Nun ja, fast. Aber ohne Frage ist es soweit: Der HERBST ist da. Schon vor einiger Zeit haben sich hier einzelne exzentrisch veranlagte Ahoerner leuchtendrot verfaerbt und ihre gruenen Verwandten ein wenig blass aussehen lassen. Heute morgen dann bin ich zum Sonnenaufgang wachgeworden- vielleicht weil die Sonne in mein Zimmer schien, vielleicht weil meine aus dem (unter weiteren Decken verborgenen) Schlafsack schauende Nase zu kalt war, sicherlich nicht von dem fruehstestens vormittags kraehenden Hahn. Auf jeden Fall schaute ich hinaus- und die Weide vor meinem Fenster glitzerte weiss und rauhreifig!
Aeusserst huebsch anzuschauen, wenn es nur in meinem an sich wunderschoenen, lichtdurchfluteten, jedoch nicht isoliertem Raum etwa genauso kalt gewesen waere wie vor den Fenstern. Ausserdem ist es gerade mal Mitte September, und am Mittag davor habe ich noch barfuessig in der Sonne gesessen, wie scheinheilig vom Wetter! Frost ist ein WINTERzeichen!!! "Du bist zu frueh!", wuerde ich gerne rufen, "ich habe mir vorgenommen ein Jahr lang nur Sommer zu haben. Und jetzt das!". Aber ich hab das Gefuehl dass es nichts weiter aendern wird. Vielleicht werde ich ein paar seltsame Blicke von den Huehnern auf mich ziehen, die mich sowieso staendig fixieren und bedraengen, da ich bereits nach wenigen
Tagen Fuetterung untrennbar mit dem Eimer voller Gerste, Mais und Hafer assoziiert bin.
Vorteilhaft sind die kalten Naechte in Hinblick auf eine Dezimierung der immer noch ueppigen Blackfly- und No-See-Um- (because you can't-see-them!) Populationen. Heute hat's noch nicht so viel gebracht, aber ich kann warten. Ein bisschen noch. Aber nur wenns danach wieder warm wird.
Farm-Raetsel
Genug vom Wetter! Jetzt fuehle ich mich zu einem kleinen Farm- Raetsel aufgelegt. Also:
Was ist das?
Man findet das auf vielen Farmen.
Man riecht das bevor man es sieht.
Man riecht das deutlich bevor man es sieht (wenn es im Stall ist).
Linnea (5) sagt: Das riecht wie verbrannte Gummireifen.
Ich (28) sage: Das riecht so dass ich gerne den Kindern das Privileg ueberlasse ihn zur Weide zu fuehren.
Oh! Da habe ich ja schon einiges preisgegeben.... und ich dachte ich koennte euch auf eine falsche Faehrte locken, dass ihr vielleicht an einen Misthaufen denkt!
Da kann ich auch gleich die Loesung verraten (ihr habt ja sicherlich schon waehrend des Raetsels nachgedacht): Es ist -
A-Jack, der Ziegenbock!!! Der gerade in grossem hormonellem Aufruhr ist und die ganze Zeit mit geschuerzter Oberlippe und/ oder aus dem Maul
haengender Zunge den Ziegen hinterherlaeuft.
Farm-Zoologie
Der Ziegen gibt es hier fuenf, von denen ich zwei melke: Heidi und Salla. Letztere ist ganz schoen stoerrisch und tritt wahlweise mich oder die Melktasse, was zu blauen Flecken an den Unterarmen oder verschuetteter Milch fuehrt.
Dann gibts zwei namenlose Schafe, die im Winter Gesellschaft von einigen wolligen KollegInnen bekommen werden, die zur Zeit in so einer Art Farm-Freilichtmuseum grasen. Es sind Soay-Sheep, urspruenglich von den aeusseren Hebriden, nicht zaehmbar, aeusserst flink und verdammt schlau. Letztere Eigenschaften konnte ich direkt am ersten Tag hier feststellen, da sie mir entwischt sind... und da hilft kein raschelnder Futtereimer oder eine Hand voller Klee (Ziegen sind da nicht ganz so clever). Ich habe einiges an Fruehsport geleistet, um die beiden wieder auf die richtige Seite des Zaunes zu bringen.
Von glatthaarig ueber wollig nun zu wuschelig: Denn es gibt eine elfkoepfige Herde von Hochlandrindern. Die sind zum groessten Teil zahm: Sally, die Aelteste, laesst Brooke und die Kinder auf ihrem Ruecken sitzen (ich habs nicht probiert) und der Bulle (der Name spielt keine Rolle) frisst mir aus der Hand :). Peppermint hat eine Vorliebe fuer Minze und ein ca. halbjaehriges Kalb namens Kira
(nach einer anderen Wwooferin benannt) traegt eine blonde Peruecke.
An Federvieh gibt es wie schon erwaehnt Huehner, einmal braune und schwarze und schwarzweissgesprenkelte zum Eierlegen und dann grosse weisse zum Essen. Und auch wenn sie nicht auf meinem Teller landen bin ich zugegebenermassen nicht die groesste Huehnersympathisantin. Zu stressig und zu sehr aufs Futter fixiert, ich weiss nicht wie oft ich schon ein Huhn von meinen anscheinend wurmaehnlichen Schnuersenkeln ablenken musste. Aber vielleicht ist das eine ungerechte Huehnergeneralisierung- moeglicherweise ist es immer das gleiche Huhn das auf meine Schuhe einpickt, und die anderen sind intelligente Kreaturen, die ein wenig mitleidig auf dieses Eine hinabsehen.
Der Vollstaendigkeit halber erwaehn ich jetzt noch drei Truthaehne ohne besondere Eigenschaften, aber das wars dann wirklich an Farmgevieh.
Farm-Durcheinander
Nun zu meiner Arbeit. Habt ihr den Text bisher aufmerksam verfolgt, wisst ihr ja schon einiges: Ziegen melken, Schafe (und Ziegen) einfangen, Huehner fuettern. Aber auch Weg freischlagen, Gewaechshaus aufbauen, Obstbaeume WINTERfertig machen (da ist es wieder!), Bohnen pfluecken, Bohnen verarbeiten, mehr Bohnen pfluecken, Erbsen pfluecken, Kartoffeln ausgraben, Zucchini ernten, Zucchinirezepte suchen, Zucchini verarbeiten.... Es ist wie im Studium: Von allem ein bisschen, aber nix richtig.
Farm-Frost
Anscheinend ist es nun die Kaelte, die mir von den Fuessen hinaufkriechend ein wenig zu Kopf steigt... es wird Zeit den Blog zu beenden und vor dem Morgenfrost ins Bett zu kommen. Ehrlich gesagt ist es gerade mal neun Uhr abends, aber hier auf dem Land gibt's halt abends nichts zu tun. Jetzt werde ich noch ein paar schmueckende Bilder fuer euch zurechtruecken, und vielleicht hole ich dann mit meinem naechsten Blog meine Stops hiervor nach- Montreal, Wolfville und Italy Cross.