17.10.2009
Kaum zu glauben, dass ich nun schon seit fast einer Woche unterwegs bin. Es hat etwas gedauert, bis ich angekommen bin, und damit meine ich nicht nur den zweitaegigen Flug, der von einer Nacht in Newark/New Jersey unterbrochen wurde. Seit zwei Jahren habe ich diese Reise geplant, und trotzdem fuehlte ich mich ueberrumpelt, als ich in Limas naechtlichem Chaos landete: als sei ich ploetzlich von einem grossen Vogel verschlungen und eine Viertelumdrehung der Erde weiter in einer fremden Umgebung ausgespuckt worden. Von Lima habe ich nicht viel gesehen, zum einen, weil es eingehuellt war in dem undurchdringlichen feucht-kalten Garúa-Nebel, der fuer diese Zeit des Jahres charakteristisch ist fuer die peruanische Kueste, andererseits, weil ich mich muede und frierend unter den leicht muffigen Decken meines Bettes zusammenrollte und mich fragte, warum ich nicht einfach mal einen All-inclusive-Urlaub auf den Kanaren buche: "Mein Gott, ich werde zu alt fuer sowas."
Dieser Zustand hielt, wie vorauszusehen war, nicht allzu lange an. Ich verliess Lima in dem Wissen, dass dort sonnige 30ºC herrschen werden, wenn ich wiederkomme, und fuhr durch die Wueste gen Norden, nach Trujillo, einer im Jahre 1535 von dem spanischen Konquistadoren Pizarro gegruendeten Stadt mit gut erhaltener Kolonialarchitektur und vielen archaeologischen Leckerbissen in der Umgebung. Vorgestern schaute ich mir Chan Chan und die Huaca del Dragón an - Relikte aus der Kultur der Chimú. Die Huaca de la Luna, zu der ich gestern fuhr, war noch aelter und in meinen Augen auch noch beeindruckender: ein Tempel aus der Moche-Kultur, dessen aufwendige Wandmalereien deshalb noch so gut erhalten sind, da die Moche insgesamt 5 Tempel bauten, und zwar den neuen immer ueber den alten. Durch das regelmaessige Uebermauern waren die alten Strukturen vor Verwitterung geschuetzt, und heute sind Archaeologen dabei, stellenweise die Mauern der aelteren Tempel herauszuschaelen.
Trujillo selbst ist sehr lebhaft: 650 000 Menschen leben in etwa hier, die Strassen sind ueberfuellt von Massen an gelben Taxis, Verkehrsregeln habe ich noch keine erkennen koennen, bis auf die eine, die auch konsequent eingehalten wird: Autos haben absoluten Vorrang vor Fussgaengern, auch auf Zebrastreifen, die offensichtlich nur der Dekoration dienen. In den Einkaufsmeilen kann man sich verlieren zwischen ueberfuellten Verkaufsstaenden - vom Ramsch des armen Strassenverkaeufers bis zum Luxus-Supermarkt, dessen Obsttheke grundsaetzlich gute Laune macht: frische Papaya zum Fruehstueck, abends eine Platano morado (rote Banane) zum Dessert. Auf den Speisekarten findet sich regelmaessig das obligatorische halbe Meerschweinchen - bisher habe ich Fisch und Huhn vorgezogen, aber es soll wohl gut schmecken, wie ich aus sicheren Quellen weiss... In den Anden gibt es auch ein Dorf, in dem alljaehrlich die "Fiesta de los gatos" gefeiert wird, zu derem Anlass Katzen gebraten werden.
Und da ich schlecht mit leerem Magen vom Essen schreiben kann, gehe ich nun erstmal fruehstuecken.
Zum Abschluss ein Link zu paar Fotos:
http://www.facebook.com/album.php?aid=2026010&id=1461556997&l=1c668a7e4e
Leider hat der Computer, warum auch immer, alle aus Lima geloescht, wie ich eben feststellen musste, sie sind unauffindbar.
Heute abend gehts weiter nach Piura, meinem letzten Zwischenstopp vor der Grenze zu Ecuador.
Part of trip:
Ecuador & Peru