"Routa 40" via Porito Moreno to el Chalten


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South America » Argentina » Chubut
December 6th 2007
Published: December 10th 2007EDIT THIS ENTRY

Und schon befand ich mich wieder im Bus. Diesmal komplett durchorganisiert.
Das ganze heisst Routa 40 und ist eine Organisation die einen bis nach Calafate bring. Man kann dann zwischendurch Stops einlegen und Ausfluege machen.
Wir hatten sogar eine Art Reisebuerotypen im Bus und so habe ich doch wirklich mal ein paar Tage im Voraus geplant.
Die erste Fahrt dauerte 12 Stunden und das Hostel in Perito Moreno war schon gebucht. Auf der Tour habe ich eine Argentinierin kennengelernt. Sie heisst Ana und ist die Managerin eines Hostels in Bariloche.
Da das Hostel ein zweites in Calafate aufgemacht hat war sie auf dem Weg dorthin, um nach dem Rechten zu sehen. Sie hatte also die gleiche Reise vor wie ich nur ohne Ausfluege.
Natuerlich habe ich gleich sichergestellt, dass ich in Calafate in ihrem Hostel uebernachten kann.
Nach 12 Stunden sind wir dann in Perito Moreno angekommen. Einem verlassenen Nest mit einer Bank einem Supermarkt und nicht mehr als eine Hand voll Haeuser.
Das Hostel war ein altes Hotel und ziemlich heruntergekommen.
Ich habe mir mit Ana ein Zimmer geteilt. Wir sind fast erfrohren, da unsere Heizung kaputt war.
Am naechsten Tag hatte ich eine Tour zu den Cuevas de las Manos gebucht.
Musste also mal wieder um 6 Uhr aufstehen aber schon allein der Weg dorthin hat sich mal wieder gelohnt.
Der Himmel hier in Patagonien ist einfach unbeschreiblich!
Hier erinnert alles ein wenig an Island, ausser dass die Islandpferde fehlen.
Schafe gibts es allerdings tausende. Ausserdem gibt es hier Lamas und Strausse oder Straeusse oder wie auch immer......
Alle Tiere passen irgendwie in die Farben der Landschaft.
Aber dann, auf einmal, PINK!
Flamingos, ueberall Flamingos. ich war total ueberrascht. Wie kommen die hierher? Ich dachte die gibt es in Florida oder so.

Und nicht nur die Flamingos haben mich ueberrascht. Etwa 160 km von Perito Moreno entfernt tuen sich in der oeden Landschaft riesige Schluchten auf.
Hier befinden sich die Cuevas de Manos (Hoele der Haende), wo vor neuntausend Jahren die Uhreinwohner in den Felsvorspruengen gelebt haben und mal wieder abstrakte Zeichnungen hinterlassen haben.
Die meisten sind sind Darstellungen von Haenden und Jagtszenen.
Wo frueher mal der Rio Pinturas floss ist heute nur noch eine Pfuetze.
Sowie die Funde aus dem Talampaya Nationalpark sind auch diese Werke auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.
Und auch hier durften wir uns mal wieder die wildesten Interpretationen anhoeren, was die Menschen damals fuer Gruende hatten ihre Hanede dort zu verewigen.
Schoen war es aber wie immer. Auf der Tour habe ich eine nette Schwedin kennengelernt, die mit ihrem Freund auch auf dem Weg nach Calafate war.
Ana war ja leider nicht mitgekommen und wartete schon ausgeschlafen am Treffpunkt, wo unsere Reisegruppe wieder zusammentraf um nach El Chalten weiterzufahren.
Und wieder waren 12 Stunden im Bus totzuschlagen. Wir waren mittlerweile eine ganz nette Truppe. Ana, Maria, die Schwedin und dann noch Tal, eine Israelin.
Und so war es nicht ganz so schlimm. Die Stimmung war gut und der Sonnenuntergang den wir hatten, als wir kurz vor El Chalten waren, einfach unglaublich.
Man konnte schon aus der Ferne die Gletscher sehen. Die Vorfreude auf die Gletschertour am naechsten Tag war natuerlich gross!
Das Hostel erinnerte mehr an eine Skihuette und das war recht passend, denn mittlerweile war es ziemlich kalt geworden.
Der Wind fegt hier um die Ecken und so habe ich es mir in meinem Bett gemuetlich gemacht um noch ein paar Stunden zu schlafen, bevor es auf die 12 Stunden Tour gehen sollte.

Am naechsten morgen musste ich erstmal ein Formular ausfuellen, falls mir auf der Tour etwas zustossen sollte.
Hatte schon ein flaues Gefuehl im Magen, als ich meine Blutgruppe angeben sollte.
Meiner Erfahrung nach sind die Ausfluege hier sind oft nicht unbedingt so wie man sie erwartet und meistens extrem anstrengend und gefaehrlich.
In Deutschland muesste man wahrscheinlich erstmal ein paar Versicherungen abschliessen.
Leider war ich am Vorabend zu spaet angekommen und konte kein Lunchpaket mehr bestellen und so musste ich den Tag wohl mit ein paar Kraeckern und eine Flasche Wasser auskommen.

Wir waren etwa zehn Leute und abgesehen von einem spanischen Paerchen, das auch in dem Bus war, kannte ich niemanden.
Habe mich allerdings gleich mit einer Gruppe von 4 Jungs angefreundet, die zwar auch alles Alleinreisende waren, sich aber an verschiedenen Orten zusammengetan haben.
Die ersten 2 Stunden waren noch relativ unbeschwerlich. Dann sind wir in einem Basecamp mit Spezialguerteln und Eisschuhen ausgestattet worden.
Von hieraus haben wir zwei neue Fuehrer bekommen. Nach einer Weile hiess es einen Fluss zu ueberqueren. Und zwar an Seilen. Hierfuer war also der Guertel. Mit einem Karabiner wurde man am Seil befestigt und dann musste man sich ueber den Fluss hangeln.
Wir hatten uebrigens unverschaemt gutes Wetter und die Sicht auf den Cerro de Torre war besser als auf jeder Postkarte.
Nun fing der Weg an etwas schwieriger zu werden, um nicht zu sagen, hoellenanstrengend!!!!
Das war kein Trekking sondern Extremklettern. Stundenlang!
Ich war aber immer ganz vorne mit dabei. Ein Teil der Gruppe hatte bereits seine Schwierigkeiten und ich war nicht allzu traurig, dass wir auf dem Weg ein paar Pausen einlegen mussten um auf die Anderen zu warten.
Zum Glueck gab es einen kleinen Rinnsal mit Gletscherwasser denn mein Wasser war natuerlich schon laengst leer und ich halbverdurstet.
Nun ging es noch das letzte Stueck bergab und dann waren wir auch schon auf dem Gletscher.
Alles unter uns Eis. Also schnell in die Eisschuhe geschluepft und weiter gings mit Eisnaegeln unter den Fuessen.
2 Stunden ging es hoch und runter, an riesigen Eisloechern vorbei zu einer Eiswand wo die anderen ihr Lunchpaket verzehrt haben und ich mich an meinen Kraeckern erfreut habe.
Zwei der Jungs haben mir allerdings netterweise einen Bissen von ihrem Sandwich angeboten.

Dann durften wir uns etwas am Eisklettern versuchen. Also jeweils eine Axt pro Hand, die Zehenspitzen ins Eis gerammt und los gings.
Ich glaube ich habe mich gar nicht so bloed angestellt.
Andere hatten naemlich ihre Schwierigkeiten. Vielleicht zu grosse Fuesse, war aber ein lustiges Schauspiel.
Danach ging es dann wieder uebers Eis zurueck und als wir wieder festen Boden unter den Fuessen hatten konnten wir die Eisschuhe, die mich uebrigens sehr an meine ersten Schlittschuhe erinnert haben, wieder ausziehen.
Was jedoch nicht hiess, dass es einfacher wurde, denn die Felsen, die wir hinunter gehuepft sind mussten wir schliesslich wieder hoch.
Danach ging es dann das fiese Stueck, dass mich auf dem Hinweg fast umgebracht hat wieder hinunter.
Erst dachte ich das waere viel angenehmer aber erstens hatten die Jungs das Tempo ganz schoen angezogen und zweitens taten nach fuenf Minuten meine Knie total weh und ich weiss jetzt schon, dass ich im Alter ein kuenstliches Knie brauchen werde.
Das Wetter war mittlerweile total stuermisch geworden und die Seilbahn ueber den Fluss war eine ganz schoene Schaukelpartie.
Auf der anderen Seite mussten wir dann ueber einen windungeschuetzten Deich. Der Wind war bereits orkanartig und wenn mich nicht der, der hinter mir lief ein paar mal festgehalten haette ware ich sicher an der Seite heruntergepurzelt.
Ziemlich geschafft sind wir irgendwann im Camp angekommen, wo wir unsere Guertel und Schuhe abgegeben haben.
Ich war so fertig, dass ich nicht mal mehr in der Lage war aufzustehen um mir einen Keks zu nehmen.
Aber das war noch lange nicht das Ende des Trips.
Schliesslich mussten wir noch zwei Stunden zum Hostel laufen.
Auf dem Weg haben wir noch zwei Maedchen gerettet, die in den Fluss gefallen waren und von der Stroemung mitgerissen wurden.
Ich waere erfroren. Die waren klitschnass und mussten noch den ganzen Weg zurueck laufen, die Aermsten.
Als wir endlich im Hostel angekommen sind dachte ich, ich brech zusammen.
Ich hatte allerdings Hunger und so entschied ich mit den Jungs noch etwas essen zu gehen.
Natuerlich gab es Fleisch und Rotwein aus Pinguinkaraffen.
Wie ihr euch vorstellen koennt bin ich ein grosser Fan von Pinguinkaraffen. Die haben sie hier ueberall.
Geschlafen habe ich natuerlich wie ein Stein aber der Wecker war mal wieder gestellt, denn nun stand ja noch Fitz Roy auf dem Plan.
Leider war das Wetter ziemlich grausam und ich habe lange ueberlegt, ob ich gehe aber letztendlich dachte ich, was wenn mich zuhause einer fragt, ob ich in Chalten war und ich sage ja und dann fragt er, dass ich ja sicherlich Fitz Roy gesehen habe und ich muss dann antworten, dass ich nicht gegangen bin weil es windig war und geregnet hat.
Das konnte ich natuerlich nicht vertreten und abends hatte ich schon meinen Bus nach Calafate gebucht und so konnte ich es auch nicht verschieben.
Der harte Kern der Gruppe des Vortags und Tal, die Israelin, haben mich begleietet.
Wir haben ein bisschen gemogelt und uns ein Stueckchen fahren lassen.
Es waren allerdings immernoch fuenf Stunden zu laufen und wie sollte es auch anders sein als......bergauf.
Da wir ein gutes Tempo vorgelegt hatten konnten wir uns ein bisschen Zeit fuer ein Picknik im Wald nehmen.
Da wir keine Ham-and-Cheese-Sandwiches mehr sehen koennen haben wir einfach ne riesige Wurst und ein Stueck Kaese gekauft.
Haben dann also wie Wilde gespeist. Gemuetlich sind Pickniks in Patagonien allerdings nicht, denn sobald man die Hitze vom Fussmarsch verloren hat wird es ziemlich kalt.
Als wir endlich am Aussichtspunkt angekommen waren konnte man den Berg leider gar nicht sehen, denn er war komplett wolkenbedeckt.
Dafuer konnten wir ein paar Schneemassen beobachten, die wie kleine Lavinen von der Bergspitze runtergestuerzt sind.
Und auch wenn das Wetter nicht das allerbeste war hat sich auch dieser Ausflug wie immer gelohnt und jetzt kann ich wenigstens sagen, dass ich da war, wenn ich ihn auch nicht gesehen habe.
Als wir wieder angekommen waren gab es noch ne heisse Schokolade, bzw heisst das hier Submarino und ist heisse Milch mit einem Stueck Schokolade, und dann ging es auch schon wieder weiter nach Calafate, um dort mehr Gletscher zu erkunden.
Diesmal auch nur fuenf Stunden. Und das mit Tal. Die hoert nie auf zu quasseln, schlimmer als ich, und so vergingen diese fuenf Stunden wie im Flug.
Aber ein naechster Ort bedarf natuerlich auch einen naechsten Travelblog.
Besos















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