Nach zwei Tagen in Medellin ging es endlich zur ersehnten Kueste. Leider war ich nicht so begeistert von der ehemaligen Mafiahauptstadt - keine Ahnung wieso. Die meisten Reisenden sind sehr begeistert. Heisst, ich werde zurueckkommen muessen und spaeter noch ein bisschen mehr Zeit dort verbringen. Vielleicht habe ich auch einfach was verpasst. Mal schauen.
Von Medellin nach Cartagena de Indias sind es eigentlich - laut lonely planet - "nur" 12 Stunden Busfahrt. Naja, wir sassen 18 Stunden in der Hitze fest. Der Bus kam zuerst wegen eines Ueberholmanoevers zweier Laster in einer Kurve zu stehen. (Den Lastern ist nix passiert, die standen halt einfach schief und haben die gesamte Strasse blockiert. Der zweite Grund waren Strassenarbeiten- und zwar das manuelle Malen des gelben Mittelstreifens mitten am Tag. Eine komplette Spur musste stillgelegt werden. Soviel zu den hiesigen Strassengewohnheiten. Doch manchmal etwas anstrengender. Aber mit der Zeit wird man doch etwas letharger und nimmt das alles recht gelassen. Was sind schon fuenf Stunden oder so mehr auf der Strasse.... solange die Landschaft schoen ist. Ausserdem wird man auf der Busfahrt immer von entweder Filmen (meist Kriegs- oder Erotikfilme) unterhalten oder der Salsa Musik. Oder es steigen Strassenverkauefer fuer einige Kilometer zu, die
von Bananen ueber Chips, Eiscreme, Wasser, DVDs oder gegrilltes Fleisch eigentlich alles besorgen koennen.
Abgesehen von den oben erwaehnten Kleinigkeiten, war Bus Fahren bis jetzt ueberhaupt kein Problem (weder Guerillas noch Ueberfaelle). Die doch sehr hohe Polizeipraesenz wirkt doch abschreckend. Aurf unserer Fahrt wurden wir ca. vier Mal kontrolliert, in ein paar Kilometer Abstand steht immer Polizei oder Armee Patrouille. Und alles in allem fuehlt man sich sehr sicher. Natuerlich hat diese Politik der erhoehten Sicherheit auch kleine Nachteile zur Folge. Beispielsweise wurden viele Preise, besonders Transport- und Buskosten erhoeht und es ist manchmal seltsam durchs Land zu Reisen und uberall schwer bewaffnete Polizei zu sehen, sich oft auszuweisen und auf gebrochenem Spanisch zu erklaeren, dass man nur das schoene Kolumbien besucht und keine weiteren Absichten ht. Aber natuerlich ueberwiegt hier das positive Gefuehl bei Weitem.
Nach 18 langen Stunden haben wir jedenfalls das legendaere Cartagena de Indias an der Karibikkueste erreicht. Beim Aussteigen aus dem Bus laeuft man gegen eine Wand, 34 Grad (im Gegensatz zu dem kuehlen Medellin auf 2.000m). Anbei ein paar Fotos von der wunderschoenen Kolonialstadt. Cartagena erinnerte mich etwas an Spanien bzw. Italien. Viele kleine Cafes, schoene Gaesschen, ganz tolle Innenstadt mit Kolonialarchitektur. Leider
teilweise etwas zerfallen, aber an Renovierungen wird gearbeitet. Das waere uebrigens ein tolles Reiseziel fuer Alle. Leider konnte ich aufgrund meines begrenzten Reisebudgets die Vorteile der Kneipen, schicken Lokale und guten Weine nicht ganz auskosten.
Neben einigen Kloestern gibt es einen wunderschoenen Sandstrand (Playa Blanca). Wie der Name schon sagt, ist hier der Sand wirklich schoen weiss. Man kann dort z.B. per Tagesausflug auf einem Boot in 2-3 Stunden herueberfahren und sich dort in der Sonne aalen.
Wie ueberall in Kolumbien gibt es auch dort massenweise Einheimische, die ihre Souvenirs, Schmuck, Kokusnuesse und Massagen an den Mann oder die Frau bringen wollen. Heisst, schoen ungestoert am Strand liegen, ein Buch lesen und wegdoesen geht nur bedingt bis gar nicht. Des weiteren musste man darauf achten, dass einem keine Kokusnuesse auf den Kopf fallen, wenn man den letzten Palmen-Schattenplatz ergattert hatte. Aber auch das haben wir ohne Unfall gut gemeistert.
Und immernoch wird ueberall Musik gespielt - vor allem Salsa, Regaetton (der erotische Tanz) oder Merengue. Das faengt im Bus an, geht in der Strassenkneipe weiter, im Bus Terminal, im Hostal, in der Tauchschule - einfach ueberall. Manchmal etwas zu viel, aber meist hebt es einfach nur enorm die Stimmung. Dann
werden die Staedte Cartagena, Baranquilla und Santa Marta besungen. An der Kueste hoert sich das allerdins durch den Zusatz eines Akkordeons zur kolumbianischen Folklore doch alles etwas bayerisch an, bis die typischen Salsa-Rhythmen einsetzen. Also - ein bissl wie dahoam im schoenen Muenchen oder Allgaeu.
Nach vier Tagen Cartagena mit vielen Stunden in Museen, Kloestern und Cafes ging es fuer mich weiter ueber Santa Marta (diese Stadt lohnt sich keineswegs, sehr dreckig) in das kleine Fischeroertchen Taganga, wo die meisten Tauchschulen angesiedelt sind, das Leben noch langsamer laueft und die Moskitos einen lebendig auffressen. Das ist wirklich eine Plage ohne Moskitonetz. Und nachdem dort vor allem Dengue - keine Malariagefahr herrscht, nutzt man so ca. 1 Flasche Insektenlotion pro Tag und fragt sich nach jeder durchkratzten Nacht, ob eine Denguemuecke zugestochen hat. Naja, bis jetzt ist nix passiert. Die Mischung aus Insektenlotion, Sonnencreme und meist Schweiss (bei ca. 34 Grad Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit nicht zu umgehen) macht einem das doch sehr faule Leben etwas schwerer. Das Alles habe ich jedoch ganz gut gemeistert, viel Zeit beim Tauchen unter Wasser verbracht und mich den schweren Entscheidungen hingegeben, ob ich mein Mangoshake nun pur trinke, oder doch noch etwas Zapote
Playa BlancaTagestour nach Playa Blanca - von Cartagena aus ca. 2 Stunden mit dem Boot
beimixe. :) jaja, ich weiss. Schweres Leben das ich derzeit fuehre.
Von Santa Marta kann man weiter in den Nationalpark Tayrona per Bus fahren. Dieses Gelaende laueft entlang der Kueste und ist Teil der Sierra Nevada, in der auch die "Ciudad Perdida" liegt. Zur Verlorenen Stadt kann man in sechs Tagen Wandern. Das habe ich mir sparen muessen, da meine Wanderschuhe in Quito auf mich warten. Schade eigentlich. Mach ich aber dann auch das naechste Mal.
Der Parque Nacional Tayrona wurde nach den "Tayrona", den hiesigen Einheimischen benannt, die neben der Ciudad Perdida noch einige weitere anitke Staetten hinterlassen haben. Da hier keinerlei Infrastruktur besteht, laueft man einfach von Strand zu Strand, immer weiter bis zur Schlafstaette und einem kleinen, ueberteuerten Kiosk. In diesem Lager habe ich drei Naechte unter dem klarsten Sternenhimmel in einer Haengematte genaechtigt- das ist gemuetlicher als man denkt, hat man denn erst einmal seine richtige Stellung gefunden. Gemuetlicher als die meisten durchgelegenen Hostalbetten allemal. Allerdings sollte man dann nachts nicht unbedingt noch einmal aufstehen. Der "Bettnachbar" schlaeft doch deutlich naeher als im Hostal und das Schwingen kann man nun ueberhaupt gar nicht vermeiden. Also, Anstoss ist garantiert.Thunfischsandwiches wurden drei Tage morgens, mittags und abends verdrueckt,
Lobsterat Playa Blanca. Cheap and good and very fresh
aufgrund der erhoehten Monopolpreise der Herberge in diesem Nationalpark. Und selbst beim Schnorcheln hat man doch richtig viel gesehen.
Also, meine derzeitige Stimmung: Kolumbien ist ein wundervolles Land und ich bin sehr froh hergekommen zu sein. Sonst haette ich definitiv sehr viel verpasst. Das Land ist mittlerweile super sicher zum Reisen und die Infrastruktur steht in jeder Hinsicht. Nach ueber fuenf Wochen hier, hatte ich noch kein schlechtes Erlebnis, mir hat niemand Drogen in den Drink gemixt, ich bin nicht entfuehrt und auch nicht ueberfallen worden. Die Einheimischen freuen sich noch ueber Touristen und sind richtig hilfsbereit, stolz auf ihr Land und sehr offen. Schade, dass es bei uns (ausser Shakira und Juanes) nur negative Nachrichten ueber Kolumbien gibt. Die Schoenheit des Landes und Vielfalt bleiben meist unerwaehnt.
Was ganz interessant ist, in Kolumbien, bzw. generell in Suedamerika sind super viele Israelis unterwegs. Meist in "Horden" von acht bis zehn Reisenden, alle um die 22/23 Jahre alt, die gerade den Armeedienst beendet haben und sich nun ein Jahr Auszeit in einem billigen Kontinent (meist Suedamerika, Indien oder Suedostasien) nehmen. Die Jungs leisten drei, die Maedels zwei Jahre Armeedienst. Der Austausch der Kulturen hier ist schon sehr beeindruckend und
ich geniesse es total viel ueber andere Laender zu erfahren. Bei den Israelis ist es meist leider auch traurige Wahrheit, dass sie der Dienst in der Armee mit 20 Jahre zum Gaza Streifen gefuehrt hat und Freunde und Familie in den Kaempfen umgekommen sind. Das kann man sich in unserer europaeischen heilen Welt nicht richtig vorstellen.
So schoen auch alles grad ist, langsam fehlt mir ein Kleiderschrank, richtige Freunde, der Small Talk wird anstrengender und ich mag grad auch gar nicht mehr staendig die gleichen Sachen anziehen. Aber das legt sich bestimmt auch wieder.
Auch mal ganz interessant: Die gefuehlte Reisestatistik nach Nationalitaeten
1. Israel
2. Australier
3. Grossbritannien
4. Deutschland
hammockssleeping in hammocks actually is not bad at all!
PueblitoHike to the old tayroean village (small ciudad perdida). People still live here.