Untitled Nach 3 Tagen mal wieder ein bisschen Output meinerseits. Mal war der Hotelcomputer kaputt, und mal ich. Also eigentlich war der Computer die ganze Zeit kaputt, aber die Internetcafes sind doch wirklich rar gesaet. Und auch net ganz billig. In dem Hier sitz ich auch schon fast wieder zu lang, ist mir aber egal.
Tja, was hab ich also seit Donnerstag so gemacht? Nu ja, erstmal der Donnerstag abend. Da war ich auf ne Party eingeladen. Im Endeffekt warens aber keine Amis, sondern Englaender. Um 12 mussten alle, die net zum Hotel gehoeren, raus, so dass wir alle Richtung "Datscha" einem kleinen Club am Nevsky-Prospekt, der vor allem von Auslaendern besucht wird, gefahren sind. So kam ich wieder in den Genuss einer neuen Verkehrsvariante. Ab 12 gibts keine Metro mehr, so dass man entweder ein Taxi nimmt, oder eben irgendwen anhaelt, und mit ihm den Preis verhandelt. So gings dann mit 100 durch die Stadt, in ner Techno-droehnenden Karre. War ein wahnsinns Spass. Und zurueck haben wir bewiesen, dass man durchaus 8 Personen in einen Wolga kriegt, und das Ding, auch wenns gar net danach aussehen will, tatsaechlich faehrt.
Am Freitag gabs dann Unterricht in Phonetik, des war n bisschen
hart. Man denkt, man sagt genau, was die Lehrerin einem vorsagt, aber irgendwie tut mans wohl doch net. Wenn ich wenigstens den Unterschied hoeren koennte....
Am Freitag mittag bin ich dann ins Russische Museum gegangen. Das war zwar beeindruckend, aber definitiv zuviel fuer mich. Was allerdings ganz toll war, waren die alten Ansichten von St. Petersburg. War 6 Stunden drin, dann haben sie mich rausgeschmissen, natuerlich nur zwecks Schliessung.
So bin ich dann Freitag auch nur noch schlafen gegangen.
Samstag hab ich dann nen Geschichtstag eingelegt. Zuerst war ich beim ersten Wohnhaus von Peter I. Zuerst wollte ich net einsehen, fuer die 50 Quadratmeter 200 Rubel hinzulegen. Habs dann aber doch gemacht, zum Glueck. Weil das Wohnhaus ist in dem Haus, das man von aussen sieht. Da wurde drum rum gebaut, um das Teil zu konservieren.
Naja, das Haus war das erste Haus St. Petersburg, ausser der Peter und Paul-Festung. Es wurde innerhalb von 3 Tagen gebaut (Mal ganz ehrlich: Genau so siehts auch aus), nachdem die Schwedischen Truppen von selbigem Platz gefegt wurden. Drei Jahre war es bewohnt, dann war der Winterpalast fertig. Peter I beschloss damals, dieses Haus fuer die Nachwelt zu bewahren, und schuf somit das
erste Museumsstueck Russlands. Spaeter wurde es als Kapelle benutzt, und die Romanovs haben immer fleissig Baeume drum gepflantzt.
Damit zieht sich mein Roter Faden (diesmal mehr oder weniger im wahrsten Sinne des Wortes) weiter. Keine 400 meter weiter liegt der Panzerkreuzer Aurora, der 1917 den Signalschuss fuer den Sturm auf den Winterpalast gab. Das wars dann wohl fuer die Zaren. Zunaechst war ich total ueberrascht, dass der Besuch dort kostenlos ist. Nachher nicht mehr. Dieses Schiff ist quasi das Rekrutierungszentrum der Russischen Marine. Kein siebenjaehriger auf diesem Schiff, der nicht leuchtende Augen kriegt, wenn ihm der 1. Offizier des Schiffes sein "kleines Funkerdiplom" ueberreicht, dass man im Funkraum erwerben kann. Ansonsten aber irre interessant, aber ich bin immer noch ein wenig enttaeuscht, weil man mich fuer zu alt fuer "Funkerdiplome" erklaert hat.
Ansonsten ist das ganze durchweht von einer ordentlichen Portion "Sowjetheroismus"
Sowieso muss man sagen, dass mich hier wahnsinnig beeindruckt, wie Russland seine Geschichte "aufbewahrt". Hab noch selten so interessante Museen gesehen.
Ok, weiter mit dem Faden. Waehrend der Blockade Leningrads durch die Wehrmacht, hat auch die Aurora aus allen Rohren gefeuert, um die Stadt zu verteidigen. Aber ca. 500.000 Menschen hat das relativ wenig gebracht.
Haus Peter I 1Der Überbau von dem Haus Peter I. Zum Glück bin ich noch rein...
Also bin ich zu dem Friedhof gegangen, auf dem die Opfer der Blockade beigesetzt sind.
Ich ging mit einem wahrhaft "interessierten" Gefuehl hin, und mit nem wahnsinnig seltsamen wieder weg.
Erstmal das Museum am Eingang des Friedhofs. Da ist die Zeit der Blockade dokumentiert. Und das sogar richtig gut, und sicher auf seine Art beeindruckend.
Dann betritt man diesen Friedhof. Durch ein riesiges Eingangsportal. Dann sieht man ne gepflasterte Strasse, gut 700 Meter lang, und 50 breit. Nach 20 Metern kommt man an der "ewigen Flamme" vorbei und schaut dann zu ner riesen Statue von "Muetterchen Russland".
Und dann soweit man guckt, die Massengraeber. Am Anfang hats noch fuer Name und Sterbedatum gereicht, aber die Graeber zwischen 1942 und 44 sind nur noch Quadratische Aufschuettungen, mit jeweils einem Stein, auf dem das Jahr und die Grabnummer stehen. Und auf dem ganzen Friedhof die Babuschkas, die kommen, um Blumen abzulegen.
Naja, was soll ich sagen. Ich muss gestehen, dass ich, haett mich jemand gefragt, wahrscheinlich aus England gekommen waere.
Sonntag dann der Hoehepunkt. Ich bin nach Zarkoje Selo gefahren. Das liegt in Puschkin, 30 km suedlich von Petersburg. Man kommt mit der Elektritscha hin, die auch wieder ne Sache fuer
sich ist. Sagen wir mal: Antik anmutendes Holzinterieur. Hab natuerlich die Station verpasst, und musst von Pawlosk wieder zurueck fahren.
Dann in Zarkoje Selo in die Maschrutka eingestiegen, aber natuerlich in die falsche Richtung. War aber nicht schlimm, der Fahrer hat mich in der Fahrerkantine auf nen Kaffee eingeladen, und mich einfach bei der naechtsten Runde mitgenommen. Und dann stand ich also vor dem Katharinenpalast. Und stand, und stand, und stand. mit 300 Rubel extra waer man an den Sicherheitsleuten vorbeigekommen, aber ohne die musst man halt in der Schlange warten. Und dann schaute ich mir also den Palast an, mit ner Russischen FueHrung. Net, dass ich viel verstanden haette...
Ausser im Bernsteinzimmer durfte man ueberall fotografieren, was sonst auch immer extra kostet. Habs aber bald sein gelassen. Das gilt fuer Petersburg im allgemeinen, und fuer den Katharinenpalast im besonderen. Man verliert echt die Lust am Fotografieren, weil das Ergebnis im Vergleich zum Erlebnis nur enttaeuschen kann.
Jedenfalls war ich hin und weg. Das Bernsteinzimmer hat uebrigens nach meinem Geschmack die Qualitaet der Mona Lisa. Man steht drin, und denkt sich: Ach so, das wars schon?
Danach bin ich noch bissschen durch den Park gelaufen, und dann nochmal ins Museum.
Aurora1Der Panzerkreuzer Aurora...An einem anderen Datum, von der anderen Seite des Flusses
Diesmal war es das Lyzeum,auf dem Puschkin studiert hat. Auch interessant. Vielleicht hab ich ja soviel "hochgeistiges" eingeatmet, dass ich doch noch gescheit werd ;-)
Naja, dann nochmal ordentlich verlaufen, und abends um 7 wieder in der Stadt.
Koennt da jetzt noch ewig weiterschreiben, uerber Holzhaeuser, und wies gleich ganz anders aussieht, wenn man aus der Stadt rauskommt, aber des wird mir grad zuviel.
Die Fahrt nach Zarkoje Selo hat sich auch noch in anderer Hinsicht gelohnt. Als ich in Petersburg ankam, hab ich mir den Bahnhof net gemerkt. Wusste nur, dass ich mit dem Baltic-Express gekommen war, und ging mal davon aus, dass der auch am Baltischen Bahnhof faehrt. Nuja, da haette ich lang gewartet, und derweilst waer vom Witebsker Bahnhof (von wo aus man eben auch nach Zarkoje Selo faehrt) mein Zug nach Hause abgefahren.
Waer mir allerdings fast Recht. Bei dem Gedanken, dass ich in 4 Tagen hier verschwinden soll, wirds mir ganz komisch. Grad jetzt, wo ich mich so richtig eingelebt hab. Und das isses noch net mal. Die Stadt packt einen einfach.
Morgen hab ich meinen freien Tag. Nachdem ich meine Abneigung gegenueber zuviel Kunst gespuert hab, werd ich die Eremitage sausen
Aurora2Die Aurora am richtigen Datum, an der Anlegerseite
lassen. Was heisst sausen lassen: Aufheben fuer das naechste mal.
Will morgen mit meiner Programmkoordinatorin sprechen, inwiefern ich hier n Auslandssemester durchbringen kann, jedenfalls bin ich mir sicher: So schnell wird mich die Stadt net wieder los!
Aurora4Zumindest theorhetisch das Geschütz, das am 25. Oktober 1917 um 21:40 den Signalschuss zum Sturm des Winterpalastes gab...
Aurora5...und das ganze nochmal in edler Ausführung verbrieft ;-)
Winterpalast2und von der Rückseite, über die Neva...So schön, dass das gleich drei mal kommt
PuschkinhausHier hat mal Puschkin gewohnt...Aber nur für ein Jahr