Vang Vieng ist ein komischer Fleck in Laos. Obwohl es eigentlich nur ein kleines Staedtchen ist (ein ganzes Stueck kleiner noch als Emsdetten), wird man in ganz Suedostasien keinen Backpacker treffen der noch nicht von VV gehoert hat, hier war oder mindestens eine "I almost died in Vang Vieng"-Story auf Lager hat. Ja, warum ist Vang Vieng denn eigentlich so beruehmt? Seitdem ich in Asien bin sehe ich jeden Tag, egal wo, mindestens einen Reisenden mit dem Tshirt "In the Tubing - Vang Vieng, Laos". Daraus kann ich also schliessen: Aha, die Stadt ist also bekannt fuers Tubing. Okay, und what the fuck is tubing? Natuerlich hatte ich mich in meinem Lonely Planet Reisefuehrer schon ein wenig darueber schlau gemacht, was denn genau das Tubing ist, bevor ich nach Vang Vieng gefahren bin, aber eigentlich hatte ich auch keine Ahnung, was mich denn genau erwartet. Ich hatte nur gelesen, dass man sich einen Ring mietet und sich damit einen Fluss hinuntertreiben laesst. Klingt gut, aber bei dem Abenteuerangebot hier in Suedostasien sollte es doch ein wenig spektakulaerer sein, ansonsten wuerde doch nicht jeder hierhin fahren.
Soviel als Einleitung, ab jetzt geht es chronologisch weiter:
An meinem letzten Morgen in Luang
Prabang bin ich morgens gegen acht Uhr aufgestanden um mich auf dem Weg zur Bushaltestelle zu machen, um mal "eben schnell" den Bus von Luang Prabang nach Vang Vieng zu nehmen. Meine Tagesplanung sah wie folgt aus. Um neun Uhr im Bus sitzen, "schnell" nach VV duesen, "schnell" ein Hotel suchen, "schnell" meine Leute suchen und am Nachmittag geht es dann eine "schnelle" Runde tuben.
Da ich deutsche anstelle von laotischen Zeiteinheiten benutzt hatte, ging die Rechnung natuerlich nicht auf. Ich bin um 8:50 Uhr am Busbahnhof angekommen, um den Neun-Uhr-Bus zu nehmen. Am Ticketschalter wurde ich dann darueber aufgeklaert, dass der Acht-Uhr-Bus der einzige Bus heute nach Vang Vieng war. Der Neun-, der Zehn-, der Elf- und der Zwoelf-Uhr-Bus fallen heute alle aus. Na klasse! Der Schalterbeamte hatte natuerlich keinerlei Verstaendnis fuer meinen Fast-Ausraster und hat mir noch voller Freundlichkeit den Vorschlag gemacht, ich solle doch den Bus nach Vientiane um Zwei Uhr nehmen, da der in Vang Vieng haelt, das waeren ja nur fuenf Stunden warten und der doppelte Ticketpreis (4 Euro, statt 2 Euro. Aber es geht ums Prinzip!). Fuenf Stunden spaeter ist der Bus dann ueberraschenderweise puenktlich um zwei Uhr losgefahren. Das wir fuer die 200
Kilometer acht Stunden gebraucht haben, hat mir zu dem Zeitpunkt dann auch nichts mehr ausgemacht, der Tag war eh schon im Arsch.
In Vang Vieng angekommen ging es dann auch gleich super weiter, eigentlich wollte ich, da es schon zehn Uhr Abends war, nur noch schnell etwas Essen und dann ab in irgendein akzeptables Hotel schlafen. Natuerlich kam wieder alles anders.
Das erste was ich von Vang Vieng gesehen habe, war ein schrecklicher Motorradunfall direkt vor meiner Nase, waehrend ich aus dem Bus ausgestieg. Ich fuehre lieber gar nicht aus, wie jemand nach einem Unfall mit sechzig kmh ohne Schutzkleidung und ohne Helm auf einer Schotterstrasse aussieht, aber das mit dem Hunger hatte sich somit schonmal erledigt. Da meine Ansprueche an das Hotel von Stunde zu Stunde gesunken sind, war es wenigstens nicht mehr schwer, fuer die Nacht ein Zimmer zu finden. Gute Nacht.
Nach einem weiteren schrecklichen Tag auf den Strassen/Schienen/Fluessen Suedostasiens sollte heute zum Glueck einer der lustigsten Tage meiner Reise folgen.
Morgens habe ich relativ schnell gemerkt, dass das Hotel vielleicht gestern gut genug gewesen ist, heute wollte ich aber nur so schnell wie moeglich raus aus dem Siffzimmer. Also, mit meinem gesamten Gepaeck und frohen
Mutes bin ich Richtung "Downtown" losmarschiert. Da die Stadt sehr klein ist und ich sehr gross und somit gut sichtbar bin, wuerde ich bestimmt auch bald von meinen Reisegenossen irgendwo entdeckt werden. Ein sehr wager Plan, hat aber funktioniert. Auf halbem Wege haben mich die beiden Irinnen, Emer und Noelle, mit denen ich schon seit dem Slowboat unterwegs war, entdeckt. Beim Fruehstueck haben sie mir dann erzaehlt, dass die ganze Slowboat-Clique im gleichen Hotel eingecheckt hat und sie alle zusammen heute Nachmittag tuben gehen wollen. Die Crew bestand aus viermal Irland, zweimal Kanada, zweimal Mexiko und zweimal Schweden und jetzt als elften Mann natuerlich noch einmal Deutschland. Endlich gehts los Tubing.
Begonnen hat das Tubing ersteinmal ganz langweilig mit anstehen fuer die Tubes. Ein Tube ist nichts anderes als der Schlauch eines LKW-Reifens, der mit Luft gefuellt super zum aufm Wasser rumtreiben ist. Als wir dann alle unsere Reifen hatten, haben wir sie auf alle aufs Taxidach geladen und sind alle die 5 Kilometer flussaufwaerts zur offiziellen Start der Tubingstrecke gefahren. Die Tubingstrecke muss man sich wie folgt vorstellen. Ein Fluss, ungefaehr doppelt so breit wie die Ems mit sehr schneller Stroemung an dessen Ufern wie auf einer Partymeile Kneipen
stehen. Und das einzige was man machen muss ist sich in seinem Ring den Fluss runtertreiben lassen und wenn man Durst hat, muss man nur eines der Seile greifen, dass einem von kneipeneigenen "Schlepperbanden" zugeworfen wird. Also ne echt steile Sache. Ueberall an den Kneipen gibt es dann noch verschiedene, kostenlose Angebote wie sich mit einer Liane ueber den Flus schwingen und dann zehn Meter tief in den Fluss fallen lassen, oder Schlammvolleyball, Tauziehen ueber einer zwei Meter tiefen Schlammfuetze (wer verliert, schwimmt ;-)) oder aehnliches. Wem das noch nicht zum neidisch werden reicht, hier einmal die Preisliste: Halber Liter Bier 80 Cent, 1,5 Liter Eimer mit Whiskey-Cola, Wodka-Energy, etc. 2 Euro, Cocktail halber Liter 1,50 Euro und Reiswhiskey, welcher gar nicht so schlecht ist, kostenlos.
Bei den Preisen muss man dann natuerlich zuschlagen, was wir und die anderen gut tausend Tuber auch gemacht haben und so waren spaetestens um drei Uhr nachmittags alle besoffen und der Rest des Tages wurde ziemlich lustig. Obwohl die Strecke im Tube an sich nur etwa eine Stunde dauert haben wir dank der ganzen Kneipen gut sechs Stunden gebraucht. Es ist nicht immer in diesem Land so schlecht, langsam vorwaerts zu kommen... unser Hotel
lag direkt am Flussufer und so waren es nur wenige Meter vom Tube ins Bett. Gott sei Dank!
Bilder habe ich aufgrund von wasser- und trunkenheitsbedingter Gefahren nicht gemacht. Aber Conor, einer der Iren, hat Bilder von dem Spektakel gemacht. Die koennt ihr euch
hier ansehen.
Part of trip:
The Banana Pancake Loop