Mit geschlossenen Vorhängen und einem gemütlichen Bett wache ich mit meinem Wecker gegen 10Uhr auf - gut ausgeschlafen. Die größte Stadt Chinas wird sicher hektisch sein, und so nehme ich mir vor es ruhig angehen zu lassen.
Daraufhin werde ich allerdings beim Packen meiner Sachen durch einen Telefonanruf und dem einzigen mir verständlichen Wort ‚Check-out’ daran erinnert, dass es mittlerweile bereits kurz nach 12Uhr ist.
So stehe ich kurz darauf mit zwar gepackten Sachen, aber noch feuchten und offenen Haaren an der Rezeption und checke out. Ich frage in Körpersprache, ob ich kurz Sam, den Kanadier, anrufen kann, um einen Treffpunkt zu verabreden.
Freundlich wird mir das Telefon gereicht, und ich freue mich, eine bekannte Stimme zu hören und zu verstehen.
So packe ich also all meine Sachen zusammen, Rucksack, Tagesrucksack, Fotoapparat und Syts Gitarre (falls ich noch nicht erwähnt habe, sie hatte sie mir geliehen - leider habe ich mir nicht die Zeit genommen, das Spielen wirklich zu lernen - und nun bringe ich sie ihr wieder).
Die Empfangsdamen grinsen mich freundlich und erstaunt an mit gehobenem Daumen, wie ich so bepackt mich durch die Tür hinaus schiebe - eine weltweit verständliche Sprache.
Im Sonnenschein bei angenehmen (geschätzten) 25°C schlendere
ich in die Richtung des Volksplatzes (im Hotel nach grober Richtung gefragt).
Auf einer grünen, größeren Verkehrinsel ordne ich meine Gepäckstücke und Haare und starte meine Suche nach Exit 4 vom People’s Square (das mir am geläufigsten Wort für diesen Ort).
Der Platz ist recht groß, dessen bin ich mir bewusst, und so entscheide ich mich, den Exit unterirdisch weiterzusuchen. So laufe ich also zwischen 6 und 12 hin und her, ohne Erfolg einen Hinweis auf eine kleinere Nummer zu finden.
Also wieder raus an die frische Luft, draußen weiter suchen. Gerade noch rechtzeitig erreiche ich Exit 4, bevor Sam aus dem Ausgang erscheint. Wer hätte gedacht, dass die Ausgänge einer Station nicht alle mit einander verbunden sind, zumindest nicht offensichtlich?
Als erstes bringt mich Sam zu einer am People’s Square gelegenen Hostel, so dass ich für die nächsten Nächte nur noch 50,-RMB zahlen werde. Ich bin froh, das Gepäck los zu werden und bei den doch sehr warmen Temperaturen (vll. sind es doch eher 30°C) nicht mehr so viel Unnötiges tragen zu müssen.
Als kleinen Snack auf dem Weg probiere ich Chicken-Sticks auf dem Weg. Sam kauft sie mir, so kann er seine neu gelernten Chinesisch Kenntnisse unter Beweis
stellen. Auf die Frage, ob ich es spicy gewürzt möchte, muss ich dann doch schmunzeln. Er hat die Frage des Verkäufers an mich gewandt wiederholt, in den gleichen Worten, also in Chinesisch. Doch ich habe dem Gewürzstreuer in der Hand des Verkäufers die Bedeutung auch so entnehmen können. Außerdem werden Sam seine Worte bei einem Schmunzeln des Verkäufers und mir bewusst, und übersetzt es dann doch noch schnell ins Englische. So ist das also, wenn man hier länger lebt. By the way, die gegrillten Spieße sind sehr lecker, und gar nicht so scharf gewürzt, wie ich angenommen hatte.
Als erstes fahren wir mit der Subway zu einem Künstler-Viertel beim Hauptbahnhof, wo in einem ruhigen, grünen Flecken einige etwas renovierungsbedürftige Häuser und Hallen stehen, in denen viele Künstler ihre Werke ausstellen. Es sind von naturgetreuen Abbildungen bis zur abstrakten Kunst, Gemälde von Aquarell bis Öl, oder Statuen und Formen aus allem, was zusammen hält.
Die Kunstwerke haben trotz ihrer sehr jungen Künstler stattliche Preise, so z.B. ein ca. 150cm x 150cm großes Gemälde mit fantasievollem Motiv für ca. 20,000 RMB. Die Preise sind nicht angeschlagen, doch für dieses Kunstwerk interessiert sich ein Mann mittleren Alters, der sicher nicht zum ersten Mal
ein solches Bild kauft, und so können meine langen Ohren ein wenig von dem Verkaufsgesprächen mithören.
Unglaublich wie anstrengend es doch ist, langsam vor sich hin durch die verschiedenen Hallen zu schlendern.
Auf dem Rückweg kaufe ich mir am Bahnhof eine Fahrkarte für den morgigen Tag nach Suzhou. Sam und Syt haben den ganzen Tag über Vorlesungen, und so bietet es sich an, einen Touristentag einzulegen. Dazu mehr im nächsten Bericht.
Nach dem bislang sehr dürftigen Frühstück und Mittagessen bekomme ich Hunger. So gehen wir zurück am People’s Square in einer Nebenstraße der Haupteinkaufsstraße, der Nanjing Dong Lu, in einem kleinen Nudelsuppen Lokal essen.
Sam fährt anschließend nach Hause, die Uni ruft, während ich noch ein wenig die Nanjing entlang schlendere. Es ist mittlerweile recht kühl geworden, so dass ich mir erstmal meine Sweatjacke aus der Hostel holen musste.
In der Nanjing blinken die Reklame- und Namensschilder der Läden um die Wette. Eine riesige CocaCola Flasche, die erst voll- dann überläuft und anschließend scheinbar wieder ausgetrunken wird, erinnert mich sehr an die CocaCola Reklame am Times Square in New York City.
Die Nanjing endet im Osten (dong) am Huapu River und der Sicht auf die sehr bekannte Skyline von Pudong
mit dem Wahrzeichen, dem Pearl Tower, von Shanghai.
Und dazu tummeln ich jede Menge Leute. Aus Hongkong kommend ist die Skyline weniger beeindruckend. Es sind nur wenige markante Gebäude, aber dadurch sehr verschieden von der Wolkenkratzerdichte auf Hongkong Island.
Auf dem Rückweg, wo ich mir noch schnell eine Karte von Shanghai mit Suzhou und Hangzhou eingeschlossen gekauft habe, werde ich von vielen Straßenhändlern angesprochen, die 2-rädrige Rollschuhe verkaufen. Die schnallt man sich unter die Fersen und kann so das Tempo mit dem vorderen Schuh jederzeit kontrollieren, und sich ansonsten bequem rollen lassen - zumindest sieht es so einfach aus. Dabei blinken die Räder dann noch von neonpink bis -blau. Ich schau wohl sehr müde aus, dass so viele Verkäufer glauben, ich bräuchte diese Schuhe.
Doch obwohl ich solange geschlafen habe, bin ich es auch tatsächlich.
Außerdem habe ich mir für morgen viel vorgenommen und der Zug fährt um zwanzig vor 9 in der früh - da will ich ausgeschlafen sein….