Zwischen den Jahren


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January 15th 2011
Published: January 17th 2011EDIT THIS ENTRY

Altes kochendes PaarAltes kochendes PaarAltes kochendes Paar

Eingespieltes Paar, dass auf dem Bergkamm hinter dem Tempel fuer die Arbeiter kocht
Wir haben uns auf dem Campus des NIT Rourkela etwas eingelebt.

Unsere Einzimmerwohnung ist eingerichtet und endlich, endlich haben wir ein Hausmaedchen, eine Maid, gefunden. Unsere Gieta ist ein besonderer Gluecksfall, weil sie einige Worte Englisch spricht. Als zusaetzlicher Bonus kommt sie immer zu spaet, geht dafuer dann aber auch ein bisschen frueher.

Unsere Nachbarn bezahlen fuer Ihre Maids umgerechnet 17 Euro im Monat. Dafuer stehen ihnen diese Tag und Nacht zur Verfuegung. Wir als Auslaender zahlen fuer Gieta 20 Euro. Da wir zudem das Essen aus der Wohnheim-Messe beziehen, braucht Gieta nicht kochen und kann ueber Mittag nach Hause. Wir bezahlen also richtig viel fuer sie.

Gieta erledigt einige Hausarbeiten und passt auf Luc auf. Sie ist so motiviert, dass sie fuer uns kochen moechte, weil sie denkt, dass uns das Essen aus der Messe nicht schmeckt. Denn wir werfen taeglich die halbe Portion Reis in den Muell, es ist einfach zu viel fuer uns.

Luc faehrt immer noch gerne mit seinem Rad zum inneren Campus, weil er dort den Tee am Nescafe-Stand geniest. Mit seinem kleinen Teebart ist er der Liebling der Angestellten und Studenten. Inzwischen haben wir auch den Teestand hinter dem grossen Mangrovenbaum
Dame des HausesDame des HausesDame des Hauses

Im Dorf hinter dem Campus geht das Leben in Indien seinen einfachen, laendlichen Lauf
ausprobiert, wo ein alter Mann traditionellen Tee zubereitet. Hierbei wird Milch mit Zucker warm gemacht und darin werden schwarze Teekruemel erhitzt. Luc schmeckt dieser Tee auf Anhieb besser, als der Automatentee von Nescafe. Der Tee kostet ausserdem nur die Haelfte und da er am Boden zubereitet wird, kann Luc dort ganz alleine hingehen – praktisch!

Das Essen, dass uns die Messe aus dem Nachbarwohnheim liefert, ist taeglich gleich koestlich. Dass heisst, wir erhalten Mittags und Abends jede Menge Reis, dazu immer Chabatti und verschiedene Gemuesevariationen sowie eine Linsensuppe. Haeufig gibt es zerkochten Blumenkohl, scharfe Bratkartoffeln und Bohnen. Alles sehr bekoemmlich und an die Schaerfe haben wir uns laengst gewoehnt.

Den 24. Dezember begehen Luc und ich sehr besinnlich, indem wir ihn weitgehend ignorieren koennen. Ein einziger Mitbewohner hat einen leuchtenden Weihnachtsstern ueber seine Eingangstuer gehaengt, vermutlich der einzige Christ hier im Haus. Daher ist es sehr ruhig und wir kommen ganz ohne Weihnachtskitsch aus. Am Abend darf Luc dann Weihnachtsgeschenke auspacken. Auch ich habe etwas von Oma bekommen, was mir hier in Indien viel Freude bereitet. Gute deutsche Schokolade. Diese Qualitaet ist hier nicht zu erhalten. Luc ist sehr gluecklich mit seinem Polizeiauto, an dem alle Tueren auf
Sector 2 MarktSector 2 MarktSector 2 Markt

Nicht weit vor dem Tor unseres Campus gibt es auf dieser kleinen Einkaufsstrasse fast alles zu kaufen.
gehen.

Am naechsten Tag erwartet uns die ganz grosse Ueberraschung. Zunaechst machen Luc und ich in der Mittagswaerme eine grosse Runde auf dem Campus. Ich jogge und Luc faehrt Fahrrad. Uns wird es ganz schoen warm. Auf dem Rueckweg finden wir eine knallgruene Raupe, die so gross ist, wie mein Zeigefinger. Ich nehme sie vorsichtig mit, um zu Hause ein Foto von ihr zu schiessen. Als wir dann durch die Haupttuere unseres Wohnheims an unserem weiblichen Wachmann vorbeigehen, ist die Frau ganz aufgeregt. Sie erzaehlt mir etwas von Husband, Husband und gestikuliert aufgeregt. Ich verstehe kein Wort und bin sehr verwundert. Kilian und Hannes sind ja verreist. Welcher Mann sollte hier vorbeigekommen sein, den die Wachfrau fuer meinen Ehemann halten koennte? Das Raetsel wird sich hoffentlich in meiner Wohnung loesen, also gehe ich hoch in den zweiten Stock. Dort warten zwei weitere Frauen, diesmal Maids anderer Mitbewohner, vor meiner Tuer. Denen muss ganz schoen langweilig sein, dass sie so neugierig sind. Sie zeigen auf die zwei Ruecksaecke, die vor meiner Tuer stehen und sagen, dass diese meinem Ehemann gehoeren. Dieser soll ins untere Stockwerk gegangen sein, um sich frisch zu machen. Ich schliesse also meine Tuer auf - und
Woman carrying her loadWoman carrying her loadWoman carrying her load

Frau, die mit einem kuenstlichen Fuss mit schwerer Last am Abend nach Hause laeuft
als ich mich umdrehe und nochmal auf den Flur schaue taucht am anderen Ende Ben auf.

Da ich bezueglich der Indischen Sitten vorsichtig bin, begruesse ich ihn nicht mit der Intensitaet, mit der ich das gerne tun wuerde. Seine riesengrosse Ueberraschung ist ihm wirklich geglueckt. Es ist toll, dass er da ist und wir die naechsten Wochen unsere neue Heimat gemeinsam erkunden koennen.

An diesem Abend steht zuerst einmal das grosse Alumnitreffen zum 50jaehrigen Jubilaeum des NIT an, fuer das der Campus seit einer Woche vorbereitet wurde. Auf allen Wegen haengen und stehen bunte Lampen. Direkt vor unserer Wohnheimpforte ist der grosse Platz umfunktioniert zu einem Parkplatz, der voll ist mit Bussen, Autos und Motorraedern. Gegenueber ist das Sportstadium, auf dem etwa zehn grosse Zelte aufgebaut worden sind. Von dort schallt seit dem Vorabend Musik herueber.

Am Stadiumeingang stehen Sicherheitskraefte, von denen ich nicht genau erkennen kann, ob diese Eintrittskarten kontrollieren oder nicht. Also gehen wir, Ben, Luc und ich, wie selbstverstaendlich an ihnen vorbei und kommen als Auslaender mit dieser Masche auch ohne Probleme durch.

In den verschiedenen Zelten sind offensichtlich Erinnerungen fuer die Alumni aufgebaut. In der Mitte steht das grosse Buehnenzelt, mit vielen
Frauen am Vaishnodevi TempelFrauen am Vaishnodevi TempelFrauen am Vaishnodevi Tempel

Junge Damen in festlicher Stimmung
Stuhlreihen und vorne auf der Tribuene wird live gesungen, getanzt und musiziert. Wir drehen ein kleines Video von einer Tanzgruppe junger Frauen in bunten Kostuemen, sowie einer adretten Saengerin in Schwarz. Am beeindruckensten ist die fetzige Tanzeinlage einer etwa 13jaehrigen, die ungemein gelenkig ist und ihre Fuesse in alle Richtungen schwingt, ihren Ruecken bis zum geht nicht mehr durchbiegt und die Darbietung mit einem kecken selbstbewussten Laecheln hinlegt, als mache sie dies taeglich.

Nebenan im Durchgang zum naechsten Zelt gibt es kostenlos verschiedene einfache Gerichte zu essen und vor allem Ben probiert sich durch. Nach wenigen Minuten wird ihm von einem aelteren Herren angeboten, dass dieser ihm das Barzelt zeigt, in dem es eine grosse Variation verschiedener alkoholischer Getraenkte geben soll.

Ben trinkt keinen Alkohol, aber mich wuerden ja verschiedene fruchtige Cocktails interessieren oder ein guter Wein. Dass ich einen solchen kosten sollte, schlaegt mir Ben auch vor. Ich vermute allerdings bereits, nachdem unsere zwei Indischlehrer in Aachen immer von Whiskey sprachen und auch Herr Christ in Delhi bereits ausgefuehrt hat, dass es in Indien viele verschiedene Sorten Whiskey gibt, was mich erwartet.

An der Bar stehen etwa fuenf verschiedene Whiskeyflaschen, Wasser zum verduennen desselben und nichts
Luc und BenLuc und BenLuc und Ben

In den Arkadengaengen des Innenhofs unseres Familienwohnheims
anderes. Laut Herrn Christ beruhen diese Whiskey alle auf derselben Alkoholbasis, der dann diverse Farb- und Geschmacksstoffe beigesetzt sind. So dass darunter auch der "Blue Whiskey" steht.

Am naechsten Tag bekommen wir von Sab, einem Mitstudenten, der seine Hilfe sehr haeufig anbietet, dessen Gutscheine fuers Essen geschenkt. So dass wir auch in dem riesigen Buffetzelt die grosse Auswahl an Delikatessen genießen koennen. Unter anderem richtiges italienisches Eis. Am spaeten Abend setzt dann das grosse Feuerwerk ein, bei dem wir manche Leuchtkoerper zum ersten Mal sehen: Dabei wird eine Rakete abgeschossen, an der sich in grosser Hoehe zunaechst ein kleiner Fallschirm oeffnet, unterhalb dessen sich nach und nach entlang eines Fadens Gluehkoerper entfalten, die so eine Weile nach unten schweben, bis sie verglueht sind.

In der Nacht ist die Stimmung im Veranstaltungszelt angezogen. Offensichtlich dank des Whiskeys. Vor der Tribuene tanzen ausschliesslich Maenner und dies zum Teil so heftig, dass wir mehrmals ruecksichtlos angerempelt werden und uns daher lieber nach Hause verziehen.

Am naechsten Tag haben wir einen kleinen Ausflug geplant, den ich jedenfalls vorhatte zusammen mit Ben zu machen. Wir gehen zum Vaishnodevi-Tempel, der auf einem Berg liegt, von dem aus wir einen grossen Teil der Stadt
Frauen am LKW Frauen am LKW Frauen am LKW

Schoenes Farbenspiel mit der bunten Kleidung der Inderinnen bei Sonnenuntergang
ueberblicken koennen. Dies ist auch Gietas erster Arbeitstag und wir nehmen sie gleich mit sowie Lucs Lieblingsspielzeug, einen grossen Ball.

Dieser Tag, der 27. Dezember, wird auch von den Indern zum pilgern genutzt, so dass uns viele Frauen mit ihren Kindern begegnen. Sie sind alle sehr festlich gekleidet und haben sich mit den Utensilien eingedeckt, die man offensichtlich als Glaeubiger hier benoetigt: Ein rotes Band mit Goldfaeden wird um die Stirn gebunden, sowie Kokosnuss gespalten und gegessen. Ich frage mich, ob statt Kokosnuesse frueher etwas anderes herhalten musste und denke dabei an Schaedel. Um den Platz, an dem die Kokosnuesse gespalten werden, ist alles mit roter Farbe dekoriert, so dass die Vermutung nahe liegt, dass hier frueher Blut geflossen ist. Ich weiss jedoch noch nichts ueber indische Religionen, so dass ich mich hier mit Spekulationen zurueckhalten moechte.

Waehrend Gieta auf Luc aufpasst, der sich noch nicht mit Gieta angefreundet hat und allen Kindern, die hier mit ihm und seinem mitgebrachten Ball spielen moechten, skeptisch gegenueber steht, laufen Ben und ich durch die in den Berg gehauenen Tempelpfade in das Heiligtum, wo wir von einem geschaeftstuechtigen Tempelhueter einen roten Punkt auf die Stirn gemalt bekommen und mit grausig suessen
Snack timeSnack timeSnack time

Imbisstand
Zuckerperlen versorgt werden.

Es ist eine interessante Atmosphaere sich in dem Tempel unter dem natuerlichen Felsen zu ducken und sodann an einer kuenstlichen sowie aufwendig dekorierten Grotte vorbeizukommen. Vervollstaendigt wird das ganze durch die Goetterfiguren in allen Groessen, die in jedem Winkel stehen.

Wieder daheim richten wir zusammen mit Ben noch einmal die Wohnung etwas anders ein; Luc erhaelt zum Beispiel einen wunderschoenen rosa Betthimmel, der ihn vor Muecken schuetzt. Gleichzeitig bewerben wir uns sehr intensiv fuer eine Zweiraumwohnung, wofuer wir jedoch sehr viele Konkurrenten haben. Wir hoffen darauf, dass wir einen Auslaenderbonus erhalten und ausserdem koennte dann Kilian in unsere Wohnung einziehen und muesste nicht laenger im teuren Gaestehaus leben.

Wir haben Spass, die verschiedenen Maerkte der Stadt zu erkunden. Dort kaufen wir noch einige Utensilien und ich besorge auch noch etwas indisches Spielzeug fuer Luc, wie beispielsweise eine Lego-Variante. Die Atmosphaere der Maerkte ist etwas besonderes mit den vielen Farben, Geruechen, Menschen und Waren. Es gibt diverse Snacks, suess und scharf. Neben Aufbewahrungsbehaeltern aus Plastik in guter und billiger Qualitaet, die wir gegen Ungeziefer in den Lebensmitteln benoetigen, kaufen wir auch einen kleinen Ofen, der auf einfachste Weise aus einem Spiraldraht in einem Stein zusammengebaut
Luc im "Schulbus"Luc im "Schulbus"Luc im "Schulbus"

Oncle Panda und die Schulkameraden in der eigenen Autorikscha
ist.

Auf dem alten Ispat Market, der den einheimischen Namen „Mango Garten“ traegt, begegnen uns immer wieder die Huehnerschlachter, die vor allen Passanten den Tieren die Kehle durchschneiden. Als Luc dies einmal live mit anschaut, ist er nicht sehr begeistert und moechte weinend davongehen. Gerne sieht er sich dagegen die bunten Saecke an, die in grossen Mengen aufgereiht sind und wo Gewuerze und bunte Nudeln zu bestaunen sind.

Am naechsten Sonntag machen wir einen grossen Ausflug zu Fuss mit Lucs Tragerucksack. Wir ueberlegen noch, ob wir uns Fahrraeder kaufen; ich bin dafuer, damit wir so auch die weitere Umgebung erkunden koennen.

Diesen Sonntag zu Fuss ersteigen wir jedoch zunaechst den Berg direkt hinter dem Campus. Auf diesen bin ich einige Tage frueher bereits zur Haelfte hinauf gejoggt, wo ein Wasserreservoir steht und den Campus mit Wasserdruck versorgt. Von da aus einem schmalen Pfad gefolgt kann man bereits von unten ein paar Faehnchen auf dem Bergkamm wehen sehen. Und einige Entgegenkommende fragen uns, ob wir zum Tempel moechten. Gespannt, was hier auf der abgelegenen kleinen Huegelkette fuer ein Tempel stehen koennte, schliesse ich schon mit Ben die Wette ab, dass wir den Vaishnodevi-Tempel von hinten ersteigen. Ich liege
Luc mit seiner SchultueteLuc mit seiner SchultueteLuc mit seiner Schultuete

Der erste Schultag ist gluecklich ueberstanden und daheim wartete die Schultuete
natuerlich voellig falsch. Wir sind am anderen Ende der Stadt, und der Huegel ist viel kleiner und gruener. Nach einem kleinen Aufstieg oben angekommen erwartet uns ein sehr kleiner und aus einfachen Mitteln wie Aesten und Natursteinen erbauter Tempel, der gerade deswegen wunderschoen anzuschauen ist.

Vor dem Tempelchen stehen zwei kleine Paare Flip-Flops und am Rand liegt etwas Kuhdung. Neben dem Tempel finden wir ein Dutzend Arbeiter, die anscheinend den Hang saeubern. Dahinter auf der anderen Berghangseite, geschuetzt im Schatten eines kleinen Felsvorsprungs, kocht ein altes Ehepaar Reis und Gemuese. Sie sind ein eingespieltes Team und kochen gemeinsam, jeder Handgriff scheint schon hunderte Male durchgefuehrt worden zu sein. In den Boden sind Keramikgefaese eingelassen, die als Kochstellen dienen. Die beiden bereiten offensichtlich das Essen fuer die Arbeiter und fragen auch uns, ob wir mit ihnen speisen moechten. Da es bereits spaeter geworden ist als geplant und wir vor der bald einbrechenden Dunkelheit nicht mehr weit kaemen, wuerde das bedeuten, dass wir danach umkehren muessten. Ich moechte aber noch sehen, wohin uns die Huegelkette fuehrt, so dass wir ablehnen und weiterlaufen, bis wir selbst eine kleine Rast mit unserem eigenen Proviant machen.

Die Huegelkette befindet sich zwischen dem Stahlwerk
Rote HolztraegerinnenRote HolztraegerinnenRote Holztraegerinnen

Zwischen den Doerfern auf unserer Radwanderung
und dem Stadtteil, an dem sich das NIT Unigelende anschliesst, so dass wir nach einer kleinen Wanderung auf die Schornsteine der Fabrik sehen. Nachdem meine Herren wider erwarten bei der Rast doch einschlafen, muessen wir bald den Huegel hinunter. Ein kleiner Pfad fuehrt querfeldein und wir kommen im Wohngebiet hinter dem Sektor 2 Markt heraus, einer weiteren kleinen Einkaufsstrasse, die nicht weit entfernt vom ehemaligen Haupttor des NIT Campuses liegt. Inmitten dieses Wohngebiets liegt auch der Indo-German-Kindergarten, in den Luc bald gehen wird.

Waehrend wir das Wohngebiet durchstreifen ist der Spaetnachmittag angebrochen, und in der warmen untergehenden Sonne wirken die Farben der indischen Kleidung noch einmal so schoen, so dass sich uns ein paar besonders nette Fotomotive anbieten.

Mir faellt zum ersten Mal auf, dass sich viele Inder auf Ihre Hauswand blumige Bilder gemalt haben, in denen die Namen derer untergebracht ist, die hier im Gebaeude verheiratet sind.

Am folgenden Montag, dem dritten Januar, ist Einschulung im Indo-German-Kindergarten.

Ich habe lange hin und her ueberlegt und auch mit Ben zusammen noch einmal einige Kindergaerten angesehen. Zwei Kinder in Luc's Alter werden demnaechst in einen kleinen Kindergarten im Stadtteil hinter dem Campus gehen. Dieser hat zwei nette
DorfweideplatzDorfweideplatzDorfweideplatz

ein vorbildliches Dorfprojekt des Stahlwerks
Rutschen aus Beton, wird aber erst im Februar oeffnen und dann auch nur fuer zwei Stunden taeglich. Wir sind sogar bis ans andere Ende der Stadt gefahren, um uns dort noch eine ganz besonders tolle Playschool anzusehen. Zumindest meint die Rektorin, dass die Schule toll ist und verlangt einen Preis, der selbst fuer deutsche Verhaeltnisse den Rahmen sprengt. Wir rechnen 300 Euro pro Monat aus, waehrend die anderen Kindergaerten etwa 5 Euro pro Monat verlangen. Auch wenn diese Playschool besonders bunt ist und die Lehrerin ausserordentlich nett, so ist der Preis nicht gerechtfertigt. Ich kann nicht erkennen, worin sich das paedagogische Konzept grundlegend unterscheidet. Auch hier sitzen die Kinder an Tischen und lernen mit drei Jahren bereits von der Tafel Buchstaben und Zahlen. Nur sind hier die Waende und Baenke in knalligen Farben gestrichen.

Nach den vielen Ueberlegungen und Inspektionen verschiedener Kindergaerten, beeile mich, um Luc noch rechtzeitig im Indo-German-Kindergarten anzumelden, damit er mit den anderen Kindern zusammen starten kann. Mit zwei Tagen Verspaetung wird nun auch er "eingeschult". Schnell muss ich ihm die Uniform besorgen, welche noch mit seinem Namen bestickt wird. Damit er sich staerker freut, bastel ich ihm eine improvisierte Schultuete mit Stiften, Spielsachen und einem Lutscher. In der naechsten Woche darf er bereits alleine mit den anderen Kindern, ohne dass ich ihn begleite, mit dem Taxifahrer Oncle Panda in der Autorikscha zur Schule und zurueck fahren.

Als nach eineinhalb Wochen Freitags ein Feiertag ist, ist Luc bereits traurig und moechte trotzdem in die Schule. Auch mit Gieta, die ihn taeglich nach der Schule zu Hause erwartet, hat er sich inzwischen gut angefreundet. Schliesslich ist sie ein super Spielkamerad und hat ihm beim Badminton spielen schon einige Tricks beigebracht.

Unter der Woche haben wir uns endlich durchgerungen, Fahrraeder zu kaufen, auch wenn es nun nicht so einfach ist, zwei gebrauchte zu finden, die gut in Schuss sind. Vielleicht waren die Studenten schneller, deren Semester soeben angefangen hat.

In der letzten Werkstatt in der Innenstadt finden wir wieder die gleichen zwei ollen Raeder, die wir bereits vor einer Woche angesehen haben. Wieder holt der Ladenbesitzer sie von irgendwo ganz hinten hervor und wir finden nicht weniger Macken. Der Verkaeufer ist hart im verhandeln und mit einem schlechten Preis und schlechten Fahrraedern ziehen wir endlich von dannen, dennoch gluecklich, endlich unser eigenes Fortbewegungsmittel zu haben. Sogar einen kleinen Kindersitz fuer Luc bauen sie uns noch auf das Herrenrad vorne drauf, so dass wir zukuenftig zu dritt gemeinsam unsere kleine Welt hier erkunden koennen.

Die Faehrrader im Taxi nach Hause zu bringen ist die naechste Huerde. Sie werden nicht gerade sicher auf der dritten Autorikscha, die wir angehalten haben und deren Fahrer sich endlich zu diesem Transport bereit erklaert hat, verschnallt. Wir bangen auf der ganzen Fahrt zurueck an die Uni, dass der Chauffeur nicht gleich ein paar Teile von unseren neuen Errungenschaften abfaehrt, denn die Raeder ragen ein gutes Stueck ueber die beide Seiten seiner Rikscha hinaus. Letztendlich kommen wir und unsere Einkaeufe doch noch heil nach Hause - nun koennen wir bald endlich unseren ersten groesseren Ausflug unternehmen!

Eben jener Sonntagsausflug wird langsam zur Institution. Diesmal also auf Raedern. Wir packen Proviant in eine Decke und fahren aus dem hintersten Tor des Campus hinaus ins Ungewisse.

Hinter dem Campus folgen ein paar wenige Geschaefte, die vor allem die Wohnheime fuer die maennlichen Studenten hier versorgen. Dann fahren wir auf einem kleinen Pfad weiter und kommen durch ein kleines Dorf und an einer regelrechten Raststaette vorbei. Hier goennen auch wir uns einen Tee und bestaunen das Leben der 'locals'. Unsere Fahrraeder werden
DorfkinderDorfkinderDorfkinder

schauen neugierig auf die fremden Radfahrer
jetzt schon gebrauchsmuede und zeigen vor allem an den Pedalen grobe Verschleisserscheinungen.

Wir schaffen es jedoch noch weiter, bis wir auf die Schienen der Bahnverbindung nach Rourkela stossen. Hier fahren jede Menge Bahnen, selbst am Sonntag. Ben klaert mich auf, dass Indien eines der groessten Bahnnetze der Welt besitzt, und das darueber hinaus Indian Railways mit ueber 1.6 Millionen Beschaeftigten einer der groessten Arbeitgeber auf diesem Planeten ist. Fuer Luc und Ben ist es spannend, die vorbeirauschenden Zuege zu beobachten und den Lok-Fahrern zuzuwinken, waehrend ich mich auf ein paar badende Inder konzentriere, die sich in einem versteckten Teich vergnuegen. An ihnen vorbei zieht eine Kolonne Holztraegerinnen in roten Saris – ein sehr schoenes Fotomotiv!

Ein paar Meter weiter machen wir unsere kleine Mittagspause an einer ausgedienten Bahnstation, bevor wir uns beeilen, wieder zurueck zu kommen; hier in Nord-Indien wird es naemlich schon kurz nach 17h dunkel.

Und am naechsten Tag ist wieder ein Schultag, an dem Luc und ich um 7 Uhr aufstehen werden...




Mehr Bilder der Reise findest du in unserem Fotoalbum bei Picasa .

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21st January 2011

Beautiful photos!

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