Also das brasilianische Gesundheitssystem habe ich auch getestet und zumindestens der private Sektor war wirklich gut! Der staatliche ist eher eine Katastrophe und so habe ich den auch gar nicht erst beansprucht; sondern lieber die 100 Reais (=40 Euro) bezahlt und hatte dafür eine brasilianisch-italienische Augenärztin die nett und auch kompetent war oder wenigstens so tat als ob.
Nachdem ich 3 Wochen lang ein rotes, tränendes, schmerzendes, ekliges Auge hatte, das schön geschwollen war und mich wie nach einer Schlägerei aussehen ließ und der ganze Kram aus der Apotheke nicht half, bin ich dann also doch mal dahin marschiert und auch wenn ich nicht alles vom „Augenarzt-Fach-Portugiesisch“ verstanden habe, war ich beruhigt als ich raushörte, dass sie den Grund entdeckt hat. „Gut, solange du’s weißt ist es ja in Ordnung, dann wirst du auch wissen wie man’s behandelt“, dachte ich mir und ging mit 2 neuen Tropfen nach Hause. Half ein bisschen, aber weg ging es davon nicht ganz. Ich sollte sowieso noch mal hingehen und dann bekam ich auch noch mal Anweisungen andere Tropfen in anderer Dosierung in mein Auge zu kippen. Auch das habe ich fleißig gemacht und jetzt ist es auch wieder wunderbar in Ordnung. Komische Sache...aber wer weiß was hier so alles in der Luft rumschwirrt. ;-) Davor hatte ich die Grippe und lag 4 Tage ordentlich flach und sie meinte da kann es sein, dass Viren sich auch mal ins Auge verirren. Naja…solange sie auch wieder weg gehen. Kati hat sich immerhin das gleiche als Souvenir mit nach Deutschland genommen, da konnten wir Erfahrungsaustausch machen und einander gute Ratschläge geben. ;-)
Meine ersten Versuche im Kitesurfen habe ich auch gemacht. Ein Wochenende war ich mit ein paar anderen Deutschen hier und meinen Mitbewohnern an einer Lagune in Icarai - ein Stück nördlich von Fortaleza und habe dort erste Flugversuche unternommen. War super witzig und auch wenn ich noch kein Brett unter den Füßen hatte, hat mich der Kite (=Drachen) ordentlich übers Wasser gezogen. Stefan hat uns ein bisschen Unterricht gegeben und zumindestens ein Gefühl für den Kite hat man bekommen. Am Körper ist dabei an einem Trapez der Kite befestigt, den man mit der Bar, die man in der Hand hat steuern kann. Und der zieht einen normalerweise eben auf dem Brett das man an den Füßen hat übers Wasser. Ist man cool genug macht man dabei noch die beklopptesten Sprünge und Kunststückchen! ;-)
Das hatte ich natürlich nicht, aber Kraft hat der Wind ja trotzdem jede Menge und so bin ich dann auch komplett aus dem Wasser abgehoben und durch die Luft geflogen. Uiii, das war toll und machte richtig Spaß! Das „landen“ im Wasser - ich nenne es „aufbattschen“ - war dann zwar weniger elegant, tat höllisch weh und riss die Klamotten in ungeahnte Positionen; aber als ich nach gefühlten 10 min unter Wasser wieder wusste wo oben ist und atmen konnte, war die Welt wieder in Ordnung! ;-) Danach eine schöne frisch aufgeschlagene Kokosnuss am Meer und man kann das Leben genießen! Wir hatten jedenfalls viel Spaß, Muskelkater und Sonnenbrand - also alles was man braucht! ;-)
Ein mal will ich es auf jeden Fall noch versuchen um auch mal mit Brett wirklich ein Stück zu fahren und danach wird es sich wohl weiter auf body-boarden (habe mein eigenes erstanden und schon kaputt gemacht), laufen am Strand und Capoeira beschränken. Aber auch damit kann man leben!
Eine Reise in eine andere Welt habe ich dann gestern unternommen. Da war ich mit einer holländischen Freundin von hier bei dem Projekt in dem sie gerade Freiwilligenarbeit macht. Das ist eine Organisation, die vor 16 Jahren von einem Holländer gegründet wurde und seitdem in einer der zahlreichen Favelas (=slums) hier mit Kindern arbeitet. Die Kids können dort entweder morgens oder nachmittags hinkommen; müssen aber dementsprechend morgens oder nachmittags in die Schule gehen (Das kann man hier immer wählen). Bei ARCA bekommen sie dann Sportunterricht - in Fußball, Ji-Jitsu, Basketball, Handball, Tanzen etc. Dabei werden diese Trainings schon als wirkliches Training und Unterricht angesehen, sodass die Kids neben Bewegung und eben der Sportart auch soziales Verhalten und Respekt vor anderen lernen. Das macht ACRA wirklich gut finde ich, denn die Kinder bekommen für gutes Verhalten, fürs pünktlich sein und fürs sich aktiv beteiligen jeweils „ACRA Reais“ - die Währung innerhalb von ACRA. Mit einer entsprechenden Anzahl von ACRA Reais können sie dann an einem „freien Tag“ entweder Material ausleihen (Fußballtore, Bälle, Hütchen) oder Süßigkeiten kaufen und eben frei spielen. So lernen sie auch noch mit Geld umzugehen - ein wirklich gutes System finde ich.
Naja, ich verbrachte also den ganzen Tag dort; verließ das Haus um halb sechs und kam um halb acht total erschlagen, mit rabenschwarzen Füßen (barfuß Fußball und Fangen in der Favela spielen) in der anderen Welt Brasiliens hier im Luxus an. Von staubigen Schotterstraßen, alles braun, Häusern die keine sind und manchmal nicht mal Wasser haben, Kühen und Pferden auf der Straße, Menschen die unter widrigsten Umständen leben, Hand- und Eselskarren, Kindern die gar nicht wissen dass die Welt auch anders sein kann zurück an die Beira Mar. Zurück an die Strandpromenade mit clubs und Restaurants, zurück ins Condomínio mit Wachmann und Putzfrau…und das erste was ich dachte war, dass die Kinder hier aus dem Haus nicht unbedingt glücklicher aussehen und scheinen als die Kids in der Favela, die so unglaublich offen waren und sofort Feuer und Flamme für alle Spiele die ich noch so kannte (und dank Handball sind es einige!!!) waren. So spielten wir also Fangen, Völkerball, Fußball, tanzten usw. den ganzen Tag lang. In der Mittagspause war ich dann mit Mary und dem Koordinator des Projektes in einem kleinen, dunklen Laden 4 Straßen weiter, sodass wir also auch einen kleinen Spaziergang unternommen haben und schließlich für Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Avocado 2 Euro bezahlt haben und damit zurück bei ACRA lecker Spaghetti gekocht haben und Avocadosaft getrunken haben. Schon mal jemand Saft aus Avocados gemacht? Klingt eklig, ist aber lecker - einfach alles in den Mixer und ein bisschen Zucker rein und schon man die besten Säfte!
Sicherheitstechnisch war wohl alles in Ordnung; wir hielten uns auch außerhalb der „Anlage“ auf und dadurch dass ACRA den Kindern wirklich eine Perspektive und eine tolle Möglichkeit bietet wird die Mehrheit der Bewohner das auch respektieren. Mit dem Bus hinfahren sollte man dann trotzdem nicht, aber wir wurden mit dem Auto ein bisschen vor der Favela abgeholt und so war auch das in Ordnung. Bei unserem Spaziergang war ja der brasilianische Koordinator dabei und es war ihm zwar nicht so richtig geheuer mit 2 blonden Mädels herumzulaufen, aber es war alles in Ordnung und ist auch nichts passiert. Hätte er ernsthafte Zweifel gehabt, wäre „Dodo“ aber auch nicht mit uns losgezogen nehme ich an.
Beeindruckender Tag war es also und ich werde sicherlich versuchen irgendwie weiter diese Organisation zu unterstützen - denn da weiß ich was sie machen, wie sie es machen und sie machen es wirklich richtig gut! Mal sehen was für Möglichkeiten es gibt; vorbeischauen werde ich auch wieder- nächste Woche wenn ich kann; denn ich hatte unglaublich Spaß mit den Kindern und noch dazu das Gefühl etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Kinder können und wollen so viel lernen; manche können schon ein paar Worte englisch und das der Sport im Fokus steht ist einer der Hauptgründe wieso ich denke dass dort die Kinder eine Perspektive bekommen. Einige haben Talent und der Sport gibt ihnen die Möglichkeit aus der Favela zu kommen und vielleicht mal ein besseres Leben als ihre Eltern zu führen.
Beijos.