Nicht selten werde ich dieser Tage gefragt wie mich China verändert hat, bzw. was ich aus China mitgenommen habe - die Anwort ist klar: Ich weiß es (noch) nicht. Neben hundert original chinesischen Kakerlaken, oder zumindest deren zukünftigen Nachkommen, denen ich mit Hilfe von Quarantänemaßnahmen (im Garten) versuche Herr zu werden, sind es die kleinen Dinge des alltags, die seit meiner Rückkehr mein Leben bereichern. So steht mir beim Autofahren ein wesentlich umfangreicheres "Set" an Optionen zu Verfügung, wie ich mein Vorankommen im Straßenverkehr beschleunigen könnte. Obwohl die Straßenverkehrsordnung grundsätzlich meinen Fahrstil behindert, lebe ich ebendiese Pekinger Tendenzen natürlich nicht aus - aber ich ertappe mich selbst bei dem Gedankenspiel mit Rechtsüberholen und Ausbremsen - warum man in Österreich auf einer zweispurigen Straße allerdings nicht wirklich zu viert nebeneinander fährt, ist mir bis dato noch ein Rätsel. Auch mein Verhätlnis zu Hupe und Blinker hat sich grundlegend verändert - ich habe das Blinken zu einhundert Prozent durch Hupen substituiert.
Auf ebensowenig Gegenliebe wie im Straßenverkehr stoße ich auch beim Billa, wenn ich jeden Preis nur als Verhandlungsbasis betrachte und die perplexe "Fleischfachverkäuferin" mit Forderungen wie "Gib mir einen besseren Preis!" konfrontiere.
Den absoluten Tiefpunkt meines heimatlichen Kulturschocks erreiche ich hingegen in tiefster kontemplativer Mediation - auf der Toilette. Denn noch ist es mir unbegreiflich, dass man Toilettpapier wirklich IN die Toilette ensorgen darf - und nur dann fühl ich mich wirklich zu Hause.
Aber auch das offifzielle Österreich (repräsentativ vertreten durch meine FH) verlangt nach genauen Berichten über meinen Auslandsaufenthalt, und neben dem Ausfüllen von unzähligen Fragebögen, die mein Herz aufgrund ihres Aufbaus und Inhaltes mit Sehnsucht nach China erfüllen, steht auch ein ausführlicher Bericht über mein Leben und Reifen während meines Auslandsaufenthaltes an. Also habe ich beschlossen, eben jene noch weiße Seiten mit Auszügen aus meinem Blog zu füllen, um den Offiziellen den gleichen Einblick in mein Pekinger Alltagsleben zu geben, den die Menschen erhalten haben, die mir wirklich wichtig sind. Also rufe ich hiermit alle eifrigen Leser auf, mir bei der Auswahl der Passagen zu helfen, die am besten Land, Leute und mich dazwischen charakterisieren!!! UAWG -
Um
Antwort
Wird
Gebeten
166 Tage und 36 Blogs später darf ich heute erstmals wieder von heimischen Territorium bloggen, während mein Blick über die grünen Bäume und den blauen Himmel schweift und sich meine Lungen mit klarer Wienerwaldluft füllen...allerdings diesmal nicht, um von interessanten, spannenden, absurden und lustigen Erlebnissen zu berichten, sondern diesmal in erster Linie um
"Danke" zu sagen -
"Danke" für die unzähligen Mails, die mich immer über das Geschehen zu Hause unterrichtet haben,
"Danke", für die Nachrichten und Reaktionen auf meinen Blog, die mir das Gefühl gaben, immer ein offenes Ohr für meine alltäglichen Erlebnise, aber auch nicht selten für meinen Frust zu finden.
"Danke" für alle guten Tipps, die mir mir Leben erleichterten,
"Danke" für alle weniger guten Tipps, die mir das Leben hätten erleichtern sollen.
"Danke" für alle Telefonate und Chat-sessions, die meine Arbeitszeit vorüber und meine Chefin an die Decke fliegen ließen,
"Danke" für die Unterstüztung aller Pekingreisenden, die mich mit wertvollen Grundnahrungsmitteln versorgten(vom Emmentaler bis zur Sachertorte war alles dabei=)),
"Danke" an dieselben, die minder wertvolle Ware (von Schmutzwäsche bis..ähh..Schmutzwäsche war alles dabei) wieder nach Hause transportierten.
"Danke" an alle Nicht-Pekingreisenden, dass sie dasselbe für mich getan hätten.
"Danke" dafür, dass ich mit Stolz und ,zugegebenermaßen, auch manchmal Tränen in den Augen von "Österreich", von "meiner Familie und meinen Freunden" in Österreich, erzählen konnte,
"Danke" dass ich mich so freuen konnte, endlich wieder in das Österreich voller wunderbarer Menschen zurück zu kehren.
3 Comments -
Add Public Comment or
Send Private Message
..... für's Teilhaben-dürfen .... an deiner aufregenden Reise ......
..... für deine liebevolle und fürsorgliche Begleitung/Betreuung während unseres Peking-Aufenthaltes .....
Du bist ein besonders toller Mensch und ich bin sehr stolz auf dich!
Hey, da kommen mir gleich die Tränen (... aber Mütter dürfen das, müssen eigentlich ...). Ich freue mich für DICH, dass du es gewagt hast, dass du es gemeistert hast, dass du es geschafft hast, ...
Und ich bin stolz, dass ein bissl von deinem Abenteuer auf mich abfärbt, wenn ich dann erzählen werd: ein Freund von uns hat ein halbes Jahr in China gelebt und dort ist ihm folgendes passiert ...
Lange darüber nachgedacht. Du solltest, meiner Meinung nach, auf jeden Fall Folgendes in deinen Bericht aufnehmen:
1. die Geschichte, als du mit einem Freund einen ehemaligen Schüler in der Wohnung seiner Eltern besucht hast. Die unmittelbare Begegnung mit dem "normalen" Mittelschicht-Leben in China erscheint mir typisch. Lokalkolorit einmal anders.
2. die Geschichte, als die Schlumpfin von dir wollte, dass du für ihr Unternehmen gratis Werbung bei Google schalten sollst . Die Glaube an die "Allmacht" der Westler und die Ansicht, ein "geht nicht" nie zu akzeptieren, bevor man nicht mindestens auf sieben verschiedenen Wegen versucht hat, das Ziel (die Langnase macht das schon) erreicht hat. Und die andere Seite, es wird von jungen Leuten etwas erwartet, was sie nicht bringen können, was sie einfach überfordert.
... und als Ergänzung zum "Pudel für den Strudel": jeder Topf findet seinen Dackel ;-)
Add Comment
All Comments