Gestatten, Jack! Union Jack!

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United Kingdoms flagSaved: July 18th 2012Europe » United Kingdom » England » Greater London » London City
June 11th 2012

Ich hab eine Bekanntschaft gemacht … und zwar mit dem britischen Nationalstolz. Bevor ich den drei Wochenenden der Superlative berichte und warum es bei uns sowas nie geben wird, gibt’s noch ein paar andere Sachen.



Die Kathi war da :) Und es war so lustig. Und die Sonne hat geschienen und es war heiß. So heiß, dass ich sogar einen Sonnenbrand gehabt hab. Aber auf die genialen vier Tage ist eine mittlere Tragödie gefolgt.



Während die Kathi in Heathrow noch auf ihren Helihopper gewartet hat, hab ich schon wieder die Kinder abgeholt. Und wir erinnern uns: Mira demoliert das Auto, Barbara folgt … Mira beschädigt erstmals einen anderen Verkehrsteilnehmer. Barbara folgt … und hinterlässt einen Kratzer in einem weißen Mini. Blöderweise war das beim Rausfahren aus demSchulgelände und die Kinder waren mit. Naja, ich bin schlau … Drum sag ichs den Eltern einfach nicht. Aber auf den guten William war Verlass … Der hat an diesem Tag die zweite Abschlussprüfung gehabt (Die haben in jedem Fach ab der vierten Klasse eine Abschlussprüfung. Und zwar wie bei der Matura an drei Tagen mehrere Fächer.). Dass die Prüfung nicht so gut gelaufen ist hat er getrost verschwiegen.
Die Deutschen ...Die Deutschen ...
Die Deutschen ...

... und ihre Vorliebe für Pfützen, Lacken oder ganz einfach stehende Gewässer ...
Damit er von sich ablenken kann, hat er vom Missgeschick am way back home erzählt. Gooott, ich wär am liebsten in einem Erdloch versunken! Das kriegt er zurück!



Ich hab aber dann die Mitleidsnummer beim Abendessen bringen können: Es hat Pasta gegeben. Und weil Barbara Ann nach wie vor nur 500 kcal-Shakes trinkt, hats Fertig-Sugo gegeben. Und so ess ich halt die Nudeln mit Tomaten-Basilikum-Soße und denk mir „Boah ist die scharf!“. Hab das dann nach dem Essen auch gesagt, dass die diesmal extrem scharf ist. Da liest die gute Frau das Etikett und sagt „Oops“ … das war Barries Tomaten-Chilli-Sauce …



Wenn wir schon bei Sauce sind. Das ist schon länger mal passiert, aber absolut erzählenswert. Phil der Carcleaner kommt ja alle zwei Wochen immer dienstags. Der Audi und der Peugeot stehen aber vorm Haus (unter den Nadelbäumen), weil die Garage mit Schachteln und Gerümpel voll ist. Gut, Dienstag wurden die Autos geputzt, gesaugt, poliert, etc. Und am Mittwochmorgen schau ich vom Mädchenzimmer auf den Vorgarten … Ist da ein riiiesen Vogelscheißehaufen am Audi. Und zwar nicht nur so ein Plumps an Vogelkacke, sondern so eine richtige Vogelkacke-Durchfallportion. Ja und weils soviel regnet
Texas, Blick von der Ranch auf den MississippiTexas, Blick von der Ranch auf den Mississippi
Texas, Blick von der Ranch auf den Mississippi

Nein, das ist immer noch Kew Gardens und das dahinter ist immer noch die Themse
und wieder aufhört und wieder regnet und wieder aufhört … hat sich das im Laufe des Tages ganz schön verteilt ;) God save the Schadenfreude! Ja eh … auch die Queen, wo wir schon beim Thema wären.



Wie lange geben wir ihr eigentlich noch? Hab eine Wette mit den Deutschen laufen …





Das Jubiläumswochenende. Die großen Feiern. Die Parade. Die tobende Menge, die auf ihre Königin wartet … und hier bin ich und feierte meinen 25. Geburtstag.
Offiziell haben die Feierlichkeiten für die Monarchin aus Großbritannien am 2. Juni gestartet. Da war sie auf ihrem Lieblingspferderennen. Da hab ich auch meinen Partymarathon gestartet und bin mit den deutschen Mädels auf Discotour gegangen. Das funkt so: Du zahlst 15 Pfund und jede Stunde gehst du mit 50 anderen Menschen in eine andere Disco und kriegst dort Gratisgetränke. Das war der Abend bevor ich 25 geworden bin … und die wollten meine ID-Karte sehen. Merke: Ich sehe mit zunehmendem Alter also jünger aus!
War ganz nett so mitten in London durch die Clubs zu tanzen. Nur weil Cinderella auf die Central Line angewiesen ist, hat die Herzogin von Essex um Mitternacht in
Mein SprungfotoMein Sprungfoto
Mein Sprungfoto

Es hat sich so angeboten. Ein idyllischer Durchgang, grade keine Passanten und wir haben einfach kein gscheites Sprungfoto zambracht.
die U-Bahnstation müssen.



Und dann kommt der schönste Tag des Jahres – der 3. Juni. Während die Briten meinen Geburtstag feiern, steht eine alte Britin auf ‚nem Schiff auf der Themse und friert sich den Popo ab. Da kommen wir zur Wetterlage: Es regnet. Das ist gut! Denn an dem Abend, als Cinderella in Ballerinas durch die Londoner Clubs getanzt hat, hats gegossen. Es hat Wassermassen vom Himmel heruntergeworfen, dass es nicht nur die Deichmann-Ballerinas geflutet hat, sondern ich auch mit Regenschirm beim Fortgehen durch die Gegend gelaufen bin.



Am Vormittag des 3. Juni mach ich mich also mit den Herzoginnen aus Wimbledon und Battersea auf, um ein historisches Ereignis zu bewundern. Seit 350 Jahren wurde in Großbritannien kein Paradezug auf der Themse veranstaltet. Damals war England noch eine große Seemacht. Heute haben sie „nur“ noch die Monarchie. Aber die zieht genügend Leute an. An diesem Tag 1,2 Millionen um genau zu sein. Schon Tage zuvor haben Menschen aus aller Welt am Themseufer gecampt, um jaaaa einen Blick aufs Queenboot erhaschen zu können.



Wo war ich, während der Regen nachgelassen hat? In der U-Bahn auf dem Weg. Und da wurde mir klar, dass ich meinen Geburtstag mit dem britischen Nationalstolz feiere. Egal ob ich gerade aus geschaut hab und beim Kind gegenüber blitzen Union-Jack-Socken hervor. Oder beim 50-Jährigen, der neben der Tür steht, und eine Union-Jack-Krawatte hat. Oder auch die Tussi links von mir, die mir ihre künstlichen Nägel entgegenhält, wo mir das Union-Jack-Motiv entgegenlacht. Worums geht hab ich spätestens begriffen, als ich auf die anderen in der Station gewartet hab … Da war ein Hund in eine Union-Jack-Flagge gehüllt. Kein Chihuahua. Ein riesen Schäferhund!



Und wenn ich bisher noch nicht denken würde, dass die Briten spinnen … spätestens ab jetzt hätte ich das auch begriffen! Der Wetterbericht hat vorhergesagt „am Nachmittag des 3. Juni 2012 wird es nicht mehr als 10 Grad haben und der große Regen setzt wieder ein“ … und da rennen soooviele mit Flip Flops rum!
Des Weiteren: Mira hat mir erzählt die Mutter bei ihr hat einen Kuchen gebacken. Die bäckt nie Kuchen. Und draufgeschrieben hat sie „Jubilee“. Würde unser BundesHei-Fi Jubiläum feiern, würden wir ihm ja auch keinen Kuchen backen, oder?!



So steh ich nun mit Menschenmassen, die sich nicht in Worte fassen lassen und starre aufs bootleere
ZeltfestZeltfest
Zeltfest

Nicht nur für die Parade, auch fürs Konzert wurde gecampt.
Wasser (und beobachte die BBC Übertragung auf dem Screen direkt vor mir ;) Tja, dann sieht man mal die Prinzen aus dem Auto aussteigen und wie sie das Schiff betreten. Die Menschenmenge schwingt die Fahnen und Fähnchen. (Meine Freundinnen und ich haben das während den ganzen Feierlichkeiten nicht getan. Wir sind proud not to be British!) Dann kommt die Kate in ihrem roten Kleid. Die Menschenmenge schwingt die Fahnen und Fähnchen etwas länger und lauter. Dann kommt die Queen und die Fähnchen schwingen heute noch.



Es beginnt das große Warten … Am Wasser is die Queen schon mal, aber noch weit entfernt von wo ich stehe. Dann beginnt der große Wirbel, also muss sich was tun. Und da schippern mal die Ruderboote ein. Die armen Ruderer haben am Abend ganz schön müde sein müssen. Vier Stunden bei Regen auf der Themse zu Rudern ist sicher kein Vergnügen. Aber für unsere Königin tun wir doch alles!
Dann kommt das Orchesterboot. Dann kommt das Glockenschiff. Und dann ertönt eine majestätische Fanfare und die prachtvolle purpur-rote royale Barke zieht an uns vorbei. Des wors.



Daun san olle hamgaunga und es hat furchtbar zum Schütten angefangen und
Auf die Queen!Auf die Queen!
Auf die Queen!

Wir haben natürlich weder Kosten noch Mühen geschaut und ganz illustre Trinkgläser erstanden.
die armen 1000 Boote und Schiffe, die extra aus dem ganzen Land gekommen sind, hat nur mehr die Queen gesehen, die vier Stunden wie ein Stein und mit einem Lächeln wie Kim Jong Il die Show gemacht hat.
Ich hab die Gegend um die Westminster Bridge/Big Ben schon bei jedem (schlechten) Wetter gesehen, aber noch nie war alles komplett in ein Meer an Regenschirmen getaucht. Unfassbar – noch immer – was da los war.



Das partywütige Au-Pair Volk ist dann im Regen weitergezogen und die Herzogin von Essex hat ihren Geburtstag mit so manchem Cocktail ausklingen lassen.
Was tat die britische Durchschnittsfamilie an solch einem ereignisreichen Tag? Ich kanns euch nicht sagen, weil Durchschnitt ist meine Familie hier nicht! Die waren bei ihren deutschen Freunden, die eine Wohnung direkt am Themseufer haben und von der Terrasse aus auf die Boote sehen haben können.
Als die Herzogin dann nach Hause gekommen ist, haben sie mich halt gleich gefragt, ob ich was gesehen hab und ganz stolz hab ich ihnen meine Bilder gezeigt. Dann zeigt mir Barbara Ann die Fotos auf ihrer Kamera … und zu sehen sind Queen Elizabeth Nahaufnahmen. Hat die doch tatsächlich den
JubiläumskonzertJubiläumskonzert
Jubiläumskonzert

Wer mag schätzen, wieviele Union Jack-Flaggen auf dem Bild sind?
Fernseher fotografiert! Und so stolz hat sie mir die Bilder gezeigt. Ich hab nicht sagen wollen, dass ich mich grad a bissi verarscht fühl, weil die da wirklich voll stolz drauf sind. Da war ich noch nicht lang da, hab ich auch Fotos von der Royal Wedding im Vorjahr gesehen … und ich bezweifle, dass sie damals in der Westminster Abbey mit dabei war …



Es folgt: Montag, 4. Juni. Was macht die Queen den ganzen Tag? Schlafen. Währenddessen haben 10.000 Briten in ihrem Garten gepicknickt. Das war sogar möglich, weil der Regen aufgehört hat und der Boden schon trocken war. Unser Glück, denn die Deutschen und ich haben uns an diesem Tag Kew Gardens angeschaut. (Mama des würd da gfoin!) Ein botanischer Garten mit einem riesigen Park mit lauter exotischen Bäumen. Dort wars wirklich so wunderschön. Hach, welch naturverbundener Mensch ich doch bin ;)
Aber es ist nun mal beeindruckend, wenn du unter einer californischen Pinie gehst und vor dir schon einen griechischen Tempel mit Olivengarten siehst. Oder dann kommst du zum Ententeich und unsereiner muss aufpassen, dass sie nicht in die Entenkacke tritt (das war ein ganz schönes Mienenfeld!), während die Herzoginnen aus Bamberg
London EyeLondon Eye
London Eye

In tricolor am Abend des 4. Juni.
und Bremerhaven in ihren Gummistiefeln einfach durchhatschen, weil ihnen eh nix passieren kann.
Wie lustig finden wir eigentlich die Worte „Saarland“, „Rheinland-Pfalz“ oder „Mecklenburg-Vorpommern“? Naja, zugegeben, hört sich schon ganz witzig an, aber was ist an meinem Heimatbundesland so lustig? Irgendwas hab ich gesagt, so in die Art „bei uns in Niederösterreich“ … und die haben nicht mehr zum Lachen aufgehört.



Nachdem wir die Natur in vollen Zügen genossen haben, hatten wir Großes vor: Konzert für die Queen vorm Buckingham Palace. Gegessen haben wir nichts, daher folgt ein Sandwichgroßeinkauf, und was Süßes und … wenn wir schon feiern … ein paar Flaschen Alkohol ;) Mein erster legaler Alkohol! Hier darf man den nämlich erst ab 25 einkaufen. Ab 21 würd ichs ja verstehen, aber mit 25 ist doch eh schon alles zu spät und die ersten Organe hin?!
(An meinemGeburtstag hab ich übrigens genau das gleiche deliziöse Sandwich-Menü zu mir genommen … Wenn ich diese Sandwiches noch länger essen muss, lauf ich bald Amok. – Oder wie mein Tippfehler, den ich schon ausgebessert hab, mir als Pointe vorschlägt „blad Amok“.)



Dann saßen wir so im St. James’s Park und haben mit ca. 12.000 anderen Briten gepicknickt. Vor uns ein schwules Pärchen (Mitte 40), jeder der beiden einen Chihuahua am Schoß, einen Karoanzug inkl. zusammenpassender Fliege an und den australischen Wein im Plastik-Weinglas. Irgendwie haben wir aber zuviel hingestarrt, sodass die zwei dann recht bald ihre karierte Seidenpicknickdecke und ihren geflochtenen Picknickkorb (wie aus dem Ikea-Katalog!) zusammengepackt ham und weggegangen sind :(



Naja und wir waren mit dem Festmahl fertig, der Wein war leer, daher … auf zur Mall. Und dort sind wir dann inmitten von Milliarden Union-Jack-Flaggen gestanden und haben die Show von Robbie Williams, Cheryl Cole, Elton John, Kylie Minogue, Paul McCartney und und und all diese Brit-Pop-Stars genossen. Das war wirklich total super! Vor allem die Lichtshow am Buckingham Palace. Kurz vor Schluss bemerkt klein Mira, dass doch Vollmond ist und das schön ist … und vom St. James’s Park zum Big Ben sinds ca. 10 Minuten zu Fuß. Was für eine gute Idee. 1.) Wär das Konzert sowieso bald aus gewesen und 12.000 Menschen wären zur U-Bahn gestürmt, 2.) War der Vollmond wirklich schön und so neben dem ungewöhnlich touristenleeren Platz rundherum einfach herrlich, 3.) Das angrenzende London-Eye in blau-rot-weiß beleuchtet und 4.) Wir nicht wussten, dass nach Ende des Konzertes noch ein Feuerwerk kommt und wir das von der menschenleeren Westminister Bridge neben dem Big Ben aus beobachtet haben … Toll!





Was die Familie an diesem Tag gemacht hat? Die Queen gefeiert, aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag. Mir blutet zwar das Herz, wenn ich einen Tag splitten muss, aber dieses Thronjubiläumswochenende sprengt den Rahmen eurer Aufmerksamkeit diesen äußerst seriösen „Reiseblog“ zu lesen. Hab ich eigentlich jemals Danke für eure Zeit gesagt? Thank you an der Stelle!

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B. K.
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