Durch die Calchaquietaeler


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April 18th 2006
Published: April 21st 2006EDIT THIS ENTRY

Hallo ihr Alle,
so da sind wir also wieder: wohlbehalten und gluecklich sind wir von unserem Ausflug in die Valles Calchaquies zurueckgekehrt. Aber das Ganze gibt es natuerlich auch ausfuehrlicher - also, das Ganze war naemlich so:
Am (Oster-)sonntagabend machen Raphael und ich uns auf den Weg ins Zentrum - nach einer Woche Salta sind wir froh endlich wieder loszuziehen und freuen uns auf unseren Mietwagen, der uns fuer 21.00 Uhr versprochen wurde. Nachdem der ganze Papierkram erledigt ist bringt uns der Autovermieter zu unserem kleinen Fiat Palio (als ich Fiat gehoert habe wurde mir ja schon ganz anders - aber siehe da: Fiat kann tatsaechlich auch ganz ordentliche Autos bauen). Als wir uns den Wagen genauer ansehen entdecken wir aber, dass unser neuer Freund leider an einem platten Reifen leidet....Das Angebot des Vermieters den Reifen aufzupumpen lehnen wir dankend ab und Raphael macht ihm klar, dass der Reifen geflickt werden muss. Er willigt ein & verspricht uns den Wagen innerhalb der naechsten Stunde ins Hostel zu bringen. So ziehen wir etwas enttaeuscht zu Fuss zurueck ins Hostel. Nachdem es 22.30 Uhr wird und noch nichts passiert ist, werde ich so langsam unruhig. Raphael, dessen paraguayische Seite mit so etwas besser umgehen kann, bleibt noch sehr relaxt - aber als um 23.30 Uhr immer noch kein Autovermieter da ist, machen wir dann doch die Handnummer des Typs ausfindig und rufen ihn an. "Ja, ich bin gerade dabei den Reifen zu reparieren und werde innerhalb der naechsten 10 Minuten bei euch sein....".
Nachdem wir ihm etwas spaeter am Telefon noch den Weg erklaert haben, ist er dann tatsaechlich noch vor Mitternacht bei uns. Raphael bringt ihn dann noch schnell zurueck ins Zentrum und unser Auto zur Nachbarin, wo es fuer die Nacht fuer 4 Pesos einen sicheren Schlafplatz findet - puh - das waere geschafft.
Am naechsten Morgen geht es aus dem (wie immer) grauen, wolkenverhangenen Salta frueh los in Richtung Sueden. Bereits nach einigen Kilometern steigt uns ein penetranter Benzingeruch in die Nase, aber wir suchen die Schuld irgendwo ausserhalb des Autos....und fahren froehlich weiter. Ueber einige Doerfer gelangen wir schliesslich nach Alemania - wo wir am Ortsschild natuerlich einen Fotostop einlegen muessen. Dort kriecht Raphael schliesslich unter das Auto und ich schnueffle im Inneren des Autos herum um den Ursprung des immer noch vorhandenen Benzingeruchs aufzuspueren - denn, nachdem nun schon kilometerlang kein Auto mehr vor oder hinter uns ist,
Der Frosch Der Frosch Der Frosch

..und mein Prinz!
scheint doch unser Fiat selbst der Verursacher des Gestanks zu sein. Ich erschnueffle den Ursprung des Gestanks (sozusagen das Epizentrum) direkt hinter dem Beifahrersitz - der Tank scheint also ein Problem zu haben. Dummerweise hat unser Handy keinen Empfang mehr und so beschliessen wir uns bis nach Cafayate durchzuschlagen. Bis auf den penetranten Gestank ist die Fahrt dorthin quer durch die Quebrada de las Conchas sehr, sehr schoen: In der 80 km langen Schlucht sind immer wieder verschiedene Formen und Figuren zu erkennen: La Garganta del Diablo, die Schlucht El Anfiteatro (mit tollem Echo), La ventana, Los castillos usw. Am Besten gefaellt uns aber El Fraile, ein frei in der Landschaft stehender Fels in Moenchsgestalt - nur leider im Gegenlicht, daher gibts auch keine schoenen Fotos. Bei El sapo angekommen fragen wir uns dann aber doch, ob hier nicht auch noch andere Kraefte ausser die des Windes am Werk waren. Die Figur sieht tatsaechlich einem Frosch verblueffend aehnlich - und ist einfach verdammt gut zugaenglich... Naja, schoen ist sie trotzdem.
Gegen 13.00 Uhr erreichen wir Cafayate, welches uns mit einem strahlend blauen Himmel begruesst. Mittlerweile haben wir auch unseren Autovermieter erreicht, der uns zu einer Werkstatt in Cafayate lotst. Bis wir den richtigen Mechaniker finden vergeht etwas Zeit & zu allem Ueberfluss versperrt ein LKW - dessen Fahrer gerade beim Mittgaessen ist - die Zufahrt zu dessen Werkstatt. Kurzentschlossen schwingt sich der Mechaniker auf sein Motorrad um sich auf die Suche zu machen - und ist tatsaechlich 10 Minuten spaeter mit den Schluesseln fuer den LKW wieder da. Unser Auto kann also kurz danach vorfahren und wird durchgecheckt. Diagnose: Ein Riss im Tank, der aber ungefaehrlich ist. Der Mechaniker ist sich sicher, dass der Gestank mit dem Sinken des Benzinpegels verschwinden wird - also fahren wir 2 Stunden spaeter weiter. Den geplanten Bodegabesuch muessen wir leider vorerst verschieben, da wir noch einen weiten Weg vor uns haben.
Unser Weg fuehrt uns nun wieder nordwaerts, mittenhinein in die Valles Calchaquies. Die Landschaft ist wunderschoen: bizarre Felsformationen in allen moeglichen Braun-, Rot- und Gruentoenen. Hinter jeder der zahlreichen Kurven wartet eine neue, teilweise atemberaubende Bergkulisse auf uns und obwohl der Benzingestank natuerlich nicht besser wird, geniessen wir die Fahrt durch die Schluchten, immer entlang des Rio Calchaqui, vorbei an Kakteenfeldern und anderer karger Vegetation, in vollen Zuegen. Immer wieder fuehlen wir uns direkt in Tolkiens Herr der Ringe hineinversetzt - eine verrueckt-bizarre Landschaft! Gutgelaunt kommen wir noch vor Einbruch der Dunkelheit in unserem Tagesziel Molinos, einem Bergdorf auf ca.1800 Meter, an. Schnell finden wir eine schoene Hospedaje familar: einfach, aber recht sauber - herzlich werden wir empfangen und fuehlen uns gleich wohl. Etwas spaeter machen wir uns auf den Weg in das einzige Restaurant des Ortes - und auf dem Weg durch den dunklen Flur hoere ich ploetzlich seltsam vetraut klingende Geraeusche....ich kann zwar nichts Genaues verstehen, aber es scheint sich tatsaechlich um schwaebisch zu handeln... Der Hunger haelt uns davor ab, der Sache auf den Grund zu gehen und so trotten wir durch das verschlafene Oertchen mitten in den Bergen und lassen uns im Los tres Chinos nieder. Wir sind die einzigen Gaeste - ob das Restaurant wohl jemals voll ist??? Wir geniessen das klassische Essen des Nordens: Humita, ein im Maisblatt gekochter Brei aus Mais und Kaese und Empanadas - dazu ein mit Kartoffelscheiben aufgepeppter Salat (jaja, Kartoffelsalat ist naemlich international!) und ein Flaeschchen Vino. Unsere traute Zweisamkeit wird aber aprubt gestoert, als die Tuer auffliegt und ein 4er Grueppchen - offensichtlich Touristen - hereinmarschiert. Keine 10 Sekunden spaeter werden wir in breitem schwaebisch gefragt, ob wir denn die Deutschen seien, von denen ihnen bereits berichtet wurde. Ja - die sind wir wohl. Die vier wohnen tatsaechlich im gleichen Hospedaje.... Molinos: ein kleines Bergdorf in Nordargentinien - keine Touristen weit und breit, mit Ausnahme von sechs Reisenden, von denen 4 auch noch aus Stuttgart, ja sogar aus Stuttgart-Moehringen, kommen. Einmal mehr wird uns klar: Die Welt ist ein Taschentuch.... dennoch kommt es uns Allen schon sehr skurill vor, als wir uns ein wenig spaeter ueber das Fanny-Leicht-Gymnasium und wer welchen Lehrer in Mathe hatte, unterhalten.

Der naechste Morgen beginnt so, wie der gestrige Abend sich verabschiedet hat: mit blauem Himmel und Sonnenschein. Wir verabschieden uns von den Stuttgartern und unserer Hospedaje und fahren - mit einem Zwischenstop bei einer Vicuña-Zuchtstaion (Vicuñas sind eine Art wilde Lamas und gelten als die Lieferanten der feinsten Wolle ueberhaupt) und vorbei an unzaehligen Kandelaberkakteen die jetzt die Strasse saeumen - nach Cachi(bedeutet auf Quetschua Salz), einem ebenfalls wunderschoen gelegenen Ort, der vom 6720 m hohen, schneebedeckten Berg Nevado de Cachi ueberragt wird. Cachi verzaubert uns mit seinem urspruenglichen, kolonialen Ortskern, seinen leckeren Humitas und damit das alles nur Erdenkliche aus Kakteenholz hergestellt ist. Obwohl der Ort eine gewisse Bekanntheit erreicht hat, wird er bislang noch nicht vom Massentourismus heimgesucht und waehrend wir dort mittagessen, geniessen und bewundern, hoffen wir instaendig, dass das noch lange so bleiben wird. Solange es nach Cachi keine asphaltierte Strasse gibt stehen die Chancen hierfuer recht gut.

Nachdem wir beschlossen haben wiederzukommen, geht die Fahrt weiter - hinein in den Nationalpark Los Cardones: wie eine zum Kampf bereite Armee stehen hier zigtausende, bis zu 10 Meter hohe, Kandelaberkakteen dicht an dicht.

Wenig spaeter erreichen wir die Passhoehe Piedra de Molino, wo auf 3348 m ein Muehlstein sein Dasein fristet - woher er kommt?, wer ihn in diese Hoehe geschleppt hat? - Keiner weiss das. Dort oben ist auch ein kleiner Heiligenschrein, wo wir zum ersten Mal das merkwuerdige Verflochtensein von Christentum und stammes/naturreligioesem Brauchtum live miterleben: Eine Heiligenfigur ueber und ueber mit Kokablaettern und sogar einigen Zigaretten als Opfergaben bedeckt.

Nun geht der Weg steil bergab und so schlaengeln wir uns Kurve um Kurve hinunter, durch die Cuesta del Obispo bis hinein in die Quebrada de Escoipe. Die Kandelaberkakteen muessen nun ueppigerem Gruen weichen - hier unten fuehlen sie sich nicht mehr wohl- und unser Weg fuehrt uns durch ein enges Tal.

Am fruehen Abend erreichen wir wieder Salta (diesmal tatsaechlich unter blauem Himmel!!!!), nehmen Kurs auf unseren Autovermieter und eine Stunde spaeter bekommen wir tatsaechlich einen anderen, hoffentlich lecklosen, Fiat Palio angeliefert :-)

Der Fahrt in die Quebradra de Humahuaca & nach San Antonio steht also Nichts mehr im Wege.....

bis bald & ganz liebe Gruesse auch vom Raphael,

es umarmt euch ganz dolle,
die Silke



Additional photos below
Photos: 23, Displayed: 23


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Angriff der KillerkakteenAngriff der Killerkakteen
Angriff der Killerkakteen

Ganz schoen tueckisch: Am Anfang waren sie ja noch ganz lieb, diese Laberkakteen - aber ploetzlich kam es zum Zweikampf....
Heiligenschrein mit Kokablaettern und CoHeiligenschrein mit Kokablaettern und Co
Heiligenschrein mit Kokablaettern und Co

Keine Ahnung, ob auch Verpackungen als Opfer angesehen werden koennen - also ich wuerde das eher als Muell bezeichnen...


27th April 2006

Der Frosch und mein Prinz?
Hallo Silke, danke für Deinen stimmungsvollen und emotionalen Bericht. Ich muss sagen Ihr habt die richtige Mischung, eben bei Raphael noch etwas über den argentinischen Norden gelernt und bei Deinem Bericht kommt man aus dem schmunzeln nicht mehr heraus (Tut guuut). Natürlich sind für Euch manche Situationen nicht so lustig aber wie Du es dann erzählst ist echt witzig. Bei Euren Superfotos hätte ich aber doch die eine oder andere Anmerkung. Bei dem Bild "Der Frosch und mein Prinz" hast du leider vergessen darauf hinzuweisen welcher von den beiden nun Dein Prinz ist ;-)). Das Euer Reise- und Glücksschwein sich auf diesem Kaktus offensichtlich so wohl gefühlt hat lässt bei mir den Verdacht aufkommen daß es sich eventuell um eines dieser seltenen Fakirschweine handelt. Ihr solltet mal in seinem Pass nachsehen woher es kommt. Für heute ganz liebe Grüße an Dich und Rapha Peter

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