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1: Meine schüler beim "abc-lied" 30 secs
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Nachdem ich in den letzten Berichten mein Privatleben thematisiert habe, wurde ich schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und daran erinnert, dass ich ja nicht zu meinem reinen Vergnügen hier logiere, sondern einem ernsthafen Job nachgehe....=)
Whatever, über meinen Unterricht gibt es wenig zu berichten, ich habe nette Schüler, manche sind schlauer, manche weniger, manche sind dumm wie die Nacht finster - aber es gleicht sich irgendwie aus. Die wirklich genialen Geschichten werden hier im Büro geschrieben, und die folgenden Anekdoten sind wahr, nicht geschönt und schlimmstenfalls durch den ironischen Blickwinkel des ansonsten so objektiven Betrachters etwas verzerrt:
Arbeitsteilung auf chinesisch oder das Google-Imperium schlägt zurück Grundsätzlich findet arbeitsteilung hier so statt, dass jeder versucht firmenintern die (unnötigen, von der Chefin gebellten) Arbeiten so schnell wie möglich, unter möglichst idiotischen Vorwänden an den nächsten weiterlzueiten - so kommt es vor, dass ein Arbeitsauftrag innerhalb einer Woche dreimal auf meinem Tisch landet und ich geb ihn einfach weiter...ein Beispiel gefälliig:
Meine Chefin schreibt mir ein email(sie traut sich nicht mehr mit mir zu reden), ich möge auf Google gratis Werbung machen. So...hmm...wir wissenden Europäer wissen, dass das nicht geht, denn Google ist kein lustiger Club wo alle
beitreten um sich gegenseitig zu helfen sondern eine Firma, die Geld verdienen möchte - aha, erste Erkenntniss für meine Chefin! Also hab ich die Arbeit vole an sie zurückgeben, mit dem Auftrag sie muss mir ein Budget geben, mit dem ich im Internet werben kann. Tags darauf kommt mein Kollege mit dem selben Auftrag zu mir, sie hat ihm genau das gleiche gesagt und gesagt, er soll mich fragen, wenn er sich nicht auskennt. Also hab ich kurz entschlossen den Auftrag an meinen chinesischen Kollegen weitergemailt mit der Bitte um eine deutsche Übersetzung des chinesischen Google-accounts(vollkommen unnötig, aber dann bin ich nicht verantwortlich...). Dort liegt er seit 17 Tagen und ich hab von dem Unsinn nichts mehr gehört....alles klar!?
Chinesische Überlebensstrategie in Shaking - Peking Wie es ja hinreichend um die ganze Welt ging, wurde China vor über einer Woche von einem schrecklichen Erdbeben heimgesucht, von dem ihr dank ausländischer Medienberichte vermutlich mehr wisst als ich. Allerdings will ich nicht darüber berichten, auch nicht über die Welle der echten (und vielleicht auch die der zeitweisen eigentnützigen, es sind ja trotzdem immer noch Chinesen) Welle der Hilfsbereitschaft die China überrollt und auch nicht über Gedenkminuten und Hupkonzerte während
ebenjener Gedenkminuten auf den Straßen...nein, ich möchte über die Minuten berichten als unser Büro schwankte, wie ein Schlauchboot bei Seestärke 1,5 an der italientischen Adriaküste vor Lignano...denn wenn ich in der Situation nicht pankiartig aus dem Gebäude geflüchtet wäre, ich wäre vor Lachen fast erstickt, als ich die chinesische Anti-Erdbeben Maßnahme sah: Da stellen sich doch ernsthaft fünf bis sechs Chinesen mehr oder weniger unter einen Türstock und rufen uns zu: "Stay here, under door you are safe!"......
Ja, ganz sicher - vielleicht im Erdgeschoss eines Einfamilienhauses, aber doch nicht im 17. Stock!!!!!!! Verhandeln mit Chinesen Seit geraumer Zeit stelle ich fest, das Verhandeln hier in China sich nicht nur auf die Märkte beschränkt, sondern viel mehr Bestandteil des täglichen Lebens ist - positive Berichter sprechen hierbei stets von der unglaublichen Flexibilität des chinesischen Vertragswesen - in Wahrheit ist es allerdings so, dass jeder versucht zu oft, zu gut und so unglaubwürdig zu bescheißen, wie es nur irgendwie möglich scheint. Nach drei Monaten habe ich allerdings soviel dazugelernt, dass ich es nun auch wage, mich in das Gewühl des gegenseitigen Misstrauens zu stürzen - und das natürlich an meinem Arbeitsplatz. Gestärkt durch das Wissen ob der Unverzichtbarkeit meiner Person
für die Firma(mein Kollege hat gekündigt, wenn ich weg bin, kann der Saftladen zu sperren), schritt ich wohlgemuts in den Kampfring, um gegen die Schlümpfe in Sachen Wohnung, Miete, Lohn, Arbeitszeit, Unterrichtsmaterialien, Umgangston etc. anzutreten. Dabei darf der aussenstehende Betrachter sich diese Debatten nicht als organiserte Unterhaltungen, bei der sich beide Parteien gegenübersitzen und sachlich Informationen austauschen vorstellen, sondern vielmehr einen gnadenlosen Kampf bis aufs Messer, der von beiden Kontrahenten auf vielen Ebenen geführt wird. Häufig verwenden wir hier bei Juzhongde(im weiteren als
Saftladen bezeichnet) weniger das gesprochene Wort, als diverse Chatprogramme, um, und jetzt wird überhaupt absurd, im alltäglichen Leben trotz aller Differenzen und Abneigungen, freundliche miteinander umgehen zu können. Weiters gilt es offensichtlich als sehr ungeschickt, sich selbst eine größere Rolle als die des meinungslosen Vermittlers zukommen zu lassen - trotz besseren Wissens beider seiten, diskutieren meine chefin und als ich die Strohmänner des Vermieters(Sie) und der Bevollmächtigte meiner Mitbewohner(ich) um ja keine persönlichen Gedanken, Intrigen oder Vorstellungen einfließen zu lassen. Aber umgelegt auf österreichische Verhältnisse, muss man sich das ungefähr so vorstellen:
Stellt euch vor, ihr geht in ein Wirtshaus, fragt den Wirten nach einem Krügerl Bier und dem Preis. Der Wirt sagt 3,5€ und verschwindet
hinter der Schank um ein Krügerl einzuschenken. In der zwischenzeit fragt ihr alle anderen Gäste nach dem Preis den sie bezahlt haben und stellt fest, dass Wiener im Durchschnitt 2€ bezahlen und für jeden Kilometer der zwischen dem Wirtshaus und der Geburtsstadt des Gastes liegt, nochmal etwas aufgeschlagen wird, sodass der Steirer mit einem 5€ Krügerl austeigt, der Tiroler allerdings schon 7,5€ bezahlt. Sobald der Wirt sich mit dem Bier nähert, steckt ihr euch noch mal schnell den Salz- und Pfefferstreuer, sowie sämtliche Bierdeckel und Zahnstocher ein, um den Wirten notfalls etwas erpressen zu können. Sodann wird der Wirt das Krügerl nicht einfach hinstellen und verschwinden, sondern darüber zu philosophieren beginnen, wie sehr sich das Bier nicht seit der Bestellung verteuert habe und wie hoch seine plötzlich auftretenden Personalkosten nicht waren, ungeachtet dessen, das alle Anwesenden beobachten konnten, dass der Wirt vollkommen alleine arbeitet. Daraufhin wird der Gast von Welt natürlich nicht den neuen Preis bezahlen, sondern auf dem alten Preis beharren, natürlich nicht mit dem Argument, dass die vorgebrachten Argumente vollkommen blödsinnig sind, und es im Umkreis von 200m noch vier andere Wirtshäuser gibt, nein, der schlaue Gast wird vielmehr damit argumentieren, dass er leider nicht mehr als 3,5€
auf seine Reise nach Wien mitgenommen hat und ausserdem sein Sessel leider wackelt. Der leicht erzürnte Wirt versucht sodann dem Gast nahezulegen zu gehen, wobei der schlaue Gast doch weiß, dass der Wirt ohne Gäste sein ohnehin fragwürdiges Etablissement schließen kann, und rückt den Sessel etwas zurück und deutet an aufzustehen. In diesem Moment der stellt der Wirt das Krügerl vor den Gast hin und meint, er könne das Bier plötzlich zum Einstandspreis von 3,2 € abgeben, da er im Fenster den Bierlieferanten gesehen hat, der ihm dies mittels Zeichensprache erklärt hat...das den ominösen Lieferanten sonst niemand gesehen hat, muss wohl nicht extra erwähnt werden....nach dem Genuss des kühlen Blonden begibt sich der Gast anschließen zur Schank um zu bezahlen....wohlweißlich, dass er noch die Salz- und Pfefferstreuer in der Hosentasche hat, um den neuen Argumenten des Wirten zu begegnent.....
alles klar? ...gerade hat mich ein SMS von Stefan erreicht:
Der Waschmaschinenadler ist gelandet....eine neue Waschmaschine bedeutet wohl 1:0 für den Gast, oder?=)
Zum Abschluss dieses Blogs möchte ich aber auch noch von einem bewegenden "Privaterlebnis" berichten - einer Einladung zum Essen, in eine kleine Wohnung, in einem anderen Stadtteil, in eine andere Welt...:
Ein ehemaliger Schüler von Stefan(mein
mitbewohner) hatte ihn zum essen eingeladen(herr li ist 39) und wohnt derzeit bei seinen eltern in peking, ach ja, und stefan hat mich einfach mitgenommen, aber das ist in china ok, gerade unter freunden freut man sich sehr über neue leute, und wenn die auch noch ausländer sind...- ok, wie auch immer, stefan hat mich gewarnt, dass das eine vollkommen andere Bevölkerungsschicht ist als jene neureichen Kinder aus guten Haus die normalerweise bei uns Deutsch lernen. Die Familie, also eigentlich nur die Eltern, jetzt halt grad zu dritt, leben in einem riesigen sozialistischem Wohnblock im dritten Stock, haben zusammen ein Zimmer von vielleicht 15 qm, da steht ein Kasten, ein kühlschrank, ein kleiner Tisch, ein Doppelbett und ein Einzelbett und zwei wackelige Sessel - thats it - die türe geht direkt auf den gang, in dem es kein licht gibt und wo sich müll und klumpert der gesamten hausbevölkerung stapelt, sodass man fast nciht gehen kann. Gekocht wird in einer gemeinschaftsküche ohne strom mit fliessend kaltem wasser, nackten betonwänden und betonierten waschbecken....wie das gemeinschaftsklo/Bad aussieht, muss ich wohl nicht genauer beschreiben, die zimmer haben natürlich weder wasser noch eine heizung. Stefan und ich sassen auf dem Bett(als ehrengäste natürlich), die
Familie des gastgebers auf den wackeligen sesseln, der papa, hat für uns gekocht(der ist über 70 und pensionist), und ich glaube soviel wie sie für uns gekocht haben, essen sie sonst in drei wochen nicht. Aber trotz alledem, es ist schmutzig laut, du hörst den nachbarn furzen und weil die tür andauern offen ist, hörst du auch jedes wort auf dem gang - vor der tür hängt nur ein leintuch als sichtschutz....aber in der familie herscht eine so warme freundliche stimmung - auch uns gegenüber, die eltern, die wahrscheinlich erst zum zweiten mal in ihrem leben einen ausländer sehen sind so freundlich und bemüht und hatten wahrscheinlich mind. genausoviel angst wie ich, irgendwie unhöflich zu erscheinen oder irgendetwas falsches zu sagen....und als mir dann zu später stunde sein papa auf chinesisch gesagt hat, ich könnte sein österreichischer enkel sein....ein wahnsinnserlebnis!
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Send Private MessageVorerst einmal GRUSS!
zur chinesischen Arbeitsweise muss ich was zufügen:denke das diese Arbeitsweise nicht in China entstanden ist, denn (lassen wir die naive Unwissenheit zum Thema Digitale Medien weg) diese Arbeitsweise wird in den Wiener Magistraten schon seit deren Einführung praktiziert und wie viele chinesische Feuerwehrleute zu uns kommen um geschult zu werden (Schmäh ohne, sah darüber vor kurzem in Priemiere eine Doku) kommen Beamte und Bürohängste aus Fernost zu uns um sich die notwendige Bürokratie für kommenden Jahrzehnte zu holen.
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