(English version on the bottom)
Unsere Lieben
Wieder ist eine Woche vergangen und uns geht es nach wie vor ausgezeichnet. Ich sitze auf einer kleinen Terrasse eines Retaurants und schreibe den neuen Bericht währen Maja nebenan im Laundromat unsere Kleider wäscht. Sehr traditionelle Arbeitsteilung, nicht wahr? Wir sind in Bozeman, einer relativ kleinen Stadt und werden heute noch zum Yellowstone National Park fahren. Wir sind natürlich gespannt, was wir dort erleben werden.
Nach dem Waterton NP sind wir ohne grosse Formalitäten über die Grenze in die USA eingereist und in den Glacier National Park gelangt. Hier genossen wir es, wieder Wanderungen in dieser herrlichen Bergwelt zu unternehmen. Immer wieder begegnen wir einheimischen Tieren wie Bighorn Schafen, Bergziegen, Murmeltiere und verschiedensten Kleintieren. Wenn man früh am Morgen unterwegs ist trifft man nicht viele Leute an, dafür aber umsomehr Tiere. Die Bergwiesen sind mit gelben Gletscher-Lilien übersäht.
Wir erleben hier, dass das Wetter auch unfreundlich sein kann, denn am nächsten Tag schüttet es fast ohne Unterbruch. Schade, denn heute hätten wir eine grössere Rundwanderung machen wollen.
Nun sind wir südostwärts unterwegs und vor uns breitet sich die typische Montana-Gegend aus: Weites hügeliges Farmland, im Hintergrund die Rocky
Mountains, liebliche Flussläufe, abgelegene Ranches, sehr wenig Verkehr. Die Erde ist zunehmend trocken und muss bewässert werden. Hie und da sehen wir Farmers, die mit riesigen Maschinen die Felder bestellen, Kuhherden weiden friedlich und immer wieder entdecken wir Hirsche, die auch unverhofft die Strasse überqueren können.
Etwas weiter südlich stossen wir auf den berühmtem Missouri und mit ihm auf die ersten Weissen, die vor ziemlich genau 200 Jahren den Kontinent von Ost nach West durchquerten: Louis und Clark erhielten vom Amerikanischen Präsidenten den Auftrag, einen Weg bis zu Pazifik zu suchen. Mit einer etwa 35-köpfigen Expedition zogen sie den ganzen Missouri hinauf, indem sie Boote mit allem Material den Fluss hinauf zogen. Unter riesigen Anstrengungen umtrugen sie riesige Wasserfälle, die wir in Great Falls ebenfalls zu Gesicht bekamen. Sie überquerten die Rocky Mountains, fuhren dem Columbia River nach westwärts und erreichten nach etwa zwei Jahren voller Entbehrungen den Stillen Ozean. Ehrfürchtig ob dieser aussergewönlichen Leistung folgen wir nun dem Missouri River und stellen uns immer wieder diese mutigen Männer vor, die sich mit einfachen Mitteln den Fluss hinauf kämpften. Louis und Clark kehrten mit ihren Leuten wieder in den Osten zurück und lieferten genaue Berichte über ihre Erlebnisse ab.
Sie hielten darin geografische, botanische und zoologische Einzelheiten fest.
Weshalb scheint die Stadt Grat Falls am Abend so ausgestorben? Des Rätsels Lösung finden wir bald: Viele Leute, Jung und Alt versammeln sich mit Campingstühlen und Picknick vor der Bühne im Park und warten auf die Vorführungen der hiesigen Musikgesellschaft. Alle freuen sich am milden Abend, an den Vorträgen und den Leuten, die man hier trifft. Ein kleiner Bub, der zusammen mit seiner Mutter nebenan sitzt kann sich, kaum beginnt die Kapelle zu spielen, nicht mehr still halten und bewegt sich zum Takt der Musik. Er erinnert uns stark an unseren Enkel Jonatan! Was macht er wohl in diesem Moment? Vermutlich schlafen, denn bei euch ist es etwa vier Uhr morgens.
Wir folgen dem Missouri nach Süden und erreichen eine Stelle, an welchem er gestaut ist. Am neu entstandenen See finden wir einen wunderbaren Campground. Der Zeltwart erzählt uns bis weit in die Nacht hinein viele interessante Einzelheiten aus seinem Leben und aus der Geschichte Montanas. Die beiden jungen Frauen nebenan erinnern uns an unsere Tochter Christine, die schon öfters mit Freundinnen per Auto und Zelt auf Reisen war.
Zurück zu Louis und Clark: Am Ende des Missouri
stellte sich ihnen die Frage: Wie weiter? Links, Mitte oder rechts? In Three Forks fliessen nämlich drei Flüsse zusammen und bilden den Missouri. Kurz entschlossen benennen sie diese nach berühmten Politikern: Jefferson, Madison und Gallatin. Wir haben es da viel leichter, wir folgen einfach den Wegweisern zu den Louis und Clark-Höhlen. Auf einen zweistündigen Rundgang entdecken wir wundersame unterirdische Welten und staunen über die Wunder der Natur. Unser Führer erzählt uns viele interessante Einzelheiten und macht uns auf schöne Formationen aufmerksam. Auf einem weitern abgelegenen Zeltplatz, der übrigens fast nichts kostet, werden wir spontan von unseren Nachbarn zum Znacht eingeladen. Dies gibt uns Gelegenheit viel über Leute und Gegend, über Politik und wirtschaftliche Zusammenhänge zu erfahren. Immer wieder dürfen wir die amerikanische Gastfreundschaft erleben. Bis zum Einbruch der Dunkelheit spielen wir zusammen ein typische amerikanisches Spiel, einer vereinfachten Form von Baseball. Wieder müssen wir lieb gewordene Leute zurück lassen und weiter ziehen.
So, das wär’s für den Moment. Wir hoffen, es gehe euch gut und wir freuen uns darauf, wieder von euch zu hören. Bhüet euch Gott!
Dear friends
After Waterton NP we passed the border to Montana USA and entered Glacier NP. We
loved going for hikes and met Mountain Goats, Marmots, Bighorn Sheep and saw lots of lovely flowers.
On the road again we travelled southeast and enjoyed the Montana plains with its waste farming areas, rolling hills and the Rocky Mountains in the background. One day we met the mighty Missouri River and with it the great history of Louis and Clark who discovered back in the early 19th century the passage from the east to the west. They’ve followed the Missouri with boats they most of the time pushed and towed upstream. They had to cross the Rockies and reached the Pacific about two years later. What an expedition those men endured.
While driving along the Missouri we often thought of the Louis and Clark party, but we just could follow the signposts which they couldn’t.
On our journey we often meet nice people, mostly locals and coud talk to them. Through them we learn a lot about living here, their problems, about economics and politics.
Now we are in Bozeman, a middlesized city. While I write this blog entry Maja is doing the washing in the laundromat next door. Today we’ll go to Yellowstone NP
where we’ll spend some time. We do hope this finds you well and we look forward to hear from you.
With lots of love.