Delhi II - Aus Alt wird Neu


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February 29th 2012
Published: March 1st 2012EDIT THIS ENTRY

Heute wollten wir uns den Teil der Stadt ansehen, der als New Delhi bekannt ist. Laut Reiseführer moderner und pompöser als Old Delhi, mit Shoppingcentern, Business- und Botschaftsviertel und schöner Kolonialarchitektur.

Aber zuerst wollten wir uns am offiziellen Touristenbüro am Connaught Place einen ordentliche Stadtplan besorgen.
In der Nähe fielen wir jedoch direkt auf einen Schlepper rein ( Köderspruch: Miss you look like Indian Movie Star...is klaaar), der uns eine ultra günstige Rikscha aushandelte, die uns dorthin bringen sollte. Leider gibt es gefühlte 100 "Official Tourist Office" rund um den Connaught Place.
Kurz darauf saßen wir in einem "Official Tourist Office" wo es zwar auch eine free map gab, man uns aber noch diverse andere Sachen und einen illegalen Geldwechsel anbot. Neeeein danke. Als wir wieder rauskamen stand da immernoch unser Fahrer und versicherte uns, dass es im nächsten offiziellen Touristenbüro direkt nebenan eine noch bessere free map gäbe. Es stellte sich heraus dass es dort natürlich die gleiche map gab und die gleichen seltsamen Versprechungen und wir suchten schnell das Weite.

Der Connaughtplace ist zwar mit Kolonial-Stil Architektur bebaut, aber an sich nicht sonderlich reizvoll und da wir auch hier im modernen Delhi mal wieder die einzigen Weißen waren und ständig von irgendwelchen Schleppern ins nächste Büro oder den nächsten Laden gelotst werden sollten, flüchteten wir in die Jantar Mantar, die Erste der insgesamt fünf Sternwarten, die Maharaja Jai Singh II. von Jaipur im Jahr 1724 in Rajasthan bauen ließ, er war ein begeisterter Astronom.
Jantar Mantar ist ein riesiges OpenAir-Observatorium in einem netten Park, die riesigen Sonnenuhren und anderen Meßinstrumente kann man besteigen und es gibt allerlei Informationen in englisch, die mir jedoch schon etwas zu wissenschaftlich waren. Trotzdem ist der Park beeindruckend und natürlich machen wir wieder einige Fotos für unsere neugegründete Kunstsammlung: "Fotos mit Menschen, die uns um ein Foto bitten".

Dann sind wir weiter zum India Gate gelaufen, dem berühmten Wahrzeichen Delhis, das als Kriegsdenkmal für Indiens gefallene Soldaten errichtet wurde und von tausenden indischen Touristen und ebenso vielen etwas anstrengenden Verkäufern belagert wurde.

Dann wollten wir weiter zum "Bahia-Tempel" einem wunderschönen, religionsübergreifend genutzten Tempel in Form einer Lotusblume, der etwa 7 km außerhalb des Zentrums gelegen ist. Dabei machten wir dann wieder so eine unglaublich nette Bekanntschaft:
Wir waren grade dabei mit einem Rikscha-Fahrer zu verhandeln, der jedoch genauso unzufrieden mit unserem Preisangebot waren, wie wir mit seiner Bereitschaft den Preis zu senken. Wir standen dann so etwas ratlos herum ob wir seinen Preis annehmen sollen oder nicht, da kamen zwei junge Männer auf uns zu und einer fragte in sehr gutem Englisch, ob er uns helfen könnte und wo wir hinwollten. Wir sagten ihm wohin und er sagte, dass wir dorthin auch mit der Metro fahren könnten. Er könne uns zeigen wie man zur Station komme und welche Bahn wir nehmen müssten. Also sagten wir zu und wanderten mit ihm zur nächsten Metro-Station, die sich in der Nähe des Kapitols befand.

Dort legte unser neuer Freund dann sogar noch 2 Rupien für uns aus (Rückzahlung unmöglich, wir seien schließlich Gäste), da wir das Fahrgeld nicht passend hatten, lotse uns zum Bahnsteig und wartete mit uns auf die richtige Bahn. Dabei haben wir uns super nett unterhalten und vorallem gestaunt wie "britisch" die Inder in Reih und Glied auf Höhe der U-Bahntüren warten, bis sie in diese einsteigen dürfen. Darauf angesprochen erklärte uns unser neuer Freund, dass dies nur der Fall sei, da ein Security-Mann anwesend sei, anderenfalls würden die Leute nur drängeln und drücken, bis auch der letzte in der Bahn sei.
Und tatsächlich fiel uns dies an den kleineren Stationen dann auch auf und wir waren beruhigt unser Klischee von der indischen Ubahn nicht ganz aufgeben zu müssen.
Trotzdem war bemerkenswert wie sauber die U-bahn ist und uns fielen auch wieder die enormen Sicherheitsvorkehrungen auf: Neben Metalldetektoren für alle Passagiere und alle von ihnen mitgeführten Gegenstände - Die Damen werden für das Abtasten hinter einen Vorhang gebeten- auch diverse Schilder, Lautsprecherdurchsagen und Displayansagen die zur Vorsicht und Aufmerksamkeit anhalten. Der Terror ist allgegenwärtig, das merkt man hier. Auch am Roten Fort wurden gestern ALLE Besucher abgetastet und mit einem Metalldetektor abgefahren sowie die Taschen durchsucht. Dabei war die Polizeikontrolle in der U-bahn sorgfältiger als bei uns bei einigen Billigairlines. Alles in Allem war die Metrofahrt eine interessante Erfahrung und natürlich waren wir mal wieder die einzigen Ausländer weit und breit.
Dennoch hat uns die Metrofahrt letztendlich fast so viel gekostet wie eine private Autorikscha zu dem Preis unseres hartnäckigen Verhandlungspartners am India Gate :)

An der Haltestelle sprachen wir einen strengen Polizist an und fragten nach der Toilette. Auch der war sehr hilfsbereit und rannte uns sogar noch hinterher, als wir in die falsche Richtung gingen. Wirklich unfassbar wie nett alle sind.
Draussen vor der Haltestelle bot sich dann ein unwirkliches Bild: eine riesige Müllhalde in der Kühe und Ziegen fraßen, Bettler umherschlichen und Menschen auf dem Boden schliefen und daneben der schicke moderne und blütenweiße, wunderschöne Tempel in einem Park gelegen, in dem Familien picknickten.
Der Anblick war wirklich schockierend und lange konnten wir uns so auch nicht an dem schönen Tempel erfreuen, inden man montags auch leider nicht hinein kann.
Hier gaben wir deshalb auch zum ersten Mal etwas Geld an einen alten Mann, der uns nicht mal anbettelte sondern nur anstarrte, und der Christian einfach so furchtbar leid tat. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, zumindest Kindern die betteln nur Süßigkeiten zu geben (wir haben extra noch eine riesen-Tüte Lollies eingekauft). Und Erwachsene haben uns bislang in Delhi noch nicht wirklich angebettelt. Aber dennoch, dieser alte Mann war einfach zu schwach um anders sein Geld zu verdienen, solchen Menschen sollte man aus meiner Sicht auch etwas geben- auch wenn das sowohl das Problem der Armut als auch das der "Berufswahl Bettler" natürlich nicht löst. Dann fuhren wir mit der Rikscha ins Hotel zurück, da ich mir meinen großen Zeh morgens nach ungefähr 100 Metern Laufstrecke schon so ordentlich gegen einen Gehsteig gerammt hatte, dass ich am späten Nachmittag immernoch Schmerzen hatte. Das kommt davon wenn es sooo viel zu sehen gibt :-)
Nach einer kleinen Schon-Pause für meine Füße und Snackpause für Chris auf unserem Hoteldach wollten wir uns Abends noch zu einem ersten Kennenlernen mit unserem Fahrer Bangali und seinem deutschen Gast Albert aus Wiesbaden treffen, der uns in einem Internetforum damals auch Bangali und seine kleine Fahreragentur empfohlen hatte und zufällig auch gerade in Delhi war. Leider machten wir so einen tollen Treffpunkt aus, dass wir uns über eine Stunde nicht fanden und schließlich mehrere Telefonate führen mussten bis wir uns kennenlernen konnten. Bangali, der der "Chef-Fahrer" ist, und unser eigentlicher Fahrer Harish waren sehr sympatisch und wir gingen auf Bangalis Empfehlung in ein authentisches kleines Straßenlokal, wo wir leckeres Knoblauch-Brot und Chicken Tikka aßen. Speisen und Getränke durften wir am Ende nicht einmal bezahlen, da Bangali darauf bestand für uns zu bezahlen.
Beim Essen konnte uns Albert ein paar Sachen zum Ablauf der Tour erklären und Bangali machte uns ein paar Vorschläge zur Routenänderung. So werden wir also morgen jetzt statt nach Alwar zuerst nach Agra starten und uns das weltberühmte Taj Mahal anschauen.
Und - wie sollte es anders sein- vorher sind wir noch bei Bangali und seienr Frau Anita zum Tee eingeladen. Ach und ins Hotel fuhr uns Harish dann auch noch.
Was für ein wundervolles gastfreundliches Volk diese Inder!!!

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