KULULULULULULU!!!!


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September 9th 2012
Published: September 10th 2012EDIT THIS ENTRY

Gerade habe ich versucht in der Dusche das Wasser kalt zu stellen. Erfolglos. Handwarm ist die maximale Ausbeute, die sich eine, nach Erfrischung gierende, Deutsche erhoffen kann. So schlimm, wie anfangs gedacht, ist die Hitze hier aber gar nicht. Tatsächlich scheint so mancher meiner israelischen Freunde sogar mehr zu schwitzen als ich. In Folge dessen werden auch, sobald das Haus betreten, alle Fenster und Türen luft-, wärme-, moskitodicht verschlossen und am hellichten Tag das Licht angeschaltet. (Bäh!)

Am Wochenende war ich auf Liors Jungesellinnen-Abschied. Wer sich jetzt einen Haufen quietschender End-Zwanziger mit rosa Häschenohren auf dem Kopf und einem Spirituosen-befüllten Flecht-Korb in den Händen vorstellt, liegt aber falsch.

Zum Ersten: Israelis quietschen nicht, sie Kulululu-len! Dabei schlägt die Zunge, flügelflatternd (und gemeint ist Kolibri, nicht Schwan oder Drache), gegen die Oberlippe, während die Augen pre-exorzistisch aus ihren Höhlen gedreht werden und der Kehle ein dämonisch schriller Tinnitus entweicht. Und der geht eben so: KULULULULULULULULULULULULULULULU.... - Luft schnappen- ....LULULULULULULULULLULULULULULULUUUUUUUUUUAAAAAAIIIIIIIIIIIII! Oder ähnlich. Nach 2 Minuten lag ich, an meiner geschwollenen Zunge würgend, bewusstlos auf dem Boden.

Zum Zweiten: Ein Jungesellinnen-Abschied in Israel besteht nicht etwa aus 3-4 Stunden volltrunkenem Kneipen-Tourens am Freitagabend. Nein. Ein Jungesellinen-Abschied in Israel kommt einem Kurzurlaub mit ein, zwei, fünf Handvoll Freunden nahe.

Am frühen Abend kommen wir im Kibbuz Lehavot Ha Bashar an, eine der zahlreichen Landluft-Utopien in den Golan Höhen. Basis für das Freudenfest ist die Wohnung von Liors Freundin Ronny. Als wir die steile Wendeltreppe zum Balkon erklimmen tönen uns schon die ersten KULULULULULUs und EIEIEIEIEIEIIIIIIs entgegen. Dann gibt es Wein. Dann Whiskey. Dann noch mehr Wein. Zwischendurch gibts das ein oder andere Spielchen, freundlicherweise zischt mir dabei immer eines der Mädels übersetzenderweise ins Ohr. Das Essen - Wow. In der Mitte des Küchenbereichs steht ein riesiger Massivholzarbeitstisch, handgezimmert von einem Freund. Ronny scheint komplett in ihrem Element und wedelt jede Frage nach Hilfe mit mehlbestaubter Hand ab. Es gibt selbst gemachte Pizza mit dünnem Teig, die schmeckt wie aus dem Steinofen und Käse hat, der tropft. ....WAAAAH! Zum Nachtisch Schokoladen-Soufflee. ......WAAAAAAAAAH! Dann mehr Wein, mehr Spiele, zum Schluss einen nächtlichen Ausflug in die altbekannte Bar - Pitriya, meint Pilz.

Am nächsten Morgen die Fortsetzung mit je 2 Kilo Oliven, Hummus, Brot, Gurken, Tomaten, Cottage Cheese,.... Ich liebe israelisches Frühstück. So viele Sachen, die man mit nacktem Finger anfassen und irgendwo rein dippen kann. Ein Traum!

Danach fahren wir zum Nachal, dem Fluss. Genauer gesagt dem größten Fluss. Der Jordan ist das Mekka aller Nord-Kibbuzniks im Sommer. Überall hört man ein fröhlich Planschen, hinter jeder Biegung lauern glücklich abgekühlte Menschengruppen auf Bastmatten und Decken an schattigen Ufern, an den Ästen so mancher Bäume wurden Seile und Schaukeln befestigt, für den schwungvollen Einstieg ins kühle Nass. KULULULULULULULUUUUU! Das Wasser ist herrlich kühl. Nicht zu vergleichen mit dem aufgebrühten Mittelmeer hinter Tel Avivs Sandburgen. Überall gibt es Strömungen, von denen man sich lustig im Kreis herumzwirbeln lassen kann. Im Gebüsch am Rand gähnen Schildkröten, Eisvögel fliegen darüber und geben an mit ihrer Schönheit.

Am Nachmittag stößt Ronny, die schon am Morgen zu irgendeinem Vortanzen entschwand, wieder zur Gruppe. In einem großen Flecht-Korb (aha!) trägt sie keine Schnapsfläschchen, aber dafür ausgewachsene Farbtuben spazieren. "Contact" - so wirds wohl genannt. Tanzen im Farbmatsch. Mit rücksichtsvollem Blick auf jene, die damals vor Beginn der Tanzstunde versetzt wurden und einer bunt-glitschigen Hebefigur nicht mächtig sind, wird das ganze etwas abgeschwächt. Weniger Tanz, mehr Farbauftrag. Und zum Schluss ist alles bunt und dann im Fluss und dann rot, weil man ganz schön schrubben muss, damit auch alles wieder abgeht.

In elf Tagen ist die Hochzeit. Bis dahin werd ich trainieren, damit auch ich dem frischvermählten Paar mit einem inbrünstigen KULULULULULULULUUU meine Freude bekunden kann.


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