Zwar bin ich schon wieder ewig lange zurück in Deutschland und konnte mich hier bisher gar nicht mehr dazu aufraffen auch meine letzten Reiseabschnitte noch aufs Papier zu bringen, aber aufgrund des mehrfach geäußerten Wunsches setze ich mich jetzt noch einmal hin und sorge „posthum“ dafür, dass meine Reise auch auf dem Papier eine runde Sache wird und zum Abschluss kommt.
Mein letzter Blogeintrag befasste sich mit Vietnam. In Vietnam über Vietnam zu schreiben ist eine Sache, aber jetzt meine Gedanken vom so wohl organisierten Deutschland zurück nach Kambodscha, das mit Abstand ärmste Land das ich gesehen habe, schweifen zu lassen ist schon irgendwie skurril, besonders, wenn ich daran denke wie „nett“ mein Aufenthalt dort doch begonnen hatte…
Zwar hatte ich schon viel über diese abzockerischen Busunternehmen in Südostasien gehört, aber nach gut fünfzig Tagen in der Region und bereits über hundertfünfzig Stunden Buserfahrung, dachte ich, dass mir so etwas wohl nicht mehr passieren würde. Am Ende kam es dann doch anders!
Als ich am Vorabend das Bus- und Bootsticket nach Phnom Penh, der Hauptstadt von Kambodscha, gekauft habe, kam mir dieses zwar günstig vor, es war aber mit acht Dollar nicht so weit unter dem Durchschnittspreis, dass es
mir verdächtig vorgekommen wäre, weil jeder Reisende hier weiß, kaufe niemals ein zu günstiges Ticket, am Ende zahlt man doch viel mehr.
Das Ganze funktioniert in der Theorie so: Die Tickets sind erst einmal sehr günstig, denn die richtige Kohle machen die Unternehmen dadurch, dass sie von maßlos überteuerten Restaurants an der Strecke und Hotels am Zielort bestochen werden dort zu halten (natürlich liegen diese auch immer so, dass man weit und breit keine Alternative hat) und nicht an den konventionellen Rastplätzen.
Und in meinem Falle sah es auch ziemlich genau so aus: Morgens um acht Uhr ging es los mit dem Boot bis zur vietnamesisch-kambodschanischen Grenze, um 14 Uhr dort angekommen wurden an einem Rastplatz angehalten, wo verhältnismäßig sehr schlechtes Essen für den beinahe zehnfachen Preis angeboten wird. Auf das Essen könnte man notfalls noch verzichten, aber bei 35 Grad ist man mindestens dazu gezwungen Getränke zu kaufen. Das Alles ist zwar schön und gut, aber wenn man dann sieht wie die Fahrer ein mehrgängiges Essen kostenlos vorgesetzt bekommen und am Ende auch noch vor unseren Augen noch ein Bündel Dollarnoten als Dankeschön zugesteckt bekommt, ist es mit dem Verständnis spätestens vorbei. Weiter ging es dann noch einmal vier
Stunden mit dem Boot weiter auf dem Mekong bis nach Phnom Penh. Dort angekommen ging das Spiel dann in die nächste Runde. Zwar waren es maximal dreißig Minuten vom Flussufer in die Innenstadt, doch wenn man einen Touristen vor Einbruch der Dunkelheit vor einem Hotel absetzt, besteht noch die Gefahr, dass er sich gegen dieses entscheidet, also wurden wir alle noch einmal für fast drei Stunden ohne Ziel im Bus durch die Außenbezirke von Phnom Penh gekarrt, nur damit es dunkel wird und wir Touris uns nicht mehr trauten durch das bei Nacht definitiv nicht zu empfehlende Phnom Penh zu laufen. Dann gegen 22 Uhr wurden wir vor einem ziemlich schäbigen, vollkommen überteuerten Hotel in einem der auch für Phnom Penh’sche Verhältnisse heruntergekommenen Außenbezirke ausgesetzt. Die Zimmer hätten nach hiesigen Standards maximal drei Dollar die Nacht kosten dürfen, verlangt wurden aber komischerweise fünfundzwanzig Dollar. Fast alle haben eingecheckt, da ich aber schon dermaßen sauer gewesen bin habe ich mich entschieden, mich so schnell wie möglich von diesem Ort und diesem Mafia-Reiseunternehmen zu distanzieren und bin erst einmal ziellos ein paar Straßenblöcke weit weggelaufen.
Als weißer Tourist mit Gepäck bei Nacht durch Phnom Penh zu laufen ist ungefähr so, wie
mit einer blutenden Wunde im Haifischbecken zu schwimmen, man macht es einfach nicht. - Im Endeffekt habe ich dann mit mehr Glück als Verstand und jeder Menge Unbehagen nach neunzig Minuten Marsch durch die Millionenstadt ein unter diesen Umständen akzeptables Hotelzimmer gefunden. Für vier Dollar die Nacht. Könnt ihr mal sehen, ihr Busfahrerarschlöcher!
Nach so einem eher unguten Start in Phnom Penh, hatte es die Stadt alles andere als einfach, doch noch in mein Herz geschlossen zu werden. Letztendlich hat sie es dann auch nicht geschafft.
Nach den ganzen Strapazen am Vortag und da ich mich sowieso schon nicht allzu gut gefühlt habe, wollte ich eigentlich nur ein wenig durch die Stadt schlendern und es sehr ruhig angehen lassen. Leider ist P.P. nicht die Stadt zum flanieren, da die Armut überall gegenwärtig ist und man andauernd von bettelnden Kindern und verstümmelten Bürgerkriegsveteranen belagert wird. Also habe ich mich schnell mit etwas Essen und Getränken, sowie ein paar gebrauchten Krimis aus dem Second-Hand Buchladen versorgt und mich für den Rest des Tages auf mein Zimmer zurückgezogen.
Am nächsten Tag war ich wieder einigermaßen relaxed und wollte mir so die Highlights von P.P. ansehen, bevor ich der Stadt so
schnell wie möglich den Rücken kehre. Highlights hieß in jenem Falle die Killing Fields der Roten Khmer, Totenkopf-Pagode und Tuol Sleng (Foltergefängnis). Alles keine Orte aus der Kategorie „Schön“, aber man kann nicht nach Kambodscha kommen, ohne diese Orte zu besichtigen.
Damit ihr eine etwaige Vorstellung von dem was ich schreibe habt, werde ich erst einmal versuchen so gut wie ich selbst Bescheid weiß, etwas zur jüngeren Geschichte Kambodschas zu schreiben:
Zur gleichen Zeit als im Nachbarland Vietnam der Krieg sich dem Ende neigte, ging auch in Kambodscha ein langjähriger Bürgerkrieg zu Ende, der ebenfalls eine pseudo-kommunistische Regierung nach sich zog. Die Gewinner, die „Roten Khmer“ begannen unter ihrem Anführer Pol Pot eine Schreckensherrschaft und ein Gemetzel vergleichbar mit dem Holocaust. Während ihrer Herrschaft von 1975 bis 79 starben so gut 2 Millionen Menschen in Arbeits- und Konzentrationslagern, was jedem vierten Einwohner entspricht. Opfer war jeder der gebildet war, lesen und schreiben konnte, eine Fremdsprache sprach, im Ausland gelebt hatte, oder einfach nur durch das Tragen einer Brille gebildet aussah. Das Ziel war es ein Volk zu züchten was blind und ohne Nachdenken den Herrschern folgte.
Noch heute merkt man, dass das Chaos im Lande zu großen Teilen aus
dem Mangel an gebildeten Bürgern besteht.
Die Orte des Grauens zu besichtigen ging mir sehr nah, da die Ausstellungen zum einen nicht von sehr vielen Touristen besucht werden, wodurch die Stimmung nicht, wie so oft, zerstört wird, und zum anderen sehr puristisch gehalten werden, so dass man sich sehr gut vorstellen kann, wie es hier vor vierzig Jahren zugegangen ist. Der Tag hat mich schon sehr mitgenommen, aber ich bin im Nachhinein sehr froh darüber, dass ich die Orte gesehen und mich über deren Geschichte informiert habe.
Trotz alledem hielt mich nichts mehr in Phnomh Penh. Für mich hieß es „Noch einmal Schlafen und ich bin in Angkor Wat“ ...
Part of trip:
The Banana Pancake Loop