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Published: May 5th 2012Oceania » AustraliaMay 5th 2012


mein neues Zimmer
...in meinem neuen (sauberen) Zimmer gibt es kaum mehr Möglichkeiten mich zu verstecken... (ich verkrümel mich da grad hinter der Sessellehne)
Der Tag an dem Berni abgereist ist wurde gänzlich von meinem Sauberkeitsfimmel und Ordnungswahn eingenommen. Da wir gemeinsam mein Bett umgestellt haben, weil es an der Fensterwand zu kalt und zu zugig war, hatte ich die Möglichkeit meinem Zimmer eine neue ‚Prespektive‘ zu geben – im wahrsten Sinne des Wortes – und hab neue Poster aufgehängt, unter anderem eine große Wandkarte von Australien, was ich eh schon lang machen wollte, und hab alle meine Andenken, Karten, Bustickets und Buchungsbestätigungen sortiert. Als dann absolut gar nichts mehr zum Waschen, Ordnen, Sortieren oder Aufräumen übrig war, bin ich mir richtig einsam und allein in meinem neu-geordneten Paradies vorgekommen. Alles nach meinem Kopf zu richten ist einfach nicht ganz so zufriedenstellend, wie man sich das vielleicht vorstellen mag. Wobei es für mich Alles in Allem erträglicher ist, als ich dachte. Man kann also doch mit sich selbst leben – wenn auch bestimmt nur auf begrenzte Zeit. Das schöne an einem aufgeräumten Zimmer ist, dass ich mich quasi zum Arbeiten zwingen muss, weil ich sonst schon alles erledigt hab, was es zu erledigen gibt. Wenn da nicht diese ständigen kleinen Notwendigkeiten wären, wie Essen und die gelegentliche Erleichterung, (die um einiges öfter vorkommt, wenn man
am Tag 3 Kannen Tee trinkt…) könnte ich auch fast ungestört arbeiten. Mein neuerliches Alleinsein hat mir zwar keinen Kreativitätsschub verpasst, aber meine Produktivität, zumindest für das erste Wochenende, um einiges gesteigert.
Gerade hab ich den totalen Melbourne Flashback, weil Neil (Katies Vater) Katie besucht und den Moment zu uns nach Hause gekommen ist. Nach einer Umarmung und den üblichen (nicht weiter erwähnenswerten) Begrüßungsfloskeln, hat er mir gleich ein neues Foto von ihm mit einem Koala gezeigt: „I gotta show this to Bea!“, hat er sich gedacht, als er das Foto gemacht hat. Dass ich in ihrem Garten in Ocean Grove mit meiner Kamera Papageien hinterhergejagt bin, weil ich so fasziniert war, ihnen nahe zu kommen, werden Neil und Leanne wohl nicht so schnell vergessen. Das ist auch schon das zweite Tierfoto, das Neil auf irgendeinem Weg zu mir gebracht hat. (Das erste war ein mir gewidmetes Papageienfoto auf Facebook)
Aber zurück zu letzter Woche: Dienstag hab ich dann wieder den halben Tag auf der Uni verbracht – die Vorlesungen werden nicht wirklich spannender, eher im Gegenteil – und bin am Abend für eine Retail Marketing Projektarbeit zum Einkaufszentrum Charlestown Square gefahren. Und ich
hab auch vor, bald wieder hin zu fahren, weil mich sowohl die Atmosphäre, als auch die Sauberkeit und ganz zu sprechen von den vielen Geschäften (denen ich noch nicht genug Aufmerksamkeit schenken konnte), vom Hocker gehaut haben. Der eigentliche Grund warum ich dort hin gefahrn bin war jedenfalls, dass wir eine Studie über Max Brenner – eine Schokoladenbar /-Restaurant /-Café – machen und dafür den Retailer besuchen und analysieren müssen. Der Laden an sich ist ziemlich genial, vor allem natürlich, wenn man Schokolade mag, aber auch ziemlich teuer.
An dem Abend hab ich auch meine Gruppenmitglieder etwas besser kennengelernt. Die meisten seh ich kaum im Unterricht, da sie weder zu den Tutorials noch zu den Vorlesungen kommen. Da das hier eine Uni ist, gibt es eben auch keine Anwesenheitspflicht, und das darf man den Aussies nicht zwei Mal sagen… Neben meinen drei Kollegen aus Australien, hab ich noch eine sehr nette Asiatin im Team, Grace, aus Indonesien – genau gesagt Vata. Warum mich Asiaten (vor allem –innen) hier so vergöttern weiß ich nicht, ich vermute jedoch, dass die blonden Haare doch ziemlich beeindruckend sind. Na jedenfalls hat sie sich bei unserem Treffen sehr zurückgehalten, vermutlich auch, weil
ihr Englisch nicht allzu gut ist, und als wir fertig mit unserer Arbeit waren, wollte sie sich ein Taxi zurück nach Newcastle nehmen. Charlestown ist aber gute 30-40 Minuten von Newcastle entfernt, was sie bestimmt ~200$ gekostet hätte, demnach hab ich sie im Prinzip nur an der Hand nehmen und heimbringen müssen. Nachdem ich sie zu meinem Bus gebracht hab und ihr erklärt hab, wie sie nach Hause kommt, hat sie sich – ähnlich wie damals Giehae – nach dem ersten Kulturshock und dem höflichen Zurückhalten, geöffnet und angefangen mir Allerlei aus ihrem Leben, von ihrem Studium, und ihrer Insel Vata zu erzählen. Und nicht zu vergessen, eingeladen hat sie mich auch. Sie würde mir ihr Haus uns ihre Insel zeigen. Und die vielen Pavillons und Märkte. Sie war zuckersüß. Und offenbar ziemlich glücklich, dass sie das jemandem erzählen konnte. Bevor ich ausgestiegen bin, hat sie sich mir in die Arme geworfen und ich hoffe, dass ich sie bald mal wieder sehen werd. Ich hab so das Gefühl, dass Asiaten hier lange nicht so akzeptiert sind, wie sie sein sollten. Nur, weil viele hier Leben und Studieren, heißt das noch lange nicht, dass sie integriert sind. Und soweit ich das
beurteilen kann, sind sie das minimal bis gar nicht. Was mich traurig macht, aber in meinen wenigen Monaten hier, werd ich das wohl kaum ändern können.
Grace, die übrigens im vollen Namen Gracelia Chintya Winardi heißt, war eigentlich der Hauptgrund, dass ich für heute ein International Dinner mit meinen Freunden geplant habe. Die Idee, Leute aus Australien, USA, Singapur, Korea und Österreich an einem Tisch zu haben, hat mir gefallen. Und noch besser gefällt mir natürlich, dass sich meine Freunde untereinander endlich kennenlernen. Und natürlich wollte ich auch sehen, was in so einem zurückhaltenden Mädchen noch alles drin steckt. Leider hat Grace selbst dann im Endeffekt nicht kommen können, aber der Abend war dennoch ein großer Erfolg. Ann, Monique und Skylar haben uns typisch amerikanische Gerichte aufgetischt (Kartoffelpüree, Mais, gefüllte Teigtaschen und Cookies), Finn, deren australischer Mitbewohner, hat sich selbst mitgebracht, Rory hat ein indisches Gericht mitgebracht (Poha), Giehae hat sich um die Nachspeise gekümmert (australisches Eskimo Eis) und ich hab mit Schnitzel und panierten Fetastreifen aufgetrumpft. Das Schnitzel war, typisch Bea, Hühnerschnitzel und in wenig Fett gebacken, aber trotzdem sehr gut und die Fetastreifen warn echt gut. Das Rezept hab ich heut noch schnell gegoogelt, weil
ich für die Ann eine vegetarische Version von Schnitzel haben wollte. Insgesamt haben wir zu siebt gegessen, was bei unserem großen Esszimmer wirklich gut geht (!), und ich denke, jeder hat genug gehabt. Dass wir dann im Endeffekt in der Küche gelandet sind, an den Küchenkastln gelehnt sind und gequatscht haben, was übrigens sehr australisch ist, hat auch dazu geführt, dass Neil und Katie sich zu uns gesellt haben. Als meine Gäste dann gegangen sind, haben wir drei uns noch in dem oberen Wohnbereich zusammengesetzt, gelacht und geplaudert. Bis es dann Zeit wurde den Saustall in der Küche zusammenzuräumen.
Und dann war da natürlich noch mein allererstes dnm. Ich hab mich Anfang der Woche ja ziemlich allein gefühlt, auch weil das Haus unsagbar leer ist, wenn montags alle anderen arbeiten oder auf der Uni sind und ich meinen freien Tag hab. Da Katie wieder im Lande ist, und ich gesehn hab, dass sie auf Facebook online ist, hab ich ihr geschrieben, dass ich sie kaum im Haus sehe, und auf einmal stand sie in meiner Tür. Es war Montagmittag, sie hat noch geschlafen, und auch die Tage davor offenbar im Bett verbracht,
da der Jetlag sie etwas mitgenommen hat. Nun hatten wir endlich Zeit ein Bisschen zu quatschen. „dnm“ heißt übrigens „deep and meaningful [conversation]“. Nachdem wir uns alles Mögliche erzählt haben, von ihrer Reise nach Europa, meinem Freund, der mich aus Österreich besuchen kam, meiner Reise nach Melbourne und meine Zeit bei ihren Eltern, was uns zu ihrer Kindheit und ihrer Beziehung zu ihren Eltern geführt hat und schließlich zu dnms mit ihrem Vater, hat Katie gescherzt, dass das wohl ein dnm war, das wir gerade geführt hatten.
Nach besagtem ersten dnm – bei dem wir übrigens gut eine Stunde in meiner Zimmertür gestanden haben – haben wir uns immer wieder in der Küche getroffen und uns unterhalten, wie damals, bevor sie nach Europa geflogen ist, was mir wie vor einer Ewigkeit erscheint. Mittwoch sind wir uns gerade auf dem Weg zu unserer ‚Nachspeise‘ / Nachtjause über den Weg gelaufen und mit Milch, Nüssen und Yoghurt so lange in der Küche gesessen, bis Sophie mit ihrem neuen Freund von ihrer Abendvorlesung zurückgekommen ist, und die beiden angefangen haben sich Abendessen zu kochen. Nach einem sehr lustigen ersten Wortgeplänkel haben die beiden uns gefragt, was wir (schon in unseren


Swansea Heads 3
Ann will nicht fotografiert werden ... 'not like this!'
Pyjamas wohlgemerkt) eigentlich in der Küche machen, woraufhin wir realisiert haben, dass wir eigentlich nur mehr da saßen, weil das Quatschen grad so nett war und wir schon seit Langem nicht mehr aßen. Wir sind dann zu viert noch einige Zeit in der Küche geblieben und haben beschlossen, nächsten Mittwoch unser erstes, offizielles ‚Familydinner‘ zu machen. Als Katie bemerkt hat, dass die beiden dann jeweils mit ihren Freunden bei Tisch sitzen würden, und ich meinen ja nicht für Mittwoch wieder herbringen könnte, hat sie vorgeschlagen Berni zumindest auf dem Bildschirm dabei sein zu lassen. Ein tripple Date quasi.
Oh und nicht zu vergessen, da war auch noch mein erster Tauchkurs. Ann, Giehae und ich sind gemeinsam nach Swansea Heads gefahrn und haben dort unseren ersten Tag von dem 3-Tageskurs absolviert. Um 10.00 Uhr hatten wir unsere erste Schwimmsession – ein Check ob sich auch alle halbwegs über Wasser halten können – und danach eine lange, mehr oder minder spannende Theoriesession mit inkludiertem Erste-Hilfe-Kurs und vielen Infos zum Tauchen an sich. Danach gings dann nochmal ins Meer, diesmal schon mit Tauchanzügen, aber vorerst nur zum Schnorcheln, um die Leute an das Atmen durch einen Schlauch zu gewöhnen. Da ich schon des öfteren Schnorcheln war, war das Ganze für mich kein Thema, aber anscheinend, kann das Atmen durch einen Schnorchel für viele Leute tatsächlich ein Problem darstellen, also musste das geübt werden. Ich bin jetzt schon ziemlich gespannt auf meine nächsten zwei Kurstage übernächste Woche, nach denen ich dann auch mein International Diving Certificate bekomme (sofern ich den Test besteh…) und rein theoretisch allein tauchen gehen könnte. Was zugegebenermaßen ein ziemlich gruseliger Gedanke ist.
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