Wohl nur wenige Berufsgruppen haben das Vergnügen den Frontalzusammenstoss zwischen europäischer und chinesischer Kultur so in der "ersten Reihe" fussfrei, wie der Stand der Deutschlehrer, zu dem ich mich mittlerweile ja mit mehr oder weniger stolz geschwellter Brust zählen darf. Denn während man in den meisten Firmen den Kontakt zu Ausländern auf die Verhandlung und auf einen Geschäftsabschluss limitiert, kämpfen wir tagtäglich verbissen darum, unseren Schülern die Kultur auch einzuimpfen, etwas Verständnis zu säen und hoffentlich auch eines Tages die Früchte zu ernten...
Allerdings werden einem regelmäßig Knüppel zwischen die Beine geworfen, die einen zeitweise zum interkulturellen Stolpern bringen...so dürfte es unter Deutschlehrern seit geraumer Zeit Mode sein, ihren Schülern eine Art "persönliche Prägung", vergleichbar mit einer Münze, aufzudrücken, aufdass man jedem Chinesen einen Deutschlehrer zuordnen kann... Während ich mich darauf beschränke im Unterricht die Wichtigkeit Österreichs für Wirtschaft, Kultur und Entwicklung Europas in den letzten 1000 Jahren hervorzuheben, und mich sprachlich weitestgehend den Deutschen anpasse, haben einige Kollegen tiefere Spuren hinterlassen...
...so stellte sich vor einigen Tagen ein etwas (sehr) untersetztes, chinesisches Mädchen undefinierbaren Alters (irgendwo zwischen 15 und 30) bei mir vor. Während ich noch versuchte unter unzähligen knallpinken Kleidungsstücken das Gesicht zu identifizieren und die aufkeimende Assoziation zu einem Punschkrapfen zu unterdrücken, hatte sie mir bereits freudestrahlend den deutschen Namen genannt, den sie von ihrem Deutschlehrer in der Schule erhalten hatte....
Bonbon
...für weitere freudige Momente sorgte bis heute ein Schüler namens Ulrich(gott sei Dank wenigstens einer mit halbwegs ordentlichem Namen), der vor geraumer Zeit die Phrase des
blau seins als Synonym für Unkenntnis verstanden hatte. Schon zweimal wurde er vom Botschaftsbeamten (Muttersprache Deutsch) abgelehnt, weil er mit breitem Grinsen um 8 Uhr früh vor seinem Schreibtisch stand und sagte:
Jajajaja.....ich verstehe nicht, ich bin leider blau!"
...und die beste Geschichte, habe ich euch gestern leider aus Zeitmangel unterschlagen...steht ein Schüler doch tatsächlich vor einigen Wochen vor, weil er zu spät zum Unterricht kam, holt tief Luft und erklärt aus dem Brustton der Überzeugung:
Bevor ich nach Deutschland gehe, muss ich in die Führerschule!"....dass man in der "Führerschule" seinen Führerschein bekommt, hätte aber auch eine gewisse Logik....
2 Comments -
Add Public Comment or
Send Private Message
Hey das mit dem Punschkrapferl ist ja wenigstens noch halbwegs lieb aber das andere ist schon ein wenig skurril. Ich mein es ist schon lustig andere zu verarschen aber irgendwo hört sich der Spaß auf und ich denke der eigentliche Auftrag ist es den unterdrücken Krabben in Fern Ost ein wenig aufzubauen und vernünftige (brauchbare) Deutschkenntnisse beizubringen. Also "Klapfen und Leis" ist gestattet aber der Rest sollte schon Ordnungsgemäß abgehen denn wie sagt man bei uns so schön: SCHNAPS ist SCHNAPS und JOB ist JOB also bin ich froh das nun jemand Deutsch lehrt der das ERNST nimmt mein Freund!!!!
Eine Freundin hat eine ganze Diplomarbeit verfasst, die sich nur mit kulturellen Missverständnissen befasst. Das ist ein sehr weites und manchmal amüsantes Gebiet.
Ein türkischer Kollege wurde von netten Freunden zu seiner heimlich Angebeteten (Muttersprache Österreichisch) mit folgender Frage geschickt: „Willst du schustern?“
(OK, die Geschichte ist schon 25 Jahre alt und damals hat man solche Ausdrücke verwendet!) :-)
Add Comment
All Comments