Nun muss ich, hochverehrte Lesergemeinde, endgültig in die Tiefen der Trivialität abtauchen, und von Ereignissen berichten, die in der Heimat wahrscheinlich nicht einmal eine beiäufige Erwähnung wert wären - hier im Land der Mitte allerdings, wo sich die Werte beträchtlich verschieben und selbst simple Alltagssorgen zu schwierigen Aufgabenfelsen in der alltäglichen Brandung werden, um ein paar kitschige Gemeinplätze zu strapazieren...ich war nämlich beim
Friseur!
Aus einer abendlichen bierlosen Bierlaune heraus, konnte ich gestern abend dem Drang nach Selbstverschönerung nicht mehr widerstehen und spazierte kurzentschlossen in den nächsten Friseursalon, wo mein Erscheinen für leichte Verwunderung sorgte. Der Cheffriseur, ein kleines Männchen Anfang vierzig bugsierte ob der unerwarteten Ehre die ich seinem Salon offenbar zu Teil werden ließ den nächstebesten Chinesen aus seinem Sessel und plazierte mich auf selbigem. Nach kurzer, fruchtloser Konversation bei der wir wechselseitig feststellten, das bei unserem jeweiligen Gesprächspartner mit Chinesisch bzw. Englisch kein sprichwörtliches Eckhaus zu machen, war, entpuppte sich die Scherengeste aus Mittel- und Zeigefinger zum interkulturellen Verständigungsmittel.
Anschließend wurde in dem sehr heißen Salon unter Handtüchern und umhängen begraben und mit die auf etwas rüde Art und Weise mit nur Spritzern von Wasser die Haare shamponiert und "massiert"....meine Versuche mich aus den zahlreichen Überwürfen zu
befreien und so etwas Kühlung zu erlangen, wurden mit dem freundlichen Lächeln der drei Friseurskonkubinen abgeblockt, die mich schnell wieder unter die Decken stopften und noch eine drüberlegten...
Die anschließende Schneideprozedur gestaltete sich kurz und schmerzlos, das ergebnis ebenfalls - ein klassicher, chinesischer Vokuhila, eine wilde Mischung aus Papa und Mama Schlumpf mit einem leichten Touch Elton John....mein Entsetzer Gesichtsausdruck dürfte wohl mehr gesprochen haben als mein gestammeltes "Bu hao"(nicht gut)....mein Lieblingsfriseur holte nach kurzer Beratschlagung seine Haarschneidemaschine und rette mich vor dem optischen Chinesen-Dasein, sehr zur Erbauung der zehn Zaungäste, die sich das Schauspiel eines euroüpäischen Haarschnittes nicht entgehenlassen wollten und sich über meine Versuche ihnen meine Herkunft und meinen Beruf auf chinesisch zu erklären köstliche amüsierten.
Eine gute halbe Stunde und 15 RMB(ca 1,50 €) später, verließ ich
so das Geschäft....
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Oida Voda, jetzt wirds schon Zeit das du wieder ein wenig saubere europäische Luft atmest denn naja erstens hast du hier nie den Drang der Selbstverschönerung und zweitens naja dein heimischer Friseur schneidet deine 3 Stammel Haare etwas naja modischer! :-) aber für asiatische Verhältnisse ein sauberer armeetauglicher Haarschnitt - also aufpassen sonst kommst noch nach Lhasa!
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