Also gut, Kamera war weg, aber natürlich beruhigten auch wir uns wieder und beschlossen, es könnte ja nun nur noch besser werden und schließlich hatten wir nichts Wertvolles mehr bei uns, was es wert wäre, eine Träne zu verlieren bei eventuellem Verlust, naja, außer dem Reisepass und der Bankkarte… aber hej, so viel soll verraten werden: Die blieben bei uns.
Wir verbrachten also zwei Tage in Haikou, der Hauptstadt von Hainan, und dort passiert nichts weiter. Ist auch keine nennenswerte Stadt. Sie liegt ganz im Norder der Insel und hat auch keinen Strand, weshalb dann alle schnell weiter nach Sanya fahren, dem südlichen Strandparadies. Also fuhren wir exakt an meinem Geburtstag weiter nach Sanya, was ungefähr vier Stunden mit dem Bus dauerte. Die Nacht zuvor habe ich noch richtig schön gekotzt, natürlich nicht vom Alkohol, den braucht man in China nicht, um Spaß zu haben. Das Essen war scheinbar mal wieder unverträglich, und somit hatte Celi die Ehre, sich in ihren 30-sten Geburtstag hinein-zu-erbrechen. Schön wars. Evert ist nicht einmal davon aufgewacht. Meinte nur, als ich zurück ins Bett kroch zwischen Krampf 7 und 8: Celi, du Trampel, sei nicht so laut… Der 30-ste Geburtstag… ich denke schon heute gerne daran zurück.
Ja, Sanya war dann aber echt gut. Wir hatten zwar nur 2 von 10 Tagen Sonne, der Rest war betrübt und wolkig, aber natürlich immer noch sommerlich warm. Wer mal in den Atlas schaut, sieht, dass Hainan schon auf der Höhe des nördlichen Indiens liegt, ganz schön südlich also. Die Jugendherberge bot uns keinen Platz mehr, sie brachte uns aber in einem gegenüberliegenden, befreundeten Hotel für einen netten Preis unter und somit hatten wir auch ein schön großes Zimmer. Das war cool. Unter uns war ein Shop mit Café, das von einem Finnen, einem Italiener und einem Deutschen, der uns bald jeden Tag mit „Mahlzeit“ begrüßte, geleitet wurde. Der Finne war oft voll, der Deutsche erklärte uns immer, er sei hier nicht wirklich tätig in dem Shop, er beliefere ihn nur, müsse morgen in die Karibik, hat da auch ein paar Geschäfte zu bedienen und ist ja eigentlich Szene-Klamotten-Verkäufer. (Riesen Proll). Okay. Nur der Italiener war süß und machte die besten Baguettes, mit Käse deiner Wahl und Salami Milano und schwarzen Oliven und roten Zwiebeln und Gurke und Tomate und während ich hier sitze und daran zurück denke, läuft mir das Wasser wieder im Mund zusammen. Dort aßen wir jedenfalls jeden Morgen unser Baguette und die Bedienung des kleinen Cafés war die wohl hotteste Chinesin, die ich je gesehen hatte. Sie kam in meinen und Everts Träumen dann wohl auch häufiger vor. Man, war die heiß… Ich glaube, der Italiener hatte was mit ihr, Evert wusste es nicht genau…
Ja, wir fuhren mal in ein offenes Badeparadies, wo man sich in verschiedene Pools mit Kräutertee, Schwarztee, Milch und so setzt und sich erholt. In einem gab es eine Fischtherapie, das heißt, da waren winzige Fische, die sich von deinen Hautschuppen ernährten, also ankamen und dir vorrangig am Fuß knabberten. Ich hielts nicht lange aus, denn es zwickt und kitzelt so vor sich hin, dass man immer wegzucken will. Evert ließ sich hingegen lange abnagen.
Dann haben wir noch die gößte Buddha-Statue angeschaut. Ich dachte, die hatte ich schon einmal bei Hong Kong gesehen, aber das war wohl die größte bronzene Buddhastatue, diesmal war es echt die größte, größer als die Freiheitsstatue, war ganz nett anzusehen. Ja, dann gabs noch den wohl beficktesten Haarschnitt für Celi, den sie sich im Friseursalon an der Sttraßenecke eingefangen hat. Ich sah echt aus wie eine Russin, alles ganz glatt abgesäbelt, Pony viel zu kurz und gerade abgeschnitten und Haare eben auch kurz unter Ohr, einmal Topf auf und ab, sexy. Man wollte dann 300 RMB (30 Euro) von mir haben, 80 RMB immer noch viel zu viel) zahlte ich dann nach langen Verhandlungen und sah aus wie ein Haufen Scheiße. Zum Vergleich: Gestern ging ich hier auf dem Campus zum Friseur, um meine Frisur endlich mal wieder in eine Celi-Playmobil (sagt Evert immer)-Frisur zu verwandeln und bezahlte 5 RMB und sehe echt wieder aus wie die geile, kleine, super-Celi. Geil, oder? Fuck Hainan, praise the Quzhou College.
Ja, und dann sollte es zurück gehen: per Zug oder Flug. Wir wollten Zug fahren, tauschten dann aber nochmal in Flug um, denn das war die Zeit des Schneechaos in China und alle rieten uns davon ab, Zug zu fahren. Also Flug: Sollten 21 Uhr losfliegen und 23 Uhr in Hangzhou ankommen. Wir flogen 6 Uhr den Morgen darauf los (durften 1 Stunde in ein Hotel, was wir da noch nicht wussten, dachten, wir könnten pennen, duschten schön und wurden dann wieder rausgeholt, Juchhu, danke), landeten gegen 9 Uhr kurz in Shanghai wegen Nicht-Lande-Erlaubnis in Hangzhou und durften dann gegen 13 Uhr weiter und 14 Uhr in Hangzhou landen. Man rechne: Aus geplanten 2 Stunden Flug wurden also 17 Stunden „on the road“. Evert ließ sich dann aus Hangzhou von Maureen abholen, die auf dem Weg zu ihren Eltern in die Nähe von Quzhou war. Sie setzte ihn am College ab und er war endlich zu Hause. Ich ließ mich in Hangzhou vom College-Fahrer abholen und wir fuhren gemeinsam nach Shanghai, übernachteten in der Nähe des Flughafens, weil Torte ja am Tag drauf 8 Uhr morgens landen sollte. Schön wars. Fahrer kann kein Englisch, Celi kann noch kein kommunikativ-taugliches Chinesisch und so checkten wir ein, gingen gemeinsam zum Abendessen und er blieb noch 2 Stunden auf meinem Zimer und blätterte in meinen Büchern, wir lächelten viel… Am Tag drauf holte er mich im Zimmer ab, nahm meinen Rucksack, was echt lieb war, ging kurz in mein Bad, gluckste laut.. Was?... tatterte vor sich hin, stopfte sich alles, dem Hotel gehörende, in die eigenen Taschen: Duschbad, Zahnbürste, Seife, Duschhaube, Zahncreme und und und. Gut, dass es in China keine Bademäntel im Hotel gibt. Und dann raffte er die Klopapierrolle, zeigte sie mir und fragte offensichtlich, ob ich nicht wenigsten die mitnehmen wolle. Neee, ne… also hielt er sie in der Hand, bis runter in die Lobby, dort hielt er sie noch immer in der Hand und fuchtelte sogar damit umher, als er mit der Rezeptionistin sprach… Gut, dass die nicht wollten, dass er sie zurück gab. Das wäre glaube ich, das einzige gewesen, was NOCH peinlicher hätte gewesen sein können.
Torte kam nicht 8 Uhr an, er kam 16.30 Uhr an. Sein Flug war gecancelled, er musste einen anderen, über Beijing nehmen. Celi wartete geduldig, der Fahrer haute gegen 9 Uhr morgens wieder ab, denn es war der Tag des Chinesischen Neujahrs und den MUSS man als Chinese in Familie bei einem großen Abendessen verbringen, sonst wird man wohl enterbt. Und so habe ich ihn echt angebettelt, dass er fährt. Er zögerte lange, machte sich wohl Sorgen, mich allein zurück zu lassen, aber ich wollte natürlich, dass er bei Frau und Kind ist an dem Abend und so fuhr er… (Das hättet ihr auch gewollt, glaubt mir.) Torte kam, wir blieben drei Tage in Shanghai, fuhren dann nach Suzhou (berühmte Gartenstadt, nur leider war es zu kalt, um sich daran zu erfreuen), Hangzhou und dann verbrachten wir noch drei Tage in meinem Quzhou. Das war wohl am entspanntesten. Wir konnten wieder ausschlafen, schauten abends gute Filme und gingen gute Sachen essen.
Dann verließ uns Torte wieder und wir begannen mit unserem Sommersemester. Fünf Wochen Ferien können so schnell vorbei sein. Aber wisst ihr, was das Beste ist? Celi hat den geilsten Stundenplan: Habe außer Samstags, wo ich noch eine längere Unterrichtseinheit von 8 bis 10.40 Uhr habe, immer erst ab 13.40 Unterricht, das heißt, ich kann außer Samstags immer voll und ganz ausschlafen. Wenn man da mal nicht verwahrlost… Bis bald, Eure Celi