... oder so… konnte noch nie spanisch sprechen.
Naja, mal einen kleinen Bericht zum Abschluss meiner echt erinnerungswürdigen Zeit hier in China. War ja gefühlsmäßig mit den lieben Chinesen hier schon ein auf und ab, wenn ich die zwei Jahre hier so Revue passieren lasse. Auch heute frage ich mich manchmal noch, wenn ich abends so beim Bier sitze und ein weiteres meiner tausend Abschiedsdinner hier habe, warum ich eigentlich Abschied nehme aus China und Quzhou. Es ist doch so wundervoll und man hat hier so viel Zeit und die Leute hier sind so super lieb und kümmern sich so rührend und man hat hier viele nette Menschen kennen gelernt. Und als ich am Donnerstag und Freitag einen "Tag der offenen Tür" für meine Studenten eingerichtet habe, damit sie alle noch mal vorbei kommen und sich noch einmal außerhalb des Unterrichts mit mir unterhalten konnten, ein Bierchen trinken, Aufwiedersehen sagen, und natürlich Geschenke überreichen konnten, habe ich mich einmal mehr gefragt: Warum gehst du jetzt noch mal genau? Ist doch wundervoll hier und deine Studenten sind so zuckersüß und herzallerliebst.
Ja, viele von denen habe ich echt lieb gewonnen, sie sind wie kleine Schwestern und Brüder für mich, denen ich noch so viel beibringen kann und sie schauen so wundervoll zu mir auf. Und ich erkläre ihnen die Welt aus meiner Sicht und sie haben noch so viele schöne Fragen. Ich muss echt sagen: Ich liebe sie und ich werde sie vermissen. Und natürlich haben auch sie mir tausendfach die Frage gestellt, warum ich denn jetzt gehe und warum ich denn jetzt schon gehe, zumal ja Evert noch mindestens ein weiteres Jahr bleiben wird. Ja, und ich habe sie mit großen Augen angeschaut und habe ihnen gesagt:
Weil in Deutschland viele tolle Freunde auf mich warten. Weil ich diese gerne wieder sehen möchte. Weil in Deutschland so viele neue Herausforderungen auf mich warten. Weil ich beruflich hier zwar eine schöne Erfahrung gemacht habe und Lehrer ein durchaus toller Beruf ist, ich diese Tätigkeit aber an dem College hier nicht länger machen kann und möchte, denn ich stumpfe hier sehr ab. Ich bekomme für mich keinen neuen Input und ich merke, dass ich geistig in den letzen zwei Jahren keinen entscheidenden Fortschritt gemacht habe. Denn man muss schon sagen, dass die meisten Menschen hier, das soll keine Beleidigung an die Leute hier in Quzhou sein, aber es ist ein Fakt, sehr einfach, sehr ungebildet und sehr stumpf sind, fast schon dümmlich aus ausländischer Sicht. Wenn man auf einen sehr gebildeten Menschen in Quzhou trifft, dann sieht er das genauso. Denn die Mehrheit der Bewohner Quzhous sind schlichte Landsleute und Farmer. Und genau diese Tatsache ist ja auch der Grund dafür, dass die Menschen hier so freundlich und herzlich sind, sie sind einfach ehrlich und aufrichtig.
Außerdem spreche ich bis heute die Sprache nicht. Und gerade heute musste ich mir von einer 16-jährigen chinesischen Mittelschülerin wieder sagen lassen: Was? Du bist schon 2 Jahre hier und sprichst immer noch kein chinesisch. Nein. Und auch hier muss ich einfach festhalten: Es ist einfach nicht meine Sprache. Klingt vielleicht komisch, ist aber so.
Warum ich außerdem gehe? Weil ich beruflich weiter kommen will, weil ich mich kulturell wieder bilden und im Konsum von Kultur weiter austoben möchte. Weil ich mich mit einem Menschen wieder unterhalten können möchte. Weil ich weiter will. Und weil man manchmal einfach gehen sollte, wenn es am schönsten ist.
Meine zwei "Tage der offenen Tür" habe ich gut überstanden. Es gab viele Tränen, auch auf Seiten meiner Studenten. Nicht nur ich habe geheult und ich hoffe, dass mir bei meiner Abfahrt hier aus Quzhou keine weiteren Studenten auflauern, um sich von mir zu verabschieden, denn ich bin so schlecht im Good Bye sagen. Und meine Studenten sind genau solche großen Weicheier wie ich. Das summiert sich zu einem uncoolen Unterfangen. Und ich bin dann sehr froh, wenn ich erstmal im Flieger sitze.
Ansonsten habe ich vor zwei Wochen sowohl Prüfungen als auch alle Auswertungen abgeschlossen. Meine Studenten haben mich noch mal sehr überrascht und tolle Leistungen bei den Prüfungen hingelegt. So sind natürlich alle durchgekommen.
Jetzt bestehen die letzten Tage aus Packen, Putzen und Aufwiedersehen-Sagen. Zwei Pakete habe ich schon auf den Weg nach Deutschland geschickt. Aufgrund der ganzen Geschenke meiner Studenten wird es wohl noch ein weiteres werden. Uff… Habe unter anderem ein großes Schwert geschenkt bekommen und ein riesengroßes Poster, gerahmt und mit Glas. Wie soll ich das bitte nach Deutschland kriegen? Die Frage habe ich auch meinen Studenten gestellt und so habe ich sie so weit gebracht, dass sie sich nach Überreichung der Geschenke auch noch bei mir dafür entschuldigen mussten. Ha ha ha. Nein, nicht wirklich… Aber wie ich diese Dinge nach Deutschland kriegen soll, weiß ich wirklich noch nicht. Das Poster ist recht einfach, nehme ich halt aus dem Rahmen, rolle es zusammen und gut. Aber das Schwert? Ich werde sehen…
Und so esse ich die letzten Tage noch mal gewaltig viel, denn alle laden mich dazu ein, ich trinke wie ein Schluckspecht, denn das macht man hier so und ich wickle viel zu viele Geschenke aus. Und somit gerate ich körperlich noch mal richtig außer Form wegen des ganzen Biers und Essens. Das muss ich dann in Deutschland wieder ausbalancieren.
Die letzten Tage sind also sehr emotional für mich, aber sie sind auch wunderschön, denn ich habe noch mal eine richtig tolle Zeit.
Ich hoffe, euch zuhause geht’s auch gut. Ich freue mich sehr auf euch. Bis bald in Deutschland und Europa sagt Celi