeiden dass man ein paar größere Steine mitgenommen hat, weil wir ansonsten mittig aufgesessen oder hängengeblieben wären. Verdammt. Zum Glück haben wir es noch hier her geschafft, bevor alle Luft draußen war! Das Reifenwechseln verschieben wir hitzebedingt auf die Abendstunden und packen jetzt erstmal unsere Badesachen.

Etwa 30 Minuten Fußmarsch vom Sandrif Camp soll sich ein natürliches Badebecken im Sandriv River befinden, in dem man wunderbar schwimmen kann. Tatsächlich ist es immernoch sehr warm als wir loslaufen und natürlich befindet sich mal wieder kein Schatten auf dem Weg. Und so ist das kalte Nass ein absoluter Traum, als wir endlich an dieser "Hippo Pool" genannten Badestelle ankommen. Außer uns sind nur drei ältere Engländer hier und ermutigen uns trotz einiger größerer Fische, mit in den Fluss zu steigen. Die Badestelle liegt idyllisch von roten Felsklippen eingerahmt und es gibt eine halbwegs komfortable Einstiegstelle. Das Schwimmen ist wahnsinnig schön und erfrischend. Am Abend wechseln wir den Reifen und schmeißen den Grill an, zum Sauvignon Blanc aus den Cederberg Cellars gibt es köstliche würzige Bratwürste, Hähnchenschenkel, knuspriges Brot und Gurkensalat während wir mit Blick auf den Sandrif River auf unserer Terrasse sitzen. Minus der Reifenpanne wäre es ein perfekter Tag.


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