…oder zumindest nicht in absehbarer Zeit! In vielen Reiseführern und Reiseberichten, mehr oder weniger einschlägigen Internetforen, Zeitungen und Nachrichtensendungen wird China gerne als die „aufstrebende Nation Nr. 1“ gehandelt. Hoch gepriesen wird ihr Verhandlungsgeschick, ihr Unternehmergeist, ihr Mut und nicht zuletzt ihr Fleiß - diese Eigenschaften von 1,3 Milliarden Menschen zusammenaddiert müssen doch logischerweise ausreichen, um sich an die Spitze der Weltwirtschaft zu katapultieren, erst recht, als China über eine der weltweit ältesten Kulturen verfügt und eine lange Geschichte zurückblicken kann…oder etwa nicht?
Betrachtet man die Situation aus etwas weniger verklärter Perspektive, so erhält man, oder zumindest ich, den Eindruck, als würde die Aufholjagd auf westlichen Standard noch etwas länger dauern. Natürlich spielt hier auch der persönliche Eindruck eine große Rolle, und den meisten Feststellungen lege ich das Geschäftsgebaren in unserer Firma zu Grunde - ob typisch chinesisch oder nicht, ich berichte live, in Farbe und bunt und ziehe meine Schlüsse…
…über das Verhandlungsgeschick: Man sagt Chinesen langläufig ein großes Verhandlungsgeschick nach - wobei in den meisten Reiseführern und -berichten(zumindest in denen, die ich gelesen habe) die wahre Bedeutung des Wortes
„verhandeln“ unter den wackeligen Tisch fällt. Während man in Europa darunter das Angleichen unterschiedlicher Forderungen und Meinungen auf
dem Weg zum Vertragsabschluss versteht, ist verhandeln hier eine omnipräsente Notwendigkeit, die sich daraus ergibt, dass niemand, aber wirklich niemand, auch nur ansatzweise in der Lage ist, simpelste Abmachungen, geschweige den Verträge einzuhalten. So ändern sich unsere Unterrichtspläne oft täglich, wenn nicht stündlich - je nachdem welcher Schlumpf das falsche Bein aus dem Bett geschwungen hat. Die weit reichenden Folgen glorreicher Schlumpfideen werden gekonnt ignoriert - so wurden letzte Woche einfach mal zwei Klassen vollkommen unterschiedlichen Niveaus (gegen unseren Willen - 1. Verhandlung: Miss Ju vs. Sabine & mich) fusioniert um die Miete für einen Klassenraum zu sparen - tolle Idee, nur wenn man bedenkt, dass daraus die dringende Notwendigkeit für einen Raum mit mehr als vier Sesseln(2.Verhandlung Papa Schlumpf vs. „die Desktoptussis“), eine Tafel, da ich Vokabel für 13 Leute nicht nur auf Blatt Papier kritzeln kann(3.Verhandlung: meine Schüler vs. mich; 4. Verhandlung: meine Wenigkeit vs. Miss Ju Teil II, anschließend 5. Verhandlungsrunde Papa Schlumpf vs. „die Desktoptussis II), einen gemeinsamen Stundenplan, neue Arbeitszeiten für die Lehrer und eine neue Stundeaufteilung entsteht (6. Verhandlung „Pferd mit Kopfschmerzen“ vs. Sabine & mich) während sich nebenbei der Widerstand der Schüler formiert, da ihnen vertraglich eine kleine Klasse zugesichert wurde…kurz, das Ende
der Geschichte nach Verhandlungsrunden 7 - 12 in unterschiedlichen Besetzungen der oben genannten Protagonisten…alles zurück an den Start, wir machen dort weiter wo wir vor drei Tagen alles geändert haben…=)
…die Planung: Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Huhn-oder-Ei-Gretchenfrage in Bezug auf die Chinesische Sprache und die Chinesische Planlosigkeit schon einmal bemüht habe…ich tue es einfach noch einmal:
“Kennt das Hochchinesische keine Zukunftsform, weil sie keinen Plan haben, oder haben die Chinesen keinen Plan, weil sie keine Zukunft ausdrücken können?“ Nun gut, linguistisch gesehen existiert eine Zukunftsform, die allerdings sehr nahe mit dem Konjunktiv verwandt ist und auch zeitweise das Gleiche bedeutet…aber auch daraus kann man seine Schlüsse ziehen….
Wie auch immer, betrachtet man die Pekiner Stadtplanung genauer so erkennt man mit freiem Auge deutlich die prägenden Einflüsse - so stehen nämlich stets zwischen fünf und zwanzig Hochhäuser nebeneinander, die wie ein Ei dem anderen gleichen. Daneben erstreckt sich meist ein noch zu erschließendes Areal aus Hutongs oder anderen niedrigen Häusern, bevor sich die nächste Hochhaussiedlung - wieder alle Häuser farblich und architektonisch ident - allerdings nicht mir der ersten Siedlung und so weiter und so fort…alles klar? Fährt man durch Peking kann man von
innen nach außen somit sehr schön die architektonischen Strömungen der letzten zehn Jahre nach vollziehen, und auch Rückschlüsse auf die Modefarben der damaligen Zeit ziehen.
Aber auch wer denkt, dass Bauvorhaben eines weitsichtigeren Organisation unterliegen müssen als die Stadtplanung irrt - werfe ich einen Blick aus meinem Büro im 17.Stock eines solchen „Vierling-Turms“, fällt mein Blick auf die Fassade des eineiigen Zwillings. Aufgrund der großen Hitze die hier im Sommer herrscht (oder zumindest herrschen soll, jetzt ist es ja noch a****kalt), ist jeder Raum mit einer Klimaanlage ausgestattet, deren Ablüftung draussen zu sehen ist. In Europa würde der Bauherr(denke ich zumindest, Insider des Bauwesens, korrigiert mich bitte!), vor dem Bau einen Vertrag mit dem Hersteller dieser Klimaanlagen abschließen und im ganzen Haus diese Klimaanlagen einbauen siehe weiter oben unter „Verhandlunsgeschick“)…aber...betrachte ich nun eben diese Geräte am Nachbarhaus, so fällt mein Blick auf die unterschiedlichsten Farben, Größen, Marken und Ausführungen davon(….und nein, ich schließe aus, dass jeder Mieter sie selbst kauft… die sind eingemauert!
PS: Gestern habe ich mein kulinarisches Portfolio um das erste Reptil erweitert - ich habe Frosch gegessen. Wir waren auf einer Geburtstagsfeier, also eigentlich einem Geburtstagsessen, einer Schülerin…auf dem einen Tisch wurde Frosch serviert, auf meinem
Huhn - leider hat die Gastgeberin meinen erleichterten Gesichtsausdruck falsch interpretiert und die Kellner angewiesen, beides auf zwei Schüsseln aufzuteilen….=(….war aber wesentlich besser als erwartet, nur die vielen kleinen Knochen haben gestört…
Dann haben wir ein Trinkspiel gespielt(während dem Essen, wenn die Chinesen saufen, dann richtig) - bei diesem Spiel, das auch keinem trinkfreudigen Europäer unbekannt ist, wird jede Zahl die eine Sieben enthält oder durch sieben teilbar ist ausgelassen und durch ein Klopfen mit den Stäbchen auf den Tisch ersetzt. Theoretisch so weit so gut, in Chinesisch offenbart das Spiel für Mitspieler mit meinen Chinesisch-Kenntnissen so einige Tücken…glücklicherweise können einige Chinesen noch schlechter zählen als ich Chinesisch - außerdem führt der „Straftrunk“ in Form eines Achtelglases Bier beim durstigen Europäer eher zu einer feuchten Zunge, bei chinesischen Mädels aber zu einem saftigen Rausch…=)
3 Comments -
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der Bambus im hintergrund des bildes "Der Lehrer und seine Schüler" schaut genauso aus wie meiner, nur ca. eineinhalb meter höher :D *freu*
Am Pissoir hängen wohl die üblichen Sprüche - halt auf chinesisch! Wie hoch hängt das Ding eigentlich? Musst du gut zielen oder in die Knie gehen?
Ein Frosch gehört zu den Amphibien, nicht zu den Reptilien ;-)
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