Istiqlal Moschee6. größte Moschee der Welt und Platz für angeblich bis zu 200.000 Gläubige
Auf der Seite des Auswaertigen Amtes ist derzeit folgendes zu lesen:
„Schwere Regenfälle haben in der Hauptstadt Jakarta zu verheerenden Überschwemmungen geführt, bei denen zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind. Weite Teile der Stadt sind überschwemmt. Reisenden nach Jakarta und Umgebung wird empfohlen, die Medienberichterstattung zu verfolgen und in Kontakt mit ihrem Reiseveranstalter zu treten. Der internationale Flugverkehr von und nach Jakarta ist derzeit nicht beeinträchtigt. Im Zusammenhang mit der auch in Indonesien grassierenden Geflügelpest (Vogelgrippe) H5N1 kam es erstmalig zu Erkrankungen mit Todesfolge in einer Familie in Tangerang (Westjava) in der Nähe von Jakarta. Wie die Familie sich infizierte ist unklar. Es wird Reisenden empfohlen, Kontakte mit lebendem oder rohem Geflügel bzw. Vögeln zu vermeiden.“ Klingt ja alles in allem nicht wirklich einladend und ueber eine Reise nach Jakarta sollte man im Moment vielleicht zweimal nachdenken. Zum Glueck hab ich diese Meldungen aber erst diese Woche gelesen, so dass ich vollkommen unbeschwert meine Reise in die indonesische Hauptstadt angetreten habe. Allerdings haette ich mich schon wundern muessen, dass keine mitkommen wollte. Die Begruendung war jedes Mal die unzureichende Sicherheit in Jakarta, aber dazu spaeter.
Bin also am Freitag etwas eher von Arbeit los, hab mich in ein Taxi geschmissen
und bin zum Flughafen getingelt. Dort angekommen hab ich es mir erstmal auf der Toilette gemuetlich gemacht, denn mit Lederschuhen, Anzughose und Hemd ist nicht gut reisen. Nach der Verwandlung in den ordinaeren Touri ging’s mit der Lutfhansa in Richtung Sueden.
Dann in Jakartas Flughafen die ersten deutlichen Unterschiede zu Singapur: Keine gedaempfte Fahrstuhlmusik mehr, braune Fliessen statt weichem Teppich und die Klimaanlage mal nicht auf 20°C eingestellt. Auch die Schlangen bei der Einreise waren um einiges laenger, aber nach ca. 1 h hatte ich diese dann auch hinter mir gelassen. Also rein ins Abenteuer! Zuerst Ausschau nach einem Bus halten, denn ein Taxi ist ja viel teurer und ausserdem weiss man nie so genau wo es einen hinfaehrt. So ein Bus hat ja wenigstens nen festgelegten Fahrplan und man ist nicht ganz alleine. Im Gegenteil: in meinem Fall hatte ich einen netten Stehplatz im Reisebus mit genuegend Platz um meinen Nachbarn nicht mit jedem Atemzug in die Augen zu pusten. In das Gedraenge schob sich nach 5 Minuten Fahrt auch noch der Fahrer selbst, um die Tickets zu verkaufen. Nach ungefaehr einer halben Stunde Rumgezuckel im Verkehr kam dieser dann ganz zum erliegen. Ein Blick aus dem Fenster verriet
mir auch, wieso. Da war einfach viel zu viel Wasser auf der Strasse und es daemmerte mir, dass ich auch irgendetwas ueber schwere Regenfaelle in Indonesien gelesen hatte. Nach 2h statt planmaessigen 40min dann die Ankunft in der Gambir Station und sofort eine Masse an Taxi- und Bajaj-Fahrern um mich herum. Nach zaehen Verhandlungen haben wir uns schliesslich auf 15.000Rp geeinigt und dass ich seine Parkgebuehren zahlen muss. Am Ausgang reicht mir der Parkplatzwaechter also die Quittung ueber 1.000Rp und da es stockduster war hab ich ihm den erstbesten Schein aus meiner Hosentasche in die Hand gedrueckt, den ich zu fassen bekommen konnte und wartete auf Wechselgeld. Er hat nur leider ueberhaupt keine Anstalten gemacht mir Wechselgeld zu zahlen sondern hat meinem Fahrer einfach nur auf die Schulter getippt, woraufhin dieser das Gaspedal voll durchgetreten hat (machen die hier aber sowieso staendig) - hab spaeter festgestellt, dass ich statt 1.000Rp, 20.000Rp losgeworden bin und sich somit die Fahrt zum Hostel mehr als verdoppelt hatte. Die Zielstrebigkeit meines Fahrers hat sich dann allerdings ziemlich schnell verfluechtigt, denn er hatte im Grunde genommen keine Ahnung wo er eigentlich hinmusste. Zur Jl Jaksa hatte er sich schliesslich durchgefragt, aber als er mich rauslassen
wollte und ich gefragt hab an welcher Strassenkreuzung ich denn jetzt genau stehe, konnte er mir nicht wirklich helfen. Als echter Indonesier wollte er das allerdings nicht zugeben. Gespraechsprotokoll (hab dabei auf eine Karte gezeigt):
„Where is this intersection? Here?“ - „Yes“
“Or is it here?” - “Yes”
“Now what? Here or here?” - “Yes”
“Can you show me on the map, where I am right now?” - “Yes” (ein Laecheln, aber ansonsten keinerlei Aktion)
Ich hab mich dann dafuer entschieden die relative sinnlos gewordene Unterhaltung abzubrechen und zu Fuss die richtige Kreuzung zu finden. Hat auch gar nicht lange gedauert (ca. 10min), bis ich mal ein Strassenschild gefunden hab. Einmal einen Fixpunkt auf der Karte, ging die Hostelsuche gleich viel leichter und wurde kurz darauf auch erfolgreich mit einem Bier und ner Unterhaltung mit nem Ami und zwei Kanadiern abgeschlossen.
Nach einer laengeren Nacht (leider immer wieder unterbrochen, da mich alle moeglichen kleinen Tierchen attackiert haben) und froh dass es nicht regnete, bin ich auf meine Entdeckungstour gestartet. Als erstes Stand das National Monument auf dem Plan. Im Volksmund heisst es nur „Soekarnos last erection“ und wer es gesehen hat, weiss auch warum. 137m Beton und ein netter
Kotahistorische, durch die holländischen Kolonialherren stark geprägte Altsatdt von Jakarta
Park drumherum. Aber irgendwie alles ein wenig sehr verfallen fuer das noch recht junge Alter. Die Aussicht war natuerlich ueberragend, auch wenn aufgrund des Smogs die Sichtweite sehr eingeschraenkt war. Wieder unten angekommen, musste ich auch gleich einen etwas laestig gewordenen Indonesier abschuetteln, der sich partout als Fuehrer anbieten wollte und nicht mehr von meiner Seite weichen wollte. Aber ich bin ja schon gross und wollte die Stadt erkunden ohne mich staendig auf Krampf unterhalten zu muessen. Deshalb hab ich kurz spaeter meine Karte eingenordet, den Finger in den Wind gehalten und bin losmarschiert. Nach ca. 2h hat das allerdings nicht mehr so viel Spass gemacht, denn ich bin nur an grossen Verkehrsstrassen entlang gelaufen. Die unzureichende Strassenbeschilderung und meine eher grobe, schwarz/weiss kopierte Karte haben auch nicht unbedingt zur besseren Orientierung beigetragen, so dass ich nach ner Weile komplett verloren gegangen bin und nicht mehr wirklich ne Ahnung hatte wo ich mich gerade befand. Also hab ich mich dann doch einem der todesmutigen Motorradfahrer anvertraut und nach den ueblichen Preisverhandlungen hat er mich dann auch ins historische Stadtzentrum, Kota, gefahren. Die Fahrt ist auf jeden Fall nur was fuer Hartgesottene, denn die Fahrer wollen anscheinend beweisen, dass sie ueberall
durchkommen und die schnellsten sind. Ein paar Mal hatte ich mich von meinen Knien schon verabschiedet, weil ich mir sicher war, dass sie an einer Wand oder einem entgegenkommenden Auto haengen bleiben werden.
Kota war dann allerdings nicht ganz so spannend wie gedacht. Es ist halt der alte Stadtkern, aber ausser dass dort das (z.Z. geschlossene) Nationalmuseum und das Philateliemuseum (?!?) ist nicht wirklich viel los. Ein Indonesier, Uzman, hat mir auf dem Marktplatz ein paar Postkarten zum Verkauf angeboten und darueber sind wir relativ schnell ins Gespraech gekommen. Natuerlich fuehrt auch er in seiner Freizeit gegen Geld Touristen durch die Gegend, aber er war mir im Gegensatz zu vielen anderen vorher sympathisch, da seine Freundlichkeit nicht uebermaessig gespielt schien.
Nach einer Partie Pool (ich glaub Uzman hatte keine Ahnung von den Regeln - er hat immer die 1 angespielt und die gehoerte eigentlich sogar zu meinen Kugeln) und Besuch im (bereits geschlossenen und echt nicht sehenswerten) Marinemuseum hat er mich in sein Viertel mitgenommen. Von da an wurde mein Trip auch endlich interessant und um einiges aufregender. Die engen Gassen voller freundlicher Indonesier in Ihren kleinen Shops, schraegen Huetten und vorm offenen (Muell-)Feuer waren ein ganz anderes Jakarta als
das, was ich bis dahin gesehen hatte. Ich hab meine Kamera zwar oft steckenlassen, denn ich wollte nicht unbedingt damit herumwinken, aber als Europaeer war ich sowieso schon eine Attraktion. Aller drei Schritte gruesst jemand, fragt wo man herkommt und freut sich ueber eine Antwort (haette mal besser ein paar Indonesisch-Brocken vorher lernen sollen). Die Freundlichkeit der Menschen war absolut umwerfend und allzu oft kommt wohl auch kein Europaeer vorbei. Nach einer Weile hatte ich im Gassenwirrwarr keinerlei Orientierung mehr und musste mich wirklich auf Uzman verlassen. Einziger Orientierungspunkt war der Fischmarkt, welcher allerdings nie zu sehen, sondern immer nur zu riechen war.
Das im Marinemuseum angeeignete Wissen konnte ich dann gleich im alten Hafen anwenden. Hier liegen jede Menge traditioneller Schiffe, die Waren (vornehmlich Holz) von den indonesischen Inseln nach Jakarta bringen. Das Be- und Entladen funktioniert dabei allerdings nicht mit Kraenen oder moderner Technik sonder per Muskelkraft. Die Arbeiter laufen mit riesigen Paketen auf Ihren Schultern bzw. Koepfen ueber Planken, die mehr an Schwebebalken erinnern, dafuer aber umso mehr wackeln. Uzman hat mich auf eines der Schiffe mitgenommen (Keine Ahnung, ob er da jemanden kannte. Ich denke nicht) und so stand ich ploetzlich in der Kajuete der Besatzung
zwischen drei zu Abendbrot essenden Matrosen, einer Mutter mit Kleinkind und einem relativ jungen Burschen, der gerade duschte. Ich weiss nicht wer sich mehr gewundert hat. Sie sich ueberm ich oder ich ueber sie.
Den Ausklang des Abends hab ich dann in der Bar des Memories Cafes gefeiert. Natürlich bleibt man dort nicht lange alleine und zur obligatorischen indonesischen Karaoke-Performance kam sehr schnell auch die obligatorische weibliche Gesellschaft. An jedem Tisch saßen dann in ziemlicher Regelmäigkeit ein Tourist (zu 99% männlich) und eine Indonesierin (zu 99% super-freundlich). Schon irgendwie merkwürdig, wenn man 50-jährige Kerle sieht, die sich anscheinend nur deshalb an dem abend aus ihren bequemen Sofas gequält haben...
Nach ein paar lustigen Stunden in der Bar, einer Fast-Prügelei mit einem betrunkenen Neuseeländer (die hätte ich sowas von verloren...) und einen von mir erteilten Korb an einen Indonesier und einen Ladyboy (ich schwöre, ich habe keine rosa hemd getragen!) wollt ich dann so gegen 3.00 ins Bett. Das stellte sich allerdings schwieriger heraus als geplant. Denn vorher musste ich mit meiner Tischnachbarin diskutieren, dass ich doch lieber alleine auf mein Zimmer gehen würde. Nach ner Weile hab ich sie auch tatsächlich davon überzeugen können, dass sie mit mir wohl kein
Geld verdienen wird. Aber die nächste Überraschung folgte dreißig Stufen weiter, denn vor meiner Zimmertüre hatte es sich schon die nächste gemütlich gemacht, und die eben geführte Diskussion musste (mit selbem Ergebnis) wiederholt werden.
Nach einer kurzen Nacht (pünktlich zwischen 4.00 und 4.45 wurde natürlich vom Minarett das erste von fünf Gebeten am Tag ausgerufen) ging es am Sonntag einigermaßen früh los, um der Mitagshitze zu entkommen. Leider hat die schon 10.00 begonnen, so dass der Plan nach hinten losging. Als erstes Ziel stand die Istiqlal Moschee auf dem Plan. Die größte Moschee in Indonesien und die 6. größte der Welt. Angeblich bietet sie Platz für 200.000 Menschen und ich kann mir beim besten so eine Menge nicht in einem Gebäude vorstellen. Aber die Größe der Moschee war schon beeindruckend. Beeindruckender fand ich allerdings, dass der Architekt ein Christ war und dass sich die Angestellten dort ewig oft bei mir bedankt haben, als sie erfahren haben, dass ich Deutscher bin - der verwendete Stahl kommt wohl aus Deutschland und Siemens hat ein Wandrelief gesponsort. Ich soll übrigens bei Siemens nachfragen, ob sie noch eins stiften können... Hat irgend jemand einen Kontakt? ;)
Beim Verlassen der Moschee fielen mir dann
allerdings "schon" die braunen Wassermassen auf, die durch die Strassen krochen. Einige Strassen waren einfach nur nass, andere schon zu ziemlichen Strömen angewachsen. Meine weiteren Spaziergänge waren deshalb nicht ganz unabhängig von diesen spontan entstandenen Wasserblockaden. Teilweise bin ich eine Straße entlanggelaufen und konnte 2h später nicht mehr an gleicher Stelle zurück. Die Polizisten waren auch eher wenig hilfreich. Meistens haben sie mir nur Tips gegeben an welchen Stellen ich spektakuläre Fotos von der Überschwemmung schießen könnte und welche Viertel am tiefsten unter Wasser stehen, anstatt den Betroffenen zu helfen. Die Kinder in den Straßen hatten mit den Fluten anscheinend die geringsten Probleme und sahen das ganze anscheinend eher als willkommene Abwechslung. Angesichts des Drecks und Mülls der in den Straßen geschwommen ist, ist es auch ein Wunder, dass bis jetzt noch keine schlimmeren Krankheiten zum Ausbruch gekommen sind...
Die Rückfahrt zum Flughafen verlief dann auch problemloser als gedacht, was nicht zu einem geringen Teil am rücksichtslosen Busfahrer lag, der vor keiner Wasserlache zurückwich - egal wie tief die auch sein möge - und statt der Bremse eigentlich nur seine Hupe verwendet hat. Einen Tag später war die Verbindung zum Flughafen allerdings gekappt und es war wohl für fast zwei
Tage nicht mehr möglich die Stadt zu verlassen.
Im Großen und Ganzen war Jakarta also ein ganz guter Abenteuertrip. Jakarta selbst ist anfangs wirklich abstoßend, bis man einmal abseits der großen Verkehrsadern das Jakarta der kleinen Leute entdeckt.
Abenteuer der Woche: Nein, nichts in Jakarta. Am Dienstag hat unsere Küche gebrannt. Ich war gerade schön beim Abendbrot essen als ich ein komisches Knacken hörte und es sehr merkwürdig stank. Als ich mich rumdrehte sah ich schon die Stichflammen aus der Verteilerdose kommen und konnte gerade noch den Strom ausschalten, bevor schlimmeres passieren konnte. Zum ersten (und bis jetzt einzigen mal) war es also von Nutzen, dass man jede Steckdose hier manuell ein- und ausschalten kann.