Da ich nun wohl schon reichlich Eigenartiges, Lustiges und Grausliches über mein hochgeschätztes Gastland berichtet habe, muss ich an dieser Stelle wohl auch einmal die wirklich schönen Aspekte würdigen:
So haben wir am Sonntag zum ersten Mal einen Ausflug ausserhalb von Beijing gemacht, genauer gesagt in die Duftberge, eine Art überdimensionierter Lainzer Tiergarten Pekings. Dort, am Fuße der mächtigen Berge, die Beijing im Nordwesten begrenzen, befindet sich das Naherholungsgebiet smoggeplagter Städter und Ziel unzähliger Touristen aus ganz China. Interessant zu beobachten ist, dass Tourismus sich in wohl allen Ländern der Welt ähnlich abspielt. So wurden vor den Toren des Parks ein etwas künstlich anmutendes chinesisch Dorf hingepflanzt, in dem es Snacks zu mitteleuropäischen Innenstadtpreisen, original chinesisches Kunsthandwerk aus Taiwan und nette Saxophonspielende Weinachtsmänner(!) zu kaufen gibt.
Das innere des Areals entpuppt sich als sehr schön aufgeforstetes Gebiet mit betonierten Wegen und Steinen, Tempeln, Teehäusern, Straßenhändlern und unzähligen Chinesen. Bemerkenswert dabei ist, dass der Chinese, der in den Straßen Beijings sonst mit unendlicher Gemächlichkeit dahinschlendert, bei einer Steigung über 10% zur Bergziege mutiert und wie ein wilder steile Hänge hinaufläuft. Nach einstündiger, schweißtreibender Wanderung über 1035 Stufen, wird man dann allerdings mit einer großartigen Aussicht über Beijing und die benachbarten
Atomkraftwerke belohnt...
Um auch den gebrechlicheren und fauleren Touristen diesen Anblick nicht vorzuenthalten, gibt es sogar eine Seilbahn auf den Gipfel des Hauptberges - diese sehr chinesische Konstruktion war jedoch wegen eines, freiübersetzt, "Betriebsfehlers kurzzeitig ausser Betrieb" - der Grund warum wir letzte Endes heilfroh waren, zu Fuss unterwegs gewesen zu sein, kann der geschätze Leser dem entsprechenden Foto entnehmen...
Andere wahrhaft herrlichen Gründe um dieses Land zu lieben sollen weitere Fotos illustrieren: So sieht man hier unser sonntägliches Mittagessen in einem Lokal einer muslimischen Minderheit, den Namen kann ich zwar aussprechen aber nicht schreiben kann, das hier eigentlich als unser Lieblings- und Stammlokal gilt. Das Essen erinnert etwas an türkisches Essen, vor allem die kleinen Lammspieße sind genial! Die sonstigen Inhaltstoffe sind nicht wirklich zu definieren, aber das Gesamtergebnis stimmt. Vor allem stimmt aber auch der Preis: Ich war dran die Futterrunde zu schmeißen und hab um 110RMB(ca 11 Euro) vier Leute pappsatt bekommen...
Auch meine spätinfantile Phase, in die mich meine tagtägliche Ernährung zurückversetzt, hat neuen Nährboden bekommen. So durfte ich mir gestern während dem Wäschewaschen mit Stefan die Abenteuer von Benjamin Blümchen anhören, die er seinen Schülern zwecks deutschen Hörverständnis vorspielt. Und nach über
zwei Wochen ohne Fernseher, scheint sogar
Benjamin Blümchen als Pirat spannender als CSI...