Ja, ich bin immer noch unterwegs. Nach etwa sieben Monaten in den noerdlichen, weniger entwickelten Laendern Suedamerikas bin ich Ende Januar endlich in Chile und Argentinien angekommen. Und ich muss zugeben. Ich freue mich ueber etwas mehr Komfort und den recht europaeischen Standard in Hostals, Transport usw. Auch die Staedte an sich sind mit einem Mal viel sauberer, reicher und auch europaeischer. Endlich kann ich mal wieder in richtigen Supermaerkten einkaufen gehen. Ich habe eine viel groessere Auswahl an Produkten und muss nicht mehr (als Beispiel) nur die in Suedamerika allzeit praesente rote Colgate Zahnpasta kaufen. Nicht dass diese schlecht waere, aber es ist nach langer Zeit endlich mal ein neuer Geschmack im Mund.
Und apropos Geschmack: Natuerlich freue ich mich auch ueber das gute Steak mit leckerem Rotwein.
Was die Bevoelkerung angeht gibt es auch hier grosse Unterschiede zu den noerdlichen Nachbarlaendern. Argentinier ziehen sich sehr modisch an, haben meist einen europaeischen Hintergrund, von daher ist eine blauaeugige Blondine nicht mehr notwendigerweise aus Europa, sondern kann genausogut Argentinierin mit z.B. schwedischen Grosseltern sein. Ich muss sagen es ist schon sehr angenehm nicht gleich als Tourist aufzufallen!
Die Regenzeit Boliviens hinterlassend, habe ich mir erst einmal
Salta, im Norden Argentiniens
angeschaut um dann weiter nach
Mendoza zu fahren. Hier kann man die Weingegend Argentiniens erkunden. mich in
Cordoba mit Marina, einer Freundin aus Kolumbien getroffen und wir sind gemeinsam recht schnell in Richtung Patagonien gereist. Zum einen um aus den Staedten herauszukommen, zum anderen auch um den Sommer dort unten voll auszukosten. Das Wetter hier unten aendert sich teilweise rapide. Waehrend es morgens noch recht sonnig ist, koennte einen am Nachmittag ein eisiger Wind mit Hagel und Schnee ueberraschen. Die Winde sind eiskalt und unberechenbar. Marina und ich mussten dies beim Campen ab und zu erleben.
Es ging dann also auf der Routa 40 nach
San Carlos de Bariloche. Im Seengebiet gelegen ist es unter mehreren ein Ort in der Region Neuquen, der im Winter ein beliebtes Skizentrum der Suedamerikaner darstellt. Aber auch waehrend des Sommers ist es reich an Outdoormoeglichkeiten. In einem weiteren Nationalpark, dem Nahuel Huapi, gelegen gibt es hier unzaehlige Seen zum Wassersport treiben, wunderschoene schneebedeckte Berge zum Ski fahren und Wandern, Gletscher und als weitere Spezialitaet dieser Region: Schokolade.
Nachdem die Mehrzahl der Patagonien-Reisenden zumindest fuer einen Ziwschenstopp nach Bariloche kommen, ist es leider auch entsprechend touristisch und Hostals und Transport recht teuer. Auffaellig viele
Amis kommen hieher. Im Norden trifft man sie nur wenig, aber Argentinien ist mittlerweile wohl eines der wenigen Laender in Suedamerika, in denen sie kein teures Visum benoetigen.
In der ganzen Gegend um Bariloche spuert man den Einfluss der Europaer enorm. Pilger, die in dem 19Jh von Europa ausgewandert sind, haben sich in diesem wunderschoenen Land niedergelassen. Viele Schweizer, Oesterreicher und ein bisschen weiter im Sueden die Waliser. Deren Kultur, Sprache und oft auch Architektur wird gelebt. Neben einer schweizer Kolonie gibt es walisische Doerfer mit ihren Teestuben. Sehr oft wird man auf perfektem Deutsch angesprochen, Schilder preisen ihre "Kuchen" an oder man faehrt an dem "Gasthof Kaiser" vorbei. Manchmal bekam ich dort wirklich das Gefuehl anstelle in Suedamerika in Europa zu sein.
Der europaeische Einfluss ist im Endeffekt ueberall praesent. Teils sind die "richtigen" Suedamerikaner zufrieden und gluecklich damit. Zum Teil haben wir auch negative Kritik daran gehoert... von wegen Einigelungen, verschlossene Gemeinschaft und und und.
Einen aehnlich starken Einfluss hatten die Deutschen im Nachbarland Chile. In dem Seengebiet gibt es sogar einen Nachbau der Marienkirche.
Nach einigen Wanderungen und dem ersten Kontakt mit dem patagonischen Wetter in Bariloche haben wir uns dazu entschlossen unsere Reise in Chile fortzusetzen.
Fitz RoyParque Nacional de los Glaciares
Wir sind somit von Bariloche nach
Puerto Montt gefahren und haben hier die Navimag-Faehre nach Puerto Chacabuco genommen. Auf der 24-Stunden Schiffahrt, die nur ein kleiner Teil einer laengeren Route bis an die Suedspitze Suedamerikas darstellt, sind wir durch die Fjordlandschaft Chiles geschippert und haben uns einiges an Busstunden gespart. Auf der
Carretera Austral ging es dann trampend, zeltend und oft auch ausgiebig wartend weiter Richtung Sueden. Die Carretera Austral ist eine ca.1000 km lange Schotterstrasse, welche noch unter Pinochets Diktatur ausgebaut wurde und vor allem vom Militaer genutzt wurde. Sie sollte die gesamte Gegend zugaenglich machen. Im Endeffekt fuehrt sie durch wunderschoene, unberuehrte, sich immer aendernde Landschaften. Vorbei an tuerkis-blauen Fluessen, wie dem Rio Baker - ein Paradies fuer Fliegenfischer und Kajakisten - an Gletschern, Waeldern, Schluchten, Vulkanen, Fjorden ... einfach unbeschreiblich schoen. Bei ihrem "Bau" sind jedoch leider viele hunderte Soldaten gestorben. Die Strasse wurde in vielen Teilen im Endeffekt einfach aus dem Berg gesprengt. Und manchmal leider etwas unnachsichtig. In diesem Teil Patagoniens wird derzeit der Bau verschiedener Daemme geplant. Die Einheimischen protestieren heftig dagegen.
Heute ist die Carretera Austral eigenlich noch ein kleiner Geheimtipp unter den Reisenden. Wir haben dementsprechend auch nur sehr wenige Leute getroffen
El ChalténAusgangspunkt zum Parque Nacional de los Glaciares
und waren auf die Hilfsbereitschaft der Chilenen angewiesen uns auf ihrem Pickup Truck mitzunehmen und frei campen zu lassen, wenn mal keine Herberge in Sicht war. All das ist aber kein Problem - wenn man die Zeit dafuer hat. Teilweise sassen Marina und ich fuer Studen und auch mal fuer zwei Tage an einer einsamen (aber recht huebschen) Strassenkreuzung und haben auf ein Fahrzeug gewartet. .... die kommen, je weiter man in den Sueden reist leider nur sehr sporadisch vorbei. Ungefaehr ein Auto in 2 Stunden. Und meist ist das dann schon vollgepackt mit anderen Trampern oder dem Wocheneinkauf. Der Bus (alle 2-3 Tage) ist dann auch mal die Notloesung.
Wir haben jedenfalls ca. 2 Wochen gebraucht um von der Faehre in den Sueden zu reisen. Zwei wunderschoene Wochen, sehr abenteuerlich mit vielen Eindruecken von Landschaft, Leuten und Patagoniens.
In
Villa O´Higgins endet dann die Carretera Austral und auch die normalen Grenzuebergaenge nach Argentinien. Um ueberhaupt irgendwie weiterzukommen, muss man von dort mal wieder eine Faehre ueber den naechsten See nehmen und von dessen Ufer 24km nach Argentinien wandern. ... eine Wanderung, die mir lange im Gedaechtnis bleiben wird. Zum einen weil sehr anstrengend, mit Sack und Pack circa sechs
Stunden durch einen Wald zu wandern, zum anderen weil es ein unbeschreibliches Gefuehl war muede in Argentinien anzukommen, seinen Stempel in dem kleinen Einreisehaueschen abzuholen, mit Sicht auf den
Lago del Desierto und das Bergmassiv
Fitz Roy im Hintergrund. Da wir an diesem Tag die naechste Faehre bereits verpasst hatten, haben wir unser Lager am Ufer des Sees aufgeschlagen, ein Lagerfeuer gemacht, unsere Notration Spaghetti gegessen und sehr sehr gut und lange geschlafen.
Am naechsten Tag ging es denn weiter in den
Parque Nacional de los Glaciares, Heimat fuer den
Fitz Roy und den den Gletscher
Perito Moreno. Hier wurde es dann wieder etwas touistischer. Einige Tage haben wir wandernd im Antlitz des Fitz Roy verbracht. Kletterparadies fuer nur richtig Erfahrene Kletterer. Aber zum Wandern superschoen und recht einfach. Per Bus ging es dann weiter nach El Calafate. Dies ist eigentlich nur ein teurer Ausgangsort um den Gletscher Perito Moreno zu sehen. Ein rieseges Bergmassiv, der sich taeglich ca. einen Meter verschiebt. Und das nicht lautlos sondern mit einer enormen Geraeuschkulisse. Man hoert es eigentlich staendig knistern und in den Eisspalten kracksen und wenn man Glueck hat sieht man auch einmal eine riesige Eissaeule abrechen und in das Wasser krachen....
das ist schon sehr beeindruckend und auch ganz schoen laut.
Nach Chile, zum
Torres del Peine ist es dann nur noch ein Katzensprung. Auch hier haben wir etwa eine Woche verbracht, wandernd, mit Zelt, Campgeschirr und genuegend zu essen haben wir uns auf den Weg gemacht den Nationalpark mit seinen Tuermen und Hoernen zu erkunden. Ein wunderschoener Park, sehr wild, reich an Seen, Bergen und leider auch Touristen. Die Infrastruktur ist aber somit super und nicht immer zu verachten. Wir haben immer gecampt, aber wenn man moechte und Sehnsucht nach einem Bett und einer guten Dusche hat, kann man ebenfalls in den zahlreichen Refugios naechtigen und gute Hausmannskost geniessen.
Nach dieser Tour musste ich mich leider aus Zeitgruenden von meinen Mitreisenden trennen. Marina ist nach Hause geflogen um ihre Reise in Australien fortzusetzen. Und ich habe mich auf den Weg in den Sueden, ans "Ende der Welt" gemacht. Die Magallan-Strasse wurde ueberquert und weiter gings mit dem Bus zu diversen Grenzuebergaengen durch das auesserst trostlose, einsame Feuerland. Hier gibt es wirklich meilenweit ueberhaupt gar nichts zu sehen oder zu tun. Nach einigen Stunden erreicht man dann Ushuaia. Dramatisch am Beagle Channel, am Ende der Anden gelegen. Laut Argentinien, die suedlichste
Stadt der Welt. Ist allerdings gar nicht so wirklich wahr. Puerto Wiliams in Chile liegt noch etwas suedlicher. Aber die Vermarktung ist bei den Argentiniern doch etwas besser. Beide liegen am Beagle Channel und sind Heimat fuer Pinguine, Seeloewen und Komorane. Das Kap Horn ist nur ein Katzensprung entfernt und Atlantik und Pazifik treffen hier aufeinander.... es wird auch gleich um einiges kaelter. Hier hab ich mein obligatorisches Foto am Ende der Welt gemacht und bin auf dem Landweg wieder durch ganz Argentinien Richtung Norden gefahren, wo ich jetzt in Buenos Aires sitze. Die Grosstadt hat mich nach so viel Natur erstmal etwas ueberfordert. Von dem Kulturschock erhole ich mich jetzt also bei Tangoshow, shoppen und auf Familienbesuch naechste Woche warten.
Fazit:
Patagonien ist wunder-wunderschoen. So urspruenglich und abwechslungsreich. Ehrlich: in Worten kaum zu beschreiben.
Dass Patagonien aus einem argentinischen und einem chilenischen Part besteht wird leider manchmal total vernachlaessigt. Ich muss sagen, so sehr mir Argentinien gefaellt, es ist schon um einiges touristischer als Chile. Mein persoenliches Highlight Patagoniens war die Carretera Austral in Chile. Einfach ein grosses Abenteuer wenn man nicht weiss was der Tag bringt!