Mittlerweile habe ich fast zwei Monate in
Bolivien verbracht. In dem Land in dem der Anbau und Gebrauch von Coca legal ist, ein Land voller Extreme, Armut, unglaublichen Landschaften, politischem Chaos und derzeit leider viel viel Regen, der mich letztendlich dazu gebracht hat doch weiter gen Sonnenschein zu reisen.
Anfang Dezember bin ich von Perú ueber den
Titicacasee nach Bolivien gekommen und habe erst einmal den Anblick von Wasser genossen. Der Titicacasee wird auch das Meer Boliviens genannt, ist der hoechste beschiffbare See (3.800m) der Welt und ist wirklich tiefblau und wahnsinnig schoen. Es gibt diverse Moeglichkeiten den See zu erleben. Von peruanischer Seite ueber die Floating Islands z.B. oder aber ueber den kleinen Hippie-Ort Copacabana, der bereits zu Bolivien gehoert. Dazu habe ich mich entschieden und mit ein paar Freunden aus Peru eine schoene Wanderung entlang des Sees unternommen und mich im Anschluss mit einem Ruderboot uebersetzen lassen zu der Isla del Sol. Die Insel laesst sich wunderbar an einem Tag abwandern und wir haben uns hier zwei Naechte in einem netten Hostal mit Seeblick inklusive Sonnenuntergang gegoennt.
Kurz vor Weihnachten ging es dann weiter Richtung
La Paz, Regierungssitz Boliviens, nur ca. 3 Busstunden entfernt. Entlang der Cordillera Real schraubt
sich der Bus hoch und runter bis er wieder auf ca. 3.800m in der Stadt ankommt. Eine Stadt, die im Lichterglanz von Weihnachten erstrahlte, es gab viele Maerkte u.a. auch den Hexenmarkt, auf dem allerlei Kraeuter verkauft wurden und auch getrocknete Froesche und Lama-Foeten. Nach Befragung der Verkaeuferin dienen diese als gutes Omen, werden gerne an Freunde verschenkt, die sich diese dann irgendwo ins Haus stellen. Ganz vorstellen konnte ich mir das nicht. Wer moechte denn einen getrockneten Lama-Foetus an der Wand haengen haben?! Ohje, es gibt noch einiges was ich hier verstehen lernen muss!
Naja, aber wenigestens bin ich ein
"Death Road Survivor" . Heisst: ich bin die gefaehrlichste Strasse der Welt mit einem Mountainbike runtergefahren. 70km von 4.650m Hoehe runter auf ca. 350m. Ehemalige Hauptverkehrsachse eigentlich eine lediglich einspurige Strasse wurde von Bussen, Trucks und allen weiteren Arten von Fortbewegungsmitteln benutzt. Die Strasse schraubt sich durch verschiedene Klimazonen mit wunderschoenen Ausblicken, vorbei an Schluchten und Kreuzen am Wegesrand fuer Reisende, die die Abstuerze in die Schlucht in der Regel nicht ueberleben koennen. Daher auch der traurige Name. Viele Reisebusse, Autos etc. wurden aufgrund von waghalsigen Ueberholmanoevern oder auch Landrutschen wegen des Regens Opfer dieser Strasse. Seit einigen Jahren
ist diese - ehemalige Hauptverkehrsachse - durch eine "richtige", sichere Strasse ersetzt worden, die von 99% der Autos genutzt wird. Nur noch vereinzelt fahren einige Verrueckte auf der Death Road. Wieso weiss mal wieder keiner.
Mit dem Mountainbike - und ohne den verrueckten Verkehr - ist diese Strasse also nur noch halb so wild, aber dennoch ein schoenes Erlebnis.
Ein weiteres sportliches Highlight fuer mich war die Besteigung des
Huayna Potosi. Dieser Berg ist ein fuer Bergsteiger und auch Touristen beliebtest Ziel liegt in der Cordillera Real und ist 6.080m hoch. Der Aufstieg war muehsam, die Luft dort oben schon recht duenn und jeder Schritt bedeutete Schmerzen. Dennoch, das Klettern in Schnee und Eis ging super bis nachts ein Schneesturm einsetzte und die letzten Meter zum Gipfel leider wetterbedingt nicht zu schaffen waren. Somit musste unsere kleine Klettergruppe umkehren und ich meine sportliche Bergsteigerkarriere in Bolivien leider mit einer Niederlage beenden. Trotzdem: ca. 5.950 m sind fuer mich doch beachtlich und ich bin froh dass ich es versucht habe.
Einige Tage in La Paz genuegten - Grossstadt ist oft gleich Grosstadt und ich wollte weiter, raus aus dem Getuemmel und Verkehr und mich den natuerlichen Schoenheiten des Landes
zuwenden.
Mein naechstes Ziel hiess
Potosí. Am Cerro Rico auf ca. 4.000m gelegen ist Potosí eine der hoechsten Staedte der Welt und bekannt fuer ihre Silber- und Zinnmienen. Im 17.Jahrhundert haben diese die Stadt und die gesamte Region in einem enormen Reichtum erstrahlen lassen. Durch die jahrhundertlange Ausbeutung des Berges, ist der Cerro Rico heute fast ausgeschoepft und es leicht abzusehen, dass die Bewohner Potosís sich eine neue Arbeit suchen muessen. Fuer 90% der Potoseña ist die Arbeit in den Mienen die einzige Moeglichkeit des Geld Verdienens. Es ist eine harte und undankbare Arbeit, daher war meine Zeit in Potosí eher traurig und hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Touristen haben hier die Moeglichkeit ueber Touren die Mienen zu besuchen und sich ein kleines Bild davon zu machen unter welchen Umstaenden die Maenner dort arbeiten. Die Lebensdauer der Mienenarbeiter ist aufgrund der Umstaende (Gase, schlechte Luft, Staub durch Explosionen und und und) um ca. 30 Jahre verkuerzt. Kinderarbeit ist hier eine Normalitaet und somit starten viele 8-10 Jahre alten Jungs ihre Karriere in den Mienen, gehen teilweise nebenbei zur Schule insofern das moeglich ist und unterhalten zum Teil ihre gesamte Familie mit den kuemmerlichen Einkommen.
Ich hab mich so einer
Tour angeschlossen aber schon nach einigen hundert Metern den Rueckzug angetreten. Neben schlechter bis gar keiner Sicht (des Staubes wegen), unglaublichem Laerm durch Pressluftbohrer und Dynamitesprengungen und ausserdem Hitze ist auch ein aufrechtes Gehen in den kleinen Kammern nicht moeglich. Somit sind eigentlich alle Sinne betroffen und ich hab erkannt dass ich leicht klaustrophobisch veranlagt bin. Hab somit meine Coca-Blaetter den Mienenarbeitern geschenkt und vor der Miene auf die restlichen Teilnehmer gewartet. In einen Mieneneinsturz wollte ich einfach nicht verwickelt sein.
Das Schicksal von Kindern, die u.a. durch Einstuerze von Mienenabschnitten zu Halbwaisen gemacht wurden, verfolgten mich durch ganz Bolivien bis nach Sucre und Cochabamba. Es ist erschreckend zu sehen welch geringe Moeglichkeiten viele Bolivianer aufgrund von fehlender Erziehung, Bildung und politischem Chaos haben.
Hier muss noch ganz schoen viel in Ordnung gebracht werden.
In Potosí habe ich dann ein paar Leute kennengelernt, mit denen ich Weihnachten verbracht habe.
In der Hauptstadt
Sucre haben wir uns in ein nettes Hostal eingemietet, die Kueche in Beschlag genommen, viel viel weihnachtliches Essen von den Maerkten und Rotwein eingekauft und mit ca. acht verschiedenen Nationalitaeten die Feiertage gemeinsam verbacht. Ein rundum schoenes Erlebnis.
Die Stadt ist ebenfalls recht sehenswert. Schoene Kolonialgebaeude, eine
tolle Kathedrale und nette Cafés, Maerkte usw.
Von Sucre ging es kurz nach Weihnachten weiter nach
Uyuni . Einem kleinen Ort im Suedwesten Bolivien, von wo aus wir eine 3 Tages Tour durch die groesste Salzwueste der Welt (
Salar de Uyuni ) gestartet haben. Mit einem Jeep ging es zu sechst plus Fahrer plus Koechin durch eine der beeindruckendsten Landschaften, die ich je gesehen habe. Ein Meer aus Salz (160km lang und 130km breit mit einer Salzkruste von 2-7 m), das sich im Sonnenschein spiegelt und die schoensten Farben und Salzformen zustande bringt. Auf der Fahrt inklusive sind auch diverse Lagunen, Uebernachtungen in Salzhotels, Besuch von Flamingos und abnormen Steinformationen. Alles in allem eine sehr gelungene Tour fuer kleines Geld mit Abschluss in
San Pedro de Atacama im Norden Chiles. In diesem kleinen Aussteigerort haben wir Silvester verbracht. Von hier bin ich am Nuejahrstag fuer einige Tage nach
Salta, im Norden Argentiniens weitergefahren - u.a. der Steaks und Rotweins wegen, bevor ich wieder in das Land des Huehnchen mit Reis zurueckfahre um den Rest Boliviens zu sehen. Es hat sich gelohnt!
Auf meiner Rueckreise nach Bolivien ging es dann weiter durch
Tupiza, einer kleinen Stadt bekannt fuer ihre Canyons und
Reiterausfluege, zurueck durch Sucre nach Cochabamba und von dort in den kleinen Ort
Villa Tunari. Hier hat die Organisation
"Inti Wara Yassi" (Sonne, Mond, Sterne) eine Auffangstation fuer Tiere gegruendet. Freiwillige sind hier immer gerne willkommen. Man kann eigentlich bei allem und jedem aushelfen. In diesem Refugio finden unter anderem Affen, Nasenbaeren, Pumas, Ozelote, Baeren, Schildkroeten und viele Tiere mehr Unterschlupf. Vor allem sind dies Tiere, die z.B. von bolivianischen Familien oder Zirkussen gehalten wurden, aber nicht mehr handlebar waren, Misshandlungen erleben mussten und in die Obhut dieser Organisation gegeben wurden. Einige Tiere koennen in ihre natuerliche Umgebung zurueckgefuehrt werden - so z.B. die Mehrzahl der Affen. Andere, Pumas z.B. werden ihre restliche Lebenszeit dort verbringen, weil sie in keinster Weise an den Dschungel gewoehnt sind und nicht ueberleben wuerden.
So habe ich fuer einige Zeit einen Puma spazieren gefuehrt, damit er seinen taeglichen Auslauf bekommt. Nicht alleine sondern zu zweit macht man das und man bekommt so recht gut den Dschungel zu spueren. Die Pumas sind recht "lieb" wobei man sich natuerlich immer vor Augen halten muss, dass es Wildtiere sind. Dennoch kann man sie streicheln und sie danken es mit einem Schnurren. Da ich aber keine Puma-Expertin
bin und auch manchmal klein wenig Bedenken dabei hatte, bin ich zu den Affen gewechselt, habe dort meine Streicheleinheiten abgegeben, mit ihnen gespielt und eine abwechslungsreiche Zeit verbracht. Ein schoenes Erlebnis und ein paar Wochen auf meiner Auszeit-Reise zu arbeiten ist auch mal gar nicht schlecht. Und das unter echt anstrengenden Bedingungen. Hitze, Regen, Feuchtigkeit, Stiche aller Art, Nasenbaeren-Bisse und staendig nasse Fuesse.... ohje. Auch hier musste ich recht schnell raus :) Tierarbeit ist schoen, aber nicht so.
So bin ich nun, Anfang Februar zur Karnevalszeit in Cordoba, im Norden Argentiniens, goenne mir heute abend mein erstes Steak mit einem schoenen Rotwein und melde mich wieder bei Euch. Das naechste Mal etwas eher - Versprochen!