Wow, ich weiß gerade nicht, wem ich es sagen kann oder wo ich mich mitteilen kann... Aber dass so etwas auch immer mir passiert:
Kriege einen Anruf von John. John kenne ich kaum, er arbeitet im office und ist dort Leiter und rechte Hand vom Dean. John ist wohl so Ende 30, vielleicht auch schon 40. Jedenfalls rief er mich um halb drei an und meinte, ich solle ins office kommen. Warum, sagte er nicht. Also wieder eine dieser Überraschungen zum Abschied. Naja, ich war aber gerade am anderen Telefon und sagte ihm, ich käme später. Nach zwei Stunden, ich hatte ihn quasi vergessen, denn ich hatte ein super langes Gespräch, tauchte er bei mir auf. Und wie Chinesen so sind, hatte er eine riesen Fahne, denn er hatte wohl zu Mittag mit seinen Kollegen respektvolles Trinken praktiziert. (Zeugt ja von Respekt in China, wenn man das Glas direkt leert beim prosten.) Naja, nun war es vier Stunden nach der Mittagszeit und er roch immer noch wie ein Alkoholtoter. Jedenfalls ging er direkt durch bis in mein zweites Zimmer, das mit dem Bett, setzte sich auf mein Bett und überreichte mir zwei Notebooks als Geschenk mit Widmungen, die da lauten: Du bist die schönste Lehrerin, die ich je gesehen habe und ich liebe dich. Nun muss man aber wissen, dass die Chinesen mit solch einem Vokabular sehr inflationär umgehen. Sie meinen das oft nicht im buchstäblichen Sinne. Aber komisch ist es trotzdem. Dann saßen wir nun auf meinem Bett und ich wollte, dass er geht, denn es war unheimlich. Er roch und er kam immer näher und dann redete er von meinen Augen, meiner Haut und meinem Geruch. Und er kam immer näher. Aber hej, Chinesen machen das. Die kennen auch nicht den Wohlfühlbereich zweier Personen, die nur eine Freundschaft verbindet. Chinesen kommen einem oft viel zu nahe, ohne es zu wissen. Da saßen wir nun auf dem Bett und ich wollte sterben oder wegrennen. Aber oh Gott... ich habe mich dann immer weggedreht und bin immer weiter weggerückt. Und ich hatte eine riesen Angst, denn er war super betrunken und glotzte die ganze Zeit entweder auf meine Brust oder auf meine Beine. Ich konnte seine Gedanken förmlich lesen. Sie standen ihm so klar ins Gesicht geschrieben. Ihgittigitt.
Und dann wollte er meine Emailadresse und ich bin aufgesprungen und an meinen Schreibtisch gerannt und hier sitzen geblieben, denn hier konnte er sich nicht neben mich setzen und dann... ist er endlich gegangen. Ich frage mich nur, was passiert wäre, wenn... Das Haus ist ziemlich leer, fast alle Lehrer sind schon nach Hause gefahren und niemand hätte es gemerkt... Wow... Gut, dass ich bald nach Hause fahre. Komischer Abschied.
Jetzt treffe ich mich erstmal mit Freunden und trinke ein Bier, um das zu verdauen. Bis später, eure Celi