Niaragua Route Auch der Grenzuebergang nach Nicaragua war ueberhaupt kein Problem. Zwischen den Zentralamerikanischen Staaten (mit Ausnahme von Costa Rica und Panama) gibts eh keine Stempel. Man muss zwar fuer die Ein- und Ausreise jeweils einige Dollar auf den Tisch legen, aber das sind zumindest auf dem Landwege keine Unkosten (meist zwischen 2-5$). Zusaetzlich, falls man in einem der exclusiveren Busse von Tica, Transnica oder Kingquality sitzt, nimmt einem der Busfahrer bzw Stuart sogar das Anstellen bei der Passkontrolle ab.
Da wir die Grenze erst am spaeten Nachmittag erreichten, musste wir kurz danach ein Quartier suchen und hatten uns fuer die Stadt Esteli entschieden. Esteli, eine sehr umkaempfte Stadt waehrend der Revolution und nach wie vor Hochburg der Sandinisten, hat uns dann einen ganz guten Einblick in das Leben des heutige Nicaragua gegeben, was sich vielleicht so umschreiben laesst: sehr einfaches Leben und gluecklich dabei. Die Strassen sind recht sauber, die Busse nicht so ueberfuellt, man fuehlte sich sehr sicher und man hatte nicht staedig das Gefuehl, dass man uebers Ohr gehauen wird. Auch wird einem nicht staendig irgendetwas aufgedraengt & verkauft, die Menschen sind irgendwie natuerlicher und herzlicher as noch in Honduras oder auch nachfolgend in Costa Rica. Bei
einem Arzbesuch von Kathrin (nichts Schlimmes) nahm sich der Arzt 1 Stunde Zeit, teilweise mit Haendchen halten.
Aber gerade wenn man ueber Land faehrt, sieht man recht aermliche Verhaeltnisse. Trotz viele Kooperativen, die es noch immer gibt - 16 Jahren nach Ortega ist Hunger vor allem im Norden und Nordosten wieder ein Problem, laut UNO.
So werden sich die Sandinisten nach den gewonnenen Wahlen im letzten Jahr erneut mit Problemen beschaeftigen, die in den 80igern zu einem grossen Teil bewaeltigt schienen: Hunger, Gesundheit und Analpabethismus. Das ist natuerlich nur die eine Seite und es geht ner Gruppe Leute viel besser als noch vor 20 Jahren (die Wirtschaft ist stabil und waechst seit Jahren bestaendig - am besten zu sehen in Granada), aber halt nicht der grossen Masse der Bevoelkerung.
Ein paar Zahlen und Zitate aus dem Internet to make the case sozusagen (Heise): Heute gibt es in Nicaragua wieder eine Million Analphabeten. Von 1.000 Neugeborenen sterben 80 (USA zehn, in Kuba - als Gegenpol der Region - fünf). Nach den sozialen Indikatoren der UN stürzte das Land weltweit bis auf den 126. Platz ab. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung betreffen 50 % der Bevölkerung, von der 80 % als
arm gelten und von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen. Das Pro-Kopf Einkommen ist sogar niedriger als vor 40 Jahren.
Nicht erstaunlich, das die links gerichteten Sandinisten von Kuba, Venzuela und Bolivien Unterstuetzung erfahren (unter anderem im Rahmen von ALBA) und die Beziehung zu Erzfeind USA fragil sind, obwohl auslaendisches Kapital unangetastet bleiben soll und eine Verstaatlichung von Unternehmen wie in Venezuela vorerst nicht ansteht.
"...mit Kuba hat Ortega vereinbart, dass die Karibikinsel erneut Lehrer und Ärzte schicken wird, um das am Boden liegende Gesundheits- und Bildungssystem aufzurichten. Schon im Wahlkampf hatte Venezuela Gemeinden mit Treibstoff zu Vorzugspreisen beliefert, in denen die FSLN regiert. Dazu könnte nun auch noch billiges Gas aus Bolivien kommen, denn das Land leidet, wegen der Privatisierung des Energiesektors, unter einer schweren Energiekrise. Die sorgte oft dafür, dass die Wähler die zahllosen Werbespots, mit denen die Rechten vor der "Rückkehr dunkler Mächte" warnten, nicht zu sehen oder zu hören bekamen. Selbst die Auszählung der Stimmen wurde durch einen "Apagón" (Stromausfall) beeinträchtigt." (Quelle: Heise)
"...Langfristig, so schätzen Fachleute, benötigte das Land aber ein Wachstum von 7,5 %. Hart treffen könnte Nicaragua, wenn die Drohungen von konservativen Senatoren in den USA umgesetzt würden.
Sie wollen die Geldsendungen der 250.000 Nicaraguaner in den USA in die Heimat verbieten. Etwa 1,2 Milliarden Dollar schicken die Emigranten pro Jahr nach Hause. Von diesem Geld leben viele Familien und es ist eine wichtige Stütze der Wirtschaft." (Heise)
Auf jeden Fall sehr interessant die Entwicklung in Nicaragua zu verfolgen, auch wenn ich diese Schlussfolgerung fuer etwas uebertrieben halte: "Sollte es in Nicaragua erneut gelingen, eine Verbesserung der Lebenssituation der breiten Bevölkerung zu erreichen, könnte die Bush-Regierung schnell wieder die Konzepte von Ronald Reagan ausgraben, der stets von einem Dominoeffekt in Mittelamerika warnte." (http://www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23922/1.html)
Aber genug der Politik, Niacargua ist wirklich toll und mit Guatemala (obwohl die aermsten Laender der Region) fuer mich die soweit sehenswertesten.
Esteli hat ausser der erwaehnten Geschichtstraechtigkeit wahrend der Revolution (die Stadt erhob sich 3 Mal gegen Somoza und wurde dabei fast komplett von Bombardments ausradiert) nicht viel zu bieten, ausser vielleicht einem kleinem Museum was an Opfer diese Zeit errinnert. Sandinisten und Contras habe sich uebrigens weitesgehend versoehnt und Ortega Vice ist ein ehemaliger Contra, der im Falle eines Ablebens President wuerde.
Von Estli habe ich eine Ausflug nach Jinotega gemacht, aber leider verspach Lonely Planet mit "der Stadt
des Nebels' (auf Grund seiner Hoehe und Naehe zu primaerem Regen und Nebelwalds) wieder einmal zu viel. Kein Nebel und ausser einer huebschen Kirche wenig zu besichtigen. Leider war auch das angepriesene Sandino Museum in San Rafael del Norte (auf dem Wege nach Jinotega) geschlossen, so das ich mit den wunderschoenen Fresken der Basilka (gemahlt von einer oertlichen Institution, einem italienischen Padre der sein halbes Leben dort verbrachte) vorlieb nehmen musste.
Von Esteli ging es auf einer der wohl schlechtesten Strassen (bis hierhin) ins liberale Leon - Gegenpol, des eher konservativen Granadas, aber leider noch nicht so schoen instand gesetzt. Leon hat eine unglaubliche Anzahl von Kirchen und Kathedralen, wurde nach einem Vulkanausbruch des Momotombo im 17 Jhdt. verlegt und mindestens 3 mal niedergebrannt (der Filibuster Walker hinterlies wohl die schlimmsten Narben im Gedaechnis der Stadt). Leon ist sehr lebending und lebt auch von die vielen attraktiven Ausflugszielen in der Umgebung, unter anderem zahlreiche Vulkane. Wir haben uns den kleinsten, aber vielleicht schoensten vorgenommen, den nur knapp 750 Meter hohen Cerro Negro, so genannt aufgrund seines pechschwarzen Vulkangesteins, eher feiner Schotter und von dessen Spitze man wie von einer Sandduene herrunterennen oder sogar per Sandboard surfen kann. Der Ausflug
war, obwohl bei fast 40Grad, die 5 Stundentour absolut wert - wieder unten war man auf die beschriebene Art uebrigens in circa 10 Minuten.
Auf dem Weg nach Garanada haben wir dann noch kurz in Masaya halt gemacht und uns den sehr touristischen Handwerksmarkt angeschaut, sowie die traumhafte Laguna de Apoyo (am besten gesehen von Catarina) und den oertlichen Vulkan zu dessen Krater man fahren konnte. Bei starken Schwefelgeruch, wie auch auf dem Cerro Negro, konnte man mit etwas Fantasie rota Lavapuenktchen im qualmenden Rachen des Santiago Kraters entdecken!
In Granada, der fuer mich bisher schoensten Stadt Zentralamerikas, sind wir dann 4 Tage geblieben und haben mal etwas die Beine baumeln lassen - das viele Busfahren geht einem nach ner Weile ganz schoen auf den Keks. Der Unterschied zum restlich Nicaragua ist schon frappierend, alles ist perfekt touristisch in Szene gesetzt, zahlreiche Bueros bieten Touren in die Umgebung an und ein Hotel im Spanischen Kolonialstiel ist idyllische als das andere. Die Stadt mit Ihren massiven Gemaeuern und kuehlen, lauschige Innenhoefen hat Geld! Und der Tourismus ist eine Riesenchance die Region und deren Beispiel folgend auch andere Regionen nach Vorn zu bringen. Leon ware wohl der logischste naechste Schritt
zu investieren. Leider ist wie so oft das meiste Geld in auslaendischer Hand und so hoert man in den zahlreichen Immobilienbueros fast nur Englisch. Es gibt auch einige ehemalige Exilnicaraguaner die in den 90igern aus den USA kommend wieder ins Land kamen bzw Ihre Pension hier reinstecken.
Letzer Stop war Ometepe, eine Insel im Nicaraguasee, auf der sehr pikturesk zwei Vulkane thronen, der eine aktiv (Conception) der andere mit Kraterlagune (Maderas). Letzteren (1400m) hab ich allein in einer 5 stuendigen Tour erklommen, wobei ich bei 6 Liter Wasser-trinken, bis an meine Grenzen gehen musste. Soviel zur Fitness nach fast 6 Wochen ohne Sport, dem vielen leckeren Bier und der eine oder anderen Zigarette :)