Hungrige Fische und selbstlose Seelen in Melakka und Johor Baru

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Malaysias flagPublished: March 31st 2010Asia » Malaysia » Melaka » Melaka City
November 4th 2009

Nach dem anstrengenden Tag in den Genting Highlands sassen wir am 04.11.09 frueh am Morgen ziemlich unausgeschlafen im Bus nach Melakka, einer kleinen Stadt westlich von Kuala Lumpur. Im Nachhinein muss ich sagen, dass wir fuer diese Stadt mit nur zwei Tagen und einer Nacht deutlich zu wenig Zeit eingeplant hatten, denn die in meinen Augen sauberste und gemuetlichste Stadt Malaysias hatte eine Menge mehr zu bieten, als wir erwartet hatten.

Wir haben dennoch versucht, das meiste aus den wenigen Stunden vor Ort zu machen und eine Bootsfahrt rund um die Stadt schien uns die beste Alternative, um moeglichst schnell moeglichst viel von Melakka zu sehen. Es ging vorbei an alten, wunderschoen restaurierten Gebaeuden, kleinen Maerkten, einem Riesenrad in Stil des London Eyes, einem alten zu einem Maritim-Museum unfunktionierten Piratenschiff usw. Ausserdem gab es riesige Shopping-Center und das Stadtbild war gepraegt von bunten Fahrrad-Rikschas, die mit unzaehligen Plastikblumen geschmueckt waren.

Wir haben uns sogar ein Fuss-Peeling der ganz besonderen Art gegoennt. Direkt am Hafen war naemlich eines dieser kleinen Spas, in denen man seine Fuesse in Aquarien steckt und innerhalb weniger Sekunden hunderte kleiner Fische an den Fuessen herum knabbern. In den ersten Minuten muss man wirklich tief durchatmen, um das Kitzeln an den Fuessen ueberhaupt auszuhalten. Aber nach einer Weile gewoehnt man sich gut daran und geniesst das gleichmaessige, entspannende Prickeln in vollem Masse. Mein groesster Respekt und besonderer Dank geht also an dieser Stelle an all die hungrigen Fischlein, die vor meinen dreckigen, geschundenen Backpacker-Fuessen keinen Ekel hatten und dafuer gesorgt haben, dass ich fuer ein paar Tage wunderbar weiche Fusssohlen hatte! Ein Traum!

Neben hornhautliebenden Fischen gab es auch viele Handwerker und Haendler, die besonders in der beruehmten Jonker Street ihre Holzkunstwerke und andere tollen Sachen verkauften. Erstaunlicherweise waren alle hoechst entspannt und keiner hat versucht, seine Waren zu Wucherpreisen lautstark an uns Touristen zu verhoekern. Ganz ungewoehnlich fuer Malaysia, wo man sonst ueberall von der Basar-Mentalitaet der Locals eingeschuechtert wird. Das hat dem ganzen somit einen zusaetzlichen Pluspunkt verschafft. Leider hat unsere Zeit fuer einen Besuch in den zahlreichen Museen der Stadt (die im Uebrigen alle umsonst sind!) nicht mehr gereicht, sonst haetten wir wohl noch viel mehr ueber die Geschichte und Kultur der Stadt erfahren. Stattdessen sassen wir aber am Abend des 05.11. mal wieder in einem der beruehten, ueberfuellten (und deshalb zeitweise verhassten) Busse um nach Johor Baru zu gelangen.

Ganz im Gegenteil zu Melakka hatten wir von Johor Baru nicht viel Gutes gehoert und wollten dort auch nur die Nacht verbringen um am naechsten Morgen von dort aus nach Borneo zu fliegen. Als wir gegen 20 Uhr in der ziemlich dreckigen, ueberfuellten Stadt ankamen, standen wir vor einem chinesischen Hotel, welches angeblich eines der Billigsten der Stadt war. Dort verlangte man aber trotzdem einen ueberteuerten Preis fuer ein haessliches, fensterloses Zimmer und somit standen wir etwas verloren auf der mit Leuchtreklamen uebersaehten Hauptstrasse und schauten ratlos auf unsere Rucksaecke. Ein paar Minuten spaeter tauchte am Hoteleingang ploetzlich ein weiterer Backpacker in Begleitung eines Malaien auf. Ausgeruestet mit unserem Stadtplan haben wir die beiden gefragt, ob sie zufaellig ein Hostel namens „Footloose“ kennen, welches wir noch in der Karte entdeckt hatten. Backpacker und Freund grinsten uns daraufhin freundlich an und sagten, dass wir das Gaestehaus gar nicht erst suchen muessten, da es vor wenigen Monaten geschlossen wurde. Wie sich dann herausstellte, war unser Gegenueber (ein Malai namens Hakimi) der ehemalige Besitzer dieses Hostels und er war gerade dabei, seinem Backpackerfreund eine Unterkunft fuer die Nacht zu suchen. Da auch er das chinesische Hotel eher abstossend fand, stand schnell fest, dass sein Freund die Nacht in der Wohnung von Hakimi verbringen wuerde. Zu unserer Ueberraschung bot uns Hakimi daraufhin an, dass auch wir die Nacht bei ihm verbringen koennten um so die Kosten fuer die Uebernachtung zu sparen! Na wenn das kein Zufall ist!! Da spricht man jemanden willkuerlich auf der Strasse an und dann so was! Wir konnten unser Glueck nicht glauben, auch wenn ich anfaenglich meine Zweifel hatte, ob wir nicht in der Nacht ausgeraubt werden wuerden oder aehnliches. Man weiss ja nie, wem man da so in die Arme laeuft. Aber es war alles ganz harmlos und Hakimi war einfach einer dieser Menschen mit einer reinen, guten Seele, die anderen etwas Gutes tun wollten. So sassen wir kurz darauf in einem kleinen Zimmerchen in der 6. Etage eines heruntergekommenen Hauses, in dem es eine Gemeinschaftskueche (bestehend aus einer Spuele und zwei Heizplatten) auf dem Flachdach des Hauses gab. Wir durften also hier das richtige Malaysia hautnah erleben. Ueberall wuselten streunende Katzen in den dunklen Gaengen herum und die Zimmer waren nur durch Waende geteilt, die nicht an der Decke abschlossen, sondern lediglich ein hohes Gitter hatten. Somit konnte man hoeren, was der Nachbar trieb oder problemlos ein Buch lesen, wenn der Nachbar das Licht anhatte. Auf dem Fussboden haben wir dann eine Decke ausgebreitet und hart gebettet die Nacht damit verbracht, zu lauschen, wer sich gerade im Flur herum trieb. Es war echt abgefahren! Am naechsten Morgen stellten wir dann zusaetzlich fest, dass es in dem Haus ueberhaupt keine Dusche gab, sondern die Bewohner pro Etage einen Wasserkuebel mit Schoepfeimer hatten. Da wir fuer den Flughafen etwas spaet dran waren, haben wir gluecklicherweise auf die Abenteuerdusche verzichtet. Wirklich erstaunlich, wie Menschen, die so wenig haben wie Hakimi, trotzdem diese enorme Freude am Leben besitzen und das Wenige, was sie haben noch mit anderen teilen! Ich war wirklich sprachlos und dankbar und wuensche mir sehr, dass ich diese Einstellung zu einigen Teilen fuer mich selbst uebernehmen kann, wenn meine Reise vorbei ist. Wer weiss... vielleicht begegnet mir ja dann auch mal ein hilfloser Backpacker in Hohndorf und ich kann ihm selbstlos mein Bett fuer eine Nacht leihen! ;)



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Tina Weltenbummler
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