Liebe Leute,
... ja, uns gibt es noch !!! und wir sind immer noch unterwegs...

Auch wenn wir gerade etwas "feststecken" ...
Wir befinden uns soeben auf dem Flughafen von Kolkata (Kalkutta) und warten seit geschlagenen 12h auf einen Flug nach Chennai... Kolkata streikt naemlich mal ganz gerne.... keine Taxis, keine Busse... gestern durften wir bereits 9h auf einem Bahnhof im Nirgendwo verbringen !!
Ja ja, unglaubliches Indien !
Auf jeden Fall ist Indien kein Vergleich zu Neuseeland oder Australien.. standen wir vor ca. 4,5 Wochen noch in den bierbrauenden Kuechen Neuseelands, ging unser indisches Abenteuer bereits 19 Minuten nach Ankunft am Flughafen Mumbai (Bombay) los:
wir landen, nehmen das Gepaeck und suchen uns ein Taxi. Fragen nach unserem Hotel und dem Preis... kein Problem (?!). Nach ca. 1h Fahrt durch das absolute Verkehrschaos und entlang der erschreckenden Slums (selbst wir Asienerfahrenen mussten erst mal schlucken...), bemerkten wir, dass der Fahrer nicht unbedingt mehr englisch spricht als "yes, yes, no problem" und darueber hinaus offensichtlich keine Ahnung hat, wo er hinfaehrt....

hmmm aber nach 24 Stunden Reisezeit (davon 18 Flugstunden) wollten wir doch nur schlafen ....
Was solls, aufregen bringt eh nichts, Tini
nimmt den Reisefuehrer in die Hand, Erik fixiert den Fahrer mit drohenden Blicken und los geht das Ratespiel.

Alles ist dunkel, Strassennamen sind nicht wirklich existent. Na dann Prost. Egal, irgendwann lagen wir dann doch im Bettchen.
Asien hat uns wieder ... Australien und Neuseeland waren quasi "Urlaub, ... alles lief immer so reibungslos."
Am Tag 1 gings ab ins hektische Strassentreiben in Colaba, dem "schoeneren Stadtteil." Die ersten Tage waren schon wirklich sehr anstrengend... wir brauchten fast eine Woche, um wieder mit Spass problemlos durchzukommen. Indien ist wohl, auch fuer asiatisches Verhaeltnisse, eher ein "sehr anstrengendes Reiseland." Die Armut ist hier dermassen offensichtlich, ueberall arme Kinder im Dreck, Familien wohnen in Pappkartons, neben, auf und unter der Strasse. unglaublicher Laerm und ein teilweiser bestialischer Gestank... UEBERALL wird man staendig angequatscht, angelogen und es soll irgendjemand/etwas angebetet oder ge- und verkauft werden. Die fuer Hindus heiligen Kuehe laufen selbst beim verruecktesten Verkehrschaos mitten ueber die 8 spurige Strasse... Wahnsinn. Das hatten wir so extrem noch nicht erlebt. Leider muss da erst mal eine "dicke Haut" entwickelt werden...
Ein alltaegliches Problem sind bspw. Taxifahrten... es gibt zwar Taximeter, aber die sind - klar

- fuer
Touristen kaputt... also Festpreis aushandeln. Alle, aber auch wirklich ALLE Taxifahrer luegen einem dermassen ins Gesicht... es ist unglaublich, wir glauben keinem Taxifahrer mehr irgendetwas... eigentlich auch schon traurig...

aber auch lustig: Da wird uns erzaehlt: 1. unser Hotel sei abgebrannt oder schon seit 1830 geschlossen 2. heute haben ALLE Cafes zu, 3. mein Vater hat ein Seidengeschaeft - cheap, 4. Die Fahrt kostet 400 Rps (in wahrheit nur 25 Rps...) bla bla bla.
Nichtsdestotrotz haben wir Mumbai nach einigen Tagen gemocht... es gibt nette Ecken und schoene Restaurants (

ja, hier koennen wir wieder in Restaurants essen gehen...). Die Inder sprechen gut bis teilweise gebrochen englisch. Fuer uns angenehmer als bspw. China. Zugtickets etc. lassen sich einigermassen organisieren ( auch wenn am Eingang ein Taxifahrer erzaehlt, der Touristen Schalter sei gestern explodiert, aber sein Halbbruder wuerde auch Tickets verkaufen...).
Lange Rede, kurzer Sinn, Indien rockt dann doch irgendwie...
Nach 3 Tagen Mumbai haben wir ueber Ahmedabad (nicht erwaehnenswert) Udaipur in Rajasthan angesteuert. Zuege gibts ohne Ende (die Indian Railway ist der zweitgroesste Arbeitgeber der Welt) und die Qualitaet ist zwar etwas schlechter als China, aber fuer uns OK. Ausserdem haben wir mal
Incredible IndiaDas ist das faszinierende... ueberall sieht man so viele verschiedene Farben und Gewaender ... schoen !
einen Nachtbus versucht... der Wahnsinn. absolute Selbstmordkommandos.
Nach diesem Erlebnis, haben wir uns geschworen: Nie wieder Busse !!! Udaipur ist aufgrund eines See Palastes sehr bekannt (Lake Palace). Besonderers Glueck, uebers Internet haben wir ein wirklich aussergewoehnliches Guesthaus gefunden (nur 3 Zimmer). Ein so genannter Home Stay. Den ersten indischen Kochkurs gabs gleich dazu

... a pro pro. Das indische Essen ist dermassen lecker. Gerade fuer Vegetarier gut (Tini froh), es gibt IMMER Brot zum Essen (Erik froh), schoen scharf und doch gesund (alle froh). Wir hatten bisher nicht ein Essen, was nicht sensationell geschmeckt hat. Wir haben zwar alles beim Kochkurs mitgeschrieben und fotografiert, aber ob alle Gewuerze bei uns erhaeltlich sind... ???
Nach der Traum-Stadt ging es ab in die Wueste (Great Thar Desert), an die Grenze Pakistans, nach Jaisalmer. Hier werden Kameltreks angeboten und die Stadt hat ein uraltes, wunderschoenes Fort. Einen Tag nach der Ankunft sassen wir bereits im Jeep, dann in der Wueste und auch gleich im (Kamel)Sattel. 2 Tage hatten wir gebucht und das reichte absolut. Das es heiss werden wuerde war ja klar.... aber das wir quasi wirklich fast verdurstet waeren (obwohl jeder 7 Liter am Tag getrunken hat).
RestaurantMittags (mit schwedischer Reisenden) ...
All you can eat
... Ja und jetzt verstehen wir auch, warum die Leute in der Wueste immer verschleiert sind.
Thema Verpflegung: die Kamele haben alles getragen. Gekocht und geschlafen wurde, wie solls auch sein, mitten in der Wueste. Man braucht ja nur Holz, einen Topf und einen lustigen, indischen Guide, der dann tatsaechlich aus dem Nichts ein super leckeres Essen, incl. Chai-Masala-Tee zaubert (Gewuerztee). Hier hatten wir unseren Kochkurs Nr 2.

Die hygiensichen Bedingungen liessen zwar zu wuenschen uebrig, aber geschmeckt hat es super. Bis auf einmal kurz fuer einen Moment, als wir folgendes realisierten: Am ersten Tag, nach ca. 4 Std Kamelreiten, kamen wir an einen malerischen See inkl. Froeschen und froehlich badenden Wasserbueffeln. Die Kamele tranken ordentlich und der Guide fuehlte Wasserkanisten ab (klar, ... fuer die Kamele spaeter... dachten wir) ... die Kamele waren am Ende wir

... denn sowohl das Essen, als auch der Tee wurden mit dem Seewasser zubereitet !!!
Oh mein Gott..... Geschadet hats auf wundersame Weise nicht... komisch.
Nach 2 Tagen kamen wir leicht erschoepft, jedoch gluecklich wieder in Jaisalmer an. Die Frage, warum denn auf einmal soviel Militaer und Polizei ueberall sei, wurde wie folgt beantwortet: (in gebrochenem
englisch): Ja, also da hat ein Muslim eine Kuh mit seinem Trekker umgefahren (Autsch...die ist doch heilig) und da waren die Hindus nicht unbedingt begeistert und haben ihrerseits die Mistgabeln rausgeholt.... Gut, dass wir in der Wueste waren...
Nach der Wueste gings fuer einen kurzen Abstecher nach Bikaner, welches fuer einen sehr merkwuerdigen Ratten Tempel beruehmt ist. Die Hindus glauben an die Wiedergeburt.... ja und auch als Ratte kann mann oder frau wiedergeboren werden

... In diesem (leicht miefigen) Tempel wimmelt es von Ratten, welche von den Menschen ordentlich gepflegt und gehegt werden. Zum Beispiel laufen sie auf einen rum oder gegessen wird gerne zusammen ... Na ja !!! interessant wars allemal.
Ueber Pushkar sind wir nach Agra gefahren. Nach 10 Minuten sieht man bereits den Taj Mahal... Wow. Der Taj (wie wir locals sagen) sieht einfach nur surreal aus und ist RIESIG. Irgendwie wie ein Gemaelde in der Luft... Wir fahren 2 Tage dort, das "uebliche Touri Programm. Einfach atemberaubend...
Delhi, die Hauptstadt Indiens war unser naechstes Ziel. und... na ja, die Hauptstadt von Indien... keine besonderen Vorkommisse.
Weiter gehts nach Varanasi. Eines der heiligen Staedte Indiens, weil dort
der Ganges (heiliger Fluss) durchfliesst. Nach dem Tod werden die Hindus - wenn moeglich - hier verbrannt oder die Asche wird in den Fluss gegeben. Auch ein Bad im heiligen Ganges ist fuer die Hindus ein muss ... so kann man stundenlang am Ufer entlanggehen und "Leichen beim verbrennen" beobachten, Familien Badesessions sehen, hier und da treibt mal eine eingewickelte Leiche vorbei (kein scherz, heilige Maenner werden nicht verbrannt, sondern der Leichnam wird dem Ganges direkt uebergeben)... Unter uns, es ist ein ziemlich verschmutztes Gewaesser... wir haben gelesen, dass die Bakterienkonzentration quasi nicht mehr witzig ist ( unter 500 pro ml waere noch gesund, der Ganges kommt auf schlappe 1,5 Mio...) ...dabei trinken die Inder das heilige Wasser sogar

- was bei uns wohl so einiges ausloesen wuerde...
Wir haben morgens um 5 Uhr eine Bootsfahrt gemacht um das Schauspiel mal zu einer besonderen Stunde zu erleben - sehr beeindruckend.
Mittlerweile hatten wir mal genug von der Hitze (ist es in Deutschland eigentlich gerade kalt ?!) und sind in die Berge gefahren. Auf nach Darjeeling (2134m hoch), um beim wachsen und pfluecken des Tees mal runterzukommen.
Angenehmes Klima, wunderschoene Stadt mit absolut atemberaubenden Hoehenblicken
und Berghintergruenden. Nach Tibet ist es nur noch ein Katzensprung. Hier reist und faehrt man mit so genannnten "shared Jeeps", dh Jeeps erzetzen die Busse und man kann sich ueberall an die Strasse stellen (gibt ja nur eine) und sofort gehts weiter - sehr angenehm.
In Darjeeling konnten wir uns in Indien zum ersten Mal so richtig erholen. Die Menschen sind sehr nett und zuvorkommend, man wird nicht so haeufig angequatscht. Quasi das Bad Salzuffeln der Inder. Waehrend unseres Aufenthalts durften wir noch ein besonderes Schauspiel erleben: Wir, nichts ahnend, bemerkten ploetzlich, dass sich die Stadt ganz schoen fuellt.. immer mehr indische Familien, in Sonntags-Sarees und Mann mit Hut... Was ist denn hier los? Wir ging der Sache auf dem Grund und fragten unser Hotel. Die Antwort war ein Zettel mit einem Ort und einer Uhrzeit (naechter Morgen 9h). Hier sollten "Cut the cucumber", als die Gurke geschnitten werden ???
Hmmm. na ja, wenn das so ist?! Also sind wir am darauf folgenden Tag, auch im Sonntagsaufzug (soweit das der Rucksack noch hergibt..) los. So wurden wir Zeugen eines indischen Festivals, Durga Puuja (so ne Art Weihnachten fuer Hindus). Ein prachtvoll geschmueckter Platz und ganz viele aufgespiesste Gurken (?!)...
OaseBei diesem Anblick laeuft einem doch was (See)Wasser im Mund zusammen ... (uns jetzt jedenfalls... :-)
Die Parade bestand aus unheimlich vielen (teilweise) angetrunkenen Maennern und polizeilichen Dudelsackmusikern - interessant ... Der Star der Show lief mit einem Schwert bewaffnet und mit roter Farbe beschmiert ueber den Platz... Am Ende des Festes wurden alle Gurken halbiert und 7 Ziegen und 1 Wasserbueffel mit einem Schlag und einem riesen tam tam gekoeppft (symbolisch wird der boese Geist erledigt).
...So, eigentlich war geplant, von hier aus wieder in die Sonne - ab in den Sueden. Aber: aufgrund des Festivals war es nicht moeglich eine Busticket oder Zugticket zu organisieren. Also Notfallplan, ab in die Hoehe und weiter Richtung Tibet. Naechste Ziel dann eben Gangtok, das liegt noch hoeher und ist Ausgangspunkt fuer Jeep-Touren in die Grenzgebiete Tibets. Per 'shared Jeep' sind wir am naechsten Morgen los und haben uns in Gangtok auch gleich eine 3 Tages-2-Naechte Jeep Tour gebucht. Die naechsten 3 Tage sollten fuer uns so richtig kalt werden aber dafuer wurden wir mit Schneeblicken, noch schoeneren Bergspitzen und einem heiligen See im Nirgendwo auf 4800 Metern belohnt. Schoen wars.
Von hier oben sind wir ueber Gangtok und Darjeeling in den Jaldpahara Wildlife Park gefahren, wo man vom Elefantenruecken aus
Nashoerner beobachten kann. Was fuer ein koloniales Abenteuer... und das ca. 60km von Buthan und 30km von Nepal entfernt...
Eine kurze Schilderung, was passiert wenn man NUR 270 Kilometer von Darjeeling in den Wildlifepark fahren moechte:
1. morgens um 7 Uhr ab in den Jeep ... kein Probelm
2. Reifenpanne nach 12 Minuten - wechseln ...warten
3. nach 2 h sind wir bereits 19 Menschen im 11-Mann-Jeep - schoen kuschelig !!!
4. Reifenpanne Nr 2 nach 3,5 h - alle steigen genervt aus ?!
5. Wechsel in ein Tuk Tuk Taxi - ... kein Problem, die Inder helfen uns
6. Am Busbahnhof raus, "Welcher Bus faehrt denn nach Jaldpahara?"
7. Im absoluten Horror-Selbstmordbus die naechsten 3,5 h - Schoen !!!
8. Im Nirgenwo rausgeschmissen worden "OK, und wo ist nun die Jaldpahara Lodge?"
Ja Ja, das Traveller Leben !!! (deutschland, wir kommen bald!!!)
Als wir dann am naechsten Tag auf einem Elefantenruecken ueber Stock und ueber Stein (und durch Fluesse) reiten durften, war der anstrengende Reisetag schon fast wieder vergessen.
Absolute Belohnung war die Sichtung von 3 Nashoernern, die ganz friedlich mitten in der Steppe grasten. Mit dem Elefanten kommt man auch
Chai Teeja ja, das Wasser kann man trinken! Kein Problem.. viele Proteine und Mineralien !!!
ganz schoen nahe an die Rhinos ran - Wow!

Und das im Morgengrauen!!
Nach diesem schoenen Start in den Tag bereits der naechste Schock...Wir durften erfahren, dass in ganzen "Bundesland" West Bengal, dh. auch da wo wir sind, gestreikt wird.
"Wie bitte?", wir haben doch einen Nachtzug gebucht, der uns zu unserem Flug nach Kolkata bringen soll - "Und jetzt?" Es gab keine Taxis, keine Busse ... Unser Zug sollte am Abend um 19 Uhr losfahren (gottseidank fuhren wenigstens Zuege...) ... und wir sassen im Nirgendwo... uns blieb nichts anderes uebrig, als ein eigenes Auto zu mieten und ueber Nebenstrassen bis zum Bahnhof zu kommen. Die Fahrt war fuer uns eher teuer, dafuer aber relaxt. Der Fahrer machte einen ganz schoen nervoesen Eindruck... denn als Streikbrecher lebt es sich gefaehrlich
...Aber wir kamen gesund und munter am BHF an, wo wir dann unseren GANZEN Tag verbringen durften....Wegen diesem Streik sitzen wir jetzt auch, wie gesagt, seit geschlagenen 10 Stunden am Flughafen in Kolkata und verbringen den Tag mit "Kontakt zu Deutschland aufnehmen, Bloggen und Chai-Tee trinken"
...Die letzten Karten sind geschrieben, der letzte Blog (aus dem Ausland) jetzt wohl auch !
Leute, es geht
Frueh morgensunter vielen Sternen durften wir einschlafen... Dass keine Schlangen kamen, dafuer sorgte einer der Goetter unseres Guides.... Danke nochmal !!!
nach Hause und wir koennen es quasi kaum erwarten ! Vor uns liegen noch ein paar entspannte Tage am Strand im Sueden von Indien.
Wir geniessen sie und - sollte es mal stressig werden (s.o.) dann denken wir "nur noch XX Tage"
in diesem Sinnebis bald (bitte woertlich nehmen )
erik und tini
Fuer ein kleines Video ueber eine Busfahrt bitte hier klicken
Videos from "Am Ende noch mal richtig: "Unglaubliches Indien"":
In Agraspontan wurden wir ins Schuelerfoto integriert...
(teilweise fuehlen wir uns wie Weltstars, staendig werden wir um Fotos gebeten...) Aber man macht das ja gerne ... :-)
Heilige Kueheessen auch gerne Papier, Zeitungen, Schuhkartons... (uebrigens mitten im Stadtzentrum...)
Am BahnhofWill diese heilige Kuh jetzt auch in diesen Zug ??? Hmmm
GangtokHier trinken wir gerade so etwas wie Bier. (frisch gebraut aus irgendwelchen Koernern...)