ich hab beim letzten mal ganz vergessen von den geldproblemen hier in guatemala zu erzaehlen. also, angekommen in flores wollten wir zunaechst erstmal am automaten geld ziehen, "quetzales", wie die waehrung hier heisst. allerdings war es ja sonntag, und sonntags kann es in guatemala schon mal passieren, dass die geldautomaten komplett leer sind, wie uns ein einheimischer unaufgeregt berichtete. alle 4 geldautomaten in flores und im benachbarten santa elena waren also leer. wir brauchten aber dringends bargeld fuer den trip nach tikal. also hab ich zunaechst meine letzten US dollar in einem hotel in flores getauscht. die automaten wuerden am montag wieder aufgefuellt und wir koennten dann geld holen, so die auskunft. zurueck aus tikal sind wir dann zur ersten bank hier in flores. einer der wachmaenner sagte uns dann, dass der hiesige geldautomat zwar nicht leer sei, jedoch zur zeit "no functional". wir nahmen also ein mototaxi und fuhren zum naechsten automaten in santa elena. dieser stand mitten am eingang eines baumarkts, ohne sichtschutz. auch mit der diskretion haben es die einheimischen nicht so; ein typ stellte sich direkt hinter uns. die menschen hier sind jedoch sehr klein, ich musste nicht fuerchten dass dieser winzling mir ueber die schulter schauen
und meinen PIN sehen konnte ;-)
der automat nahm unsere kreditkarten, spuckte aber kein geld aus sondern schrieb auf dem bildschirm, dass zur zeit nur karten von einheimischen akzeptierten wuerden. man steckt oft nich drin...
der geduldige mototaxifahrer brachte uns zum naechsten geldautomaten und endlich klappte hier alles so wie es sein sollte. endlich wieder bargeld. leider nur grosse scheine, alles in 100 quetzales scheinen. das entspricht ungefaehr 10 euro, ist also nicht die welt, sollte man meinen. wechselgeld ist in den restaurants und geschaeften hier jedoch so selten wie schnee, praktisch niemand kann groessere scheine als 50 quetzales wechseln...[claer]LANQUIN. wir fuhren also von flores mit einem shuttle bus nach lanquin. die fahrt sollte 6 stunden dauern und der bus service schien serioes. das shuttle war dann aber nichts anderes als ein minibus, so gross wie ein normaler VW bulli. wo also normalerweise 7-9 leute platz haben, sassen wir zu 16.! plus fahrer. die sitzreihen waren so eng, dass ich mir je nach stellung aussuchen konnte, ob mein rechtes oder linkes bein einschlaeft. oder beide. meine laune hatte kurz nach beginn der fahrt also schnell ihren tiefpunkt erreicht. ich hoerte musik, auf dem ipod lief "kapitulation" von tocotronic... nach
6 stunden kamen wir an, allerdings nicht in lanquin, sondern in coban. nach einem kurzen verpflegungsstopp ging es dann weiter die restlichen 60 km nach lanquin. wir brauchten eine stunde fuer die ersten 50 kilometer, eine weitere fuer die letzten 10. den zustand der strasse koennt ihr euch also vorstellen; nicht asphaltiert, schlagloch an schlagloch und oft nicht breit genug fuer zwei autos - quasi wie letztes jahr in peru, nur dass die busse da besser waren ;-)
gegen spaetnachmittag kamen wir also in lanquin an und haben mit einer handvoll spanier und zwei australiern in der naechstbesten unterkunft eingecheckt. lanquin ist ein winziges kaff, keine 2000 einwohner und liegt wunderschoen an einem berghang im hochland von guatemala. ringsherum steile berge, die gipfel sind im nebel morgens und abends nicht mehr zu sehen. die landschaft hier ist wirklich der hammer, einfach unglaublich! abends waren wir dann mit den australiern und den beiden spaniern, alberto und guillome, essen bei kerzenschein, denn es gab zwei stromausfaelle an dem abend. am naechsten morgen brachen wir auf zu einer tour zu einem ort namens semuc champey. zwei israelis hatten uns in belize von dem ort vorgeschwaermt. mit dabei waren wieder alberto, guillome und noch ein
halbes dutzend andere spanier. mit dem taxi ging es los. die taxis hier in lanquin sind eigentlich pickups, auf deren ladeflaeche ein metallgeruest befestigt ist, an dem man sich dann festhalten kann und auch muss. die rinder hier werden aehnlich transportiert, nur in etwas groesseren transportern. unser fahrer fuhr flott, durch schlagloecher, pfuetzen, ueber steile haenge und enge kurven, entlang von mais-plantagen und dschungel. zunaechst stand eine grosse hoehle auf dem programm. nahe eines flusses stuerzte ein wasserfall den berg hinab und wir machten uns auf, die hoehle aus der das wasser kam zu erkunden. nur mit badehose und flipflops stiefelten wir los; unser guide gab jedem eine schmale kerze. die groesste herausforderung war also, die kerze unter keinen umstaenden ins wasser fallen zu lassen! zunaechst alles kein problem, das ziemlich kuehle wasser stand zunaechst nur bis zu den knien. meinen knien, bei marie gings schon bis zum bauch ;-) weiter in der hoehle wurds dann richtig abenteuerlich, wir kletterten tief in die hoehle, durch enge felsspalten, manchmal ueber leitern oder wir hangelten uns an seilen vorwaerts, der guide (mit batterietaschenlampe!!) dabei immer schnell voran. das wasser stand einem teilweise bis zum hals und an einigen stellen musste man sogar
schwimmen! die kerze hatte ich dann zunaechst im mund, spaeter dann in der linken hand, quasi einarmig schwimmend. an das kalte wasser hatte man sich schnell gewoeht; zu sehr war man damit beschaeftigt die kerze am leben zu halten oder sicheren halt an den felsen zu suchen. das wasser stroemte ziemlich schnell und im hinteren teil der hoehle gabs es noch einen miniwasserfall, unter dem wir durchkrabbelten, wobei natuerlich alle kerzen erloschen. auf der anderen seite hatte unser umsichtiger guide (ein guatemalischer bursche, jung, mutig, braungebrannt) jedoch eine weitere kerze, wo wir unsere wieder anzuenden konnten. am ende der hoehle angekommen konnte man noch von einem felsvorsprung aus in tiefes wasser springen, danach gings den gleichen weg zurueck. es war klasse! anschliessend ging es direkt weiter zum fluss. unser guide gab uns grosse reifen und wir liessen uns ca. 15 minuten lang den fluss hinab treiben. der fluss war nicht sonderlich schnell, trotzdem musste man an einigen stellen aufpassen keine felsen zu rammen oder zu weit ans ufer gedraengt zu werden. wieder an land konnte wir zur erfrischung von einem steg aus in fluss springen, danach ging es weiter zurueck zum ausgangspunkt, wo uns das pickuptaxi abgesetzt hatte. eine bruecke
fuehrte auf die andere seite des ufers, ungefaehr sieben meter ueber dem fluss. und wir sollten reinspringen! ich bin noch nie aus dieser hoehe ins wasser gesprungen, wollte es auch eigentlich beim fotos schiessen belassen, aber als fast alle anderen und sogar die vier winzigen spanischen maedels ohne zu zoegern von der bruecke sprangen hab ich mich dann auch ans gelaender gewagt. alter schwede, hatte ich angst!! ;-) hat aber wirklich spass gemacht und ich bin gleich nochmal gesprungen!
weiter ging es dann zum eigentlichen highlight von semuc champey, den natuerlichen, terassenartigen pools. auf dem weg dorthin kamen wir an einer kakao-plantage vorbei und wir konnten ganz frische kakaobohnen probieren. dabei darf man nur das weisse fruchtfleisch essen, nicht die bohnen selbst. kleine kinder sahen uns und schwaermten aus, mit koerben voller selbstgemachter schokolade. die schokolade war echt lecker, weich und etwas koernig und vor allem sehr sehr bitter, intensiv im geschmack! wer durchfall hat kann getrost auf medikamente hier verzichten und einfach einen klumpen der schokolade essen - dann ist erstmal fuer eine woche ruhe. dann gings weiter, einen berg hoch zum aussichtspunkt von semuc champey. der weg war steil und in der hitze waren wir nassgeschwitzt als wir dann
oben ankamen. aber die aussicht war umwerfend, es hatte sich wirklich gelohnt. von hier oben sah man gegenueber einen steilen berghang, darunter die pools; grosse runde becken, terassenartig untereinander, sodass das wasser immer von einem ins naechste floss. tuerkises wasser und ringsherum alles wunderschoen gruen! ein paradies. der abstieg dorthin ging dann schnell - wir wollten unbedingt in den pools schwimmen. unten angekommen sprangen wir direkt ins wasser, schoen erfrischend kalt nach den ganzen anstrengungen zuvor. aus dem letzten becken schoss das wasser dann mehrere meter in die tiefe in den fluss, auf dem wir zuvor schon mit den reifen geschwommen waren. der guide hatte noch eine strickleiter dabei, von der aus man noch zu einem felsvorsprung hinabklettern konnte, direkt neben dem rauschenden wasser.
zurueck in lanquin waren wir abends wieder im einzigen restaurant essen. es gab nur fuenf menues zur auswahl, aber alles war superlecker. diesmal gabs es auch strom, wobei das essen bei kerzenschein schoener war als unter neonroehren. am naechsten morgen brachen wir frueh auf, erst zurueck nach coban, dann weiter nach antigua, wo wir nach insgesamt 10 stunden fahrt heute angekommen sind...