Guatemala gehoert definitiv zu jenen Laendern, die mich von Beginn an fasziniert haben. Obwohl ich nie wirklich gewusst habe, warum ich unbedingt hier herkommen wollte, war ich mir doch sicher, dass ich mich hier gleich zuhause fuehlen wuerde. Und genauso war es.
Gleich nach der Grenze Belize-Guatemala hat sich die Landschaft extrem veraendert. Von betonierten Strassen in Belize war der Uebergang zu staubigen/sandigen und unbetonierten Strassen abrupt. Der Staub war nicht nur auf den Strassen, sondern auch ueberall in der Luft und hat den Baeumen und Straeuchern am Wegrand einen grauen Schleier verliehen. Die Stimmung war eigenartig. Unser Bus war der einzige auf der sandigen Strasse und so fuhren wir stundenland nach Flores, ein kleines Doerfchen am See Peten Itza unweit von Tikal, waehrend sich die Landschaft stetit veraenderte. Sanfte Huegel, alle bewachsen, fruchtbare Landschaften. Flores ist ein nettes Staedtchen mit bunt bemalten Haeusern in sonnengelb, rostrot, Rosatoenen usw. Die Strassen sind gepflastert, es ist ruhig und gemuetlich, ein paar Tuktuks fahren durch die Gegend und es gibt jede Menge Restaurants mit Seeblick, herrliches Fruehstueck und viele freundliche, hilfsbereite Leute.
Wie es der Zufall so will, hat an unserem Ankunftstag das alljaehrliche, traditionelle Weihnachtsbaumanzuenden stattgefunden. Der riesige Weihnachtsbaum am
Dorfplatz ist von der lokalen Biermarke Gallo gesponsert. Logisch also, dass alle Christbaumkugeln und sonstige Weihnachtsdeko mit ueberdimensionalen Gallo Logos und dem Hahn als Markenzeichen dekoriert sind. :-) Rund um den Weihnachtsbaum waren viele Staende aufgestellt, die Tortillas, Pommes Frites und andere gesunde Sachen verkauften. Zur feierlichen Weihnachtsbaumillumination erklang Reggeatonmusik und auch mehrfach der Song von Pretty Woman... Eine skurille Kombination, aber der Platz war voll mit Einheimischen, alle haben getanzt, gefeiert, gegessen und so haben auch wir uns unter die Leute gemischt, streetfood probiert und jede Menge Spass gehabt.
Von Flores haben wir einen Tagesausflug zu den Mayaruinen von Tikal gemacht. Tikal gehoert wohl, so wie Chitchen Itza und Copan, zu den groessten und beruehmtesten Ruinen. Bis zu 61 Meter hohe Mayatempel finden sich mitten im Dschungel. Manche davon sind noch nicht ausgegraben worden und ruhen still unter den mit Moos und Straeuchern bewachsenen Erdhuegeln. Doch jene Ruinen, die ausgegraben wurden, sind spektakulaer. Uralt (700 v. Chr), wunderschoen erhalten und...!!! man kann sie besteigen, was mitunter ein nicht ganz ungefaehrliches Unterfangen ist, weil sie alle wirklich steil sind. Auch ich habe einen der Tempel erklommen um einen spektakulaeren Blick ueber den Urwald zu haben, die Sonne ging gerade
auf und zwischen dem gruenen Dickicht konnte man die Spitze des einen oder anderen Tempels sehen. Wir waren umgeben von Stille, den unzaehligen Facetten von Gruen des Dschungels, nur begleitet vom Zirpen der Grillen und den Schreien der Affen, die immer noch mitten in diesem Paradies leben. Ein magischer Ort!
Nach Tikal ging es weiter nach Rio Dulce, am Lage de Izabal, Guatemalas groesstem See. Von dort aus machten wir Ausfluege zu den heissen Quellen. Nach einem laengeren Fussmarsch, vorbei an Zuckerrohrfeldern, Schafherden und Kuehen, durch den Dschungel kamen wir zu einer Lichtung und ploetzlich war vor uns dieser riesige heisse Wasserfall und darunter ein natuerliches Becken umgeben von Felsen, Baeumen, Straeuchern und ueberall warmer Dampf. Dort haben wir ein paar Stunden verbracht, haben im warmen Wasser geplantscht und uns unter dem Wasserfall platziert um das heisse Wasser auf uns herunterprasseln zu lassen. Es war herrlich. Ein Besuch des kleinen Dorfes Livingston gehoert natuerlich dazu, wenn man schon in Rio Dulce ist. Der Ort ist beruehmt fuer seine Einwohner mit afrikanischen Wurzeln, die Garifuna. Diese wurden von Afrika als Sklaven nach Guatemala gebracht und ihre Nachfahren leben als ethnische Gruppe in diesem Dorf. Die beruehmte Fischsuppe habe ich mir
natuerlichdort nicht entgehen lassen und so habe ich zum Entsetzen meiner australischen group mates die Fische, Krabben und Langusten fachmaennisch auseinander genommen und geniesserisch alles bis auf den letzten Bissen bzw. Tropfen (Suppe) aufgegessen/geschluerft... hmmm
Durch das Hochland von Guatemala haben wir uns dem Lago de Atitlan genahert. Die Region ist fast dramatisch, hohe Berge, tiefe Schluchten und Taeler, Maisfelder, kleine Doerfer, Einwohner in traditionellen, bunten Mayagewaendern. Die uralte Kultur ist am Leben, das spuert man, wenn man auf den Serpentinen durch die Doerfer faehrt. An diesem See haben wir in Panajachel einen Stop eingelegt um kleinere Doerfer wie San Pedro, Santiago Atitlan und San Antonio Palopo zu besuchen. All dieser Doerfer sind beruehmt fuer ihre indigineous people, alle haben ihre eigene Kultur, Tracht, Zeremonien, Riten etc. Viele women's cooperatives verkaufen handgewebte Stoffe, Kleidung, Taschen, bunte Decken, Puppen, Spielzeug und viele andere Dinge, die vor allem das weibliche traveller's Herz begehrt!!! :)
Von dort aus haben wir dann noch einen Ausflug zu dem spektakulaeren Markt von Chichicastenango gemacht. Der Markt findet nur 2x in der Woche statt und ist der groesste und beste in ganz Guatemala. Und meine Guete... sobald man ankommt, taucht man in ein Meer von
Farben ein. Ueberall leuchtet es pink, sonnengelb, knallblautuerkis, grasgruen, kirschrot... Und all diese Farben immer gemeinsam kombiniert in Decken, Taschen, Kleidung, Haarbaendern, Masken usw. Hier gibt es wirklich alles, was man von Zentralamerika als Souvenir mitnehmen moechte. Mein Haendlerherz hat natuerlich sofort hoeher geschlagen, da ich handeln ja wirklich liebe, ganz im Gegensatz zu meinen Reisekumpaninnen und so habe ich mich in das Getuemmel geschmissen und verhandelt, was das Zeug haelt. Es hat nicht lang gedauert, bis mich die meisten Haendler gekannt haben. Meine Reisekumpanen habe mir den Beinamen bargain&shopping monster gegeben! Voll bepackt und zufrieden sind wir mit diversen bunten Mayadecken, kleinen Pueppchen, Haarbaendern, Perlenarmbaendern usw. wieder abgezogen um nach Antigua zu fahren.
In Antigua endet mein Guatemalabesuch auch schon. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Guatemala City und 5 Saergen, die neben unserem Bus aufeinander gestapelt waren, haben wir uns mit einem mulmigen Gefuehl in den Bus gesetzt und sind gleich wieder weiter nach Antigua gefahren. Die Hauptstadt der Spanischschulen, wie es scheint. Viele Auslaender sind hier, aber das stoert nicht wirklich. Die ehemalige Hauptstadt Guatemalas ist umgebenvon 3 Vulkanen und liegt im Tal zwischen diesen drei Vulkanen, wurde mehrfach zerstoert und evakuiert, bis die Hauptstadt nach Guatemala
City verlegt wurde. Es handelt sich um ein wunderschoenes, kleines, altes Kolonialstaedtchen mit 45.000 Einwohnern, bunten Haeusschen, gepflasterten Strassen, tollen Restaurants, Cafes, Shops, Sprachschulen usw. Hier fuehle ich mich wohl. Wunderschoene alte Kirchen und eine Kathedrale finden sich fast an jeder Ecke, ein riesiger Markt ist ebenfalls vorhanden. Habe dort bereits etwas lokale Musik gekauft und natuerlich wieder schwer verhandelt. Kurz und gut, hier koennte man es eine Zeit lang aushalten. Die Tage sind warm, die Naechte extrem kuehl. Immerhin sind die Vulkane 2.500, 3.800 und fast 4.000 m hoch. Irgendwie erinnert mich die Landschaft oft an zuhause. Das Klima ist aehnlich, die Berge und Taeler... Die Leute sind freundlich, lachen viel. Was man natuerlich nicht versaeumen darf ist die lokale Mayaschokolade, die es ist unzaehligen Geschmacksrichtungen, mit oder ohne Nuessen, Mandeln, Gewuerzen wie Chili, Kardamom, Vanille usw. usw. gibt...
Und morgen geht es weiter nach Honduras und dann Nicaragua... Von dort aus mehr!