Hallo nach Deutschland. Uns gehts weiterhin gut und wir haben gehoert, dass auch ihr mit sommerlichen Temperaturen zu kaempfen habt ...
An dieser Stelle uebrigens ein grosses Dankeschoen an all die Nachrichten, die wir ueber diese Seite erhalten.
Wir schreiben euch gerade aus Siem Reap (im Norden von Kambodscha, beim See Tonle Sap und der Tempelanlage Angkor Wat). Und es ist wieder mal viel passiert:
Aber erst einmal der Reihe nach. Wie geplant sind wir nach dem letzten Blog von Phnom Penh in die Schule von Sorya.org gefahren. Kurz zusammengefasst: ein kleines Dorf, ausserhalb, wie man es sich vorstellt: ca. 100 Familien, viele (frei herumlaufende) Kuehe, Schweine und Huehner (Haehne kraehen ab 04.00 morgens ... danke dafuer...) und ueberall asiatische Freundlichkeit. Bei einem Spaziergang durchs Dorf fuehlt man sich fast wie ein Promi, alle rufen 'Hello, How are you...'. Viele Kinder begleiten einen. Jedenfalls durften wir durch Hamburger Connections in einer frei organisierten Schule relativ freestyle-maessig am Schulleben teilnehmen. So haben wir die Schulbaenke gestrichen und etwas Unterricht gegeben (englisch und deutsch). Es war eine krasse Erfahrung das 'wahre' kambodschanische Dorfleben kennenzulernen. Der Dorfsee wird zum Baden (von Mensch und Tier), und wenn das Regenwasser leer ist
auch zum Trinken genutzt (wenn sogar das Seewasser verdunstet ist, sind die Menschen auf die Regierung angewiesen). Die Rentenversicherung heisst Kuh oder Schwein und von Bank hat hier noch keiner was gehoert (unser Tuk-Tuk-Fahrer wusste nicht wie E-Mail funktioniert

)
Familienleben heisst 3 Generationen leben in einem kleinen Haus auf Stelzen zusammen, alle Tiere sind im Alltagsleben perfekt integriert. Als wir am spaeten abend dem Geschrei im Dorf nachgingen, fanden wir das halbe Dorf bei einem Reisbauern im Hof stehen. Die Maenner des Dorfes (darunter ganz viele Schueler von uns - die um diese Uhrzeit noch arbeiten mussten) standen im Kreis und haben den getrockneten Reis geklopft. Ging ganz schnell und Tini wurde mit Haenden und Fuessen erklaert, dass sich die Nachbarn, rund herum gegenseitig helfen, dass nennt man Nachbarschaftshilfe!!! Und ruckizucki stand Tini mittendrin und klopfte fleissig mit (staubige, anstrengende Arbeit und der Reis schmeckt danach viel besser). Abschliessend noch 2 kleine Anekdoten:
1) Gastfreundlicher Moench Bei einem Spaziergang durch das Dorf fanden wir eine kleine Ruine, wo offensichtlich ein Moench lebte, der leider nicht anwesend war- dachten wir jedenfalls. Also schnell ein Erinnerungsfoto von seinem Buddha-Schrein und seiner Schlafnische gemacht und weg. In diesem
Moment kam er schlaftrunken aus seinem 'Versteck' (schlafen am Tag ist hier ja sehr beliebt) und grinste uns an. 'Oh Oh' den haben wir wohl geweckt. Und da wir leider weder Weihrauch noch Myrre zur Hand hatten, gab es eine Packung 'Airways-Kaugummies' als kleine Entschuldigung. Sichtlich erfreut, holte er seine Besuchermatte heraus und sein gesamte Vorratskammer kam zum Vorschein: Kokosnuesse, Flusswasser, kleine Kekse und undefinierbare 'Koestlichkeiten', sogar irgendwann einmal gekochtes wurde uns angeboten...So sassen wir dann da, assen und grinsten und unterhielten uns (er 3 Woerter englisch, wir 2,5 Woerter Khmer-Sprache) ... Es war auf jeden Fall etwas sehr besonderes in dieser Ruine mit einem Moench zu sitzen ... sehr sehr cool. Die Packung Airways kaute er uebrigens innerhalb von 10 Min leer .... Wir haben irgendwie verstanden, dass er wohl gerne mehr englisch sprechen wuerde, so sind wir den naechsten Tag mit Englisch Buch, Block und Wuerth Kuli noch einmal vorbeigegangen und haben unterrichtet. Wie hier ueblich wurde das Dorf wohl davon informiert und am zweiten Tag wurde unser Besuch von mind 10 Kindern und 4 Doerflern begleitet.
2) Essen bei einer Studentin in Phnom Penh Durch die 2 Volontaere bei Sorya erhielten wir eine
Kids von SoryaDiese Jungs bearbeiten gerade ein Wespennest mit einem Stock...
Einladung zum italienisch Kochen fuer eine Studentin und Lehrerin von Sorya (namens Kim-Net). Sie teilte sich ein Zimmer mit 3 anderen Maedels am Rande von Phnom Penh. Als wir ankamen, das uebliche grosse Hallo fuer die Auslaender in der Strasse. In ihrem Zimmer waren 2 Maedels, jedoch keine Spur von Kim-Net. Nach einigen vergeblichen Kommunikationsversuchen und viel Gegrinse, fingen wir einfach an unsere mitgebrachten Lebensmittel (Cola, Nudeln, Gemuese und Kekse) auszupacken. ...immer noch keine Spur von Kim-Net. Wir fragten, ob wir vielleicht schon mal anfangen sollten? 'Ich wohne gar nicht hier', sagte eines der Maedels und verschwand freundlich laechelnd, waehrend wir anfingen mit Schweizer Offizierstaschenmesser Gemuese zu zerscneiden. Die Mitbewohnerin schleppte ploetzlich den Hausstand der Nachbarn (2te Kochstelle, Teller etc) heran und ein anderer Nachbar wollte Karaoke fuer uns singen und versuchte die Musikanlage anzustellen. Das war nicht so einfach, denn der Stecker war verbogen. Nicht so schlimmm, er steckte einfach Schokoladen-Alu-Folie in die Steckdose... Messer Schere Gabel Licht ... und so blitze es aus der Steckdose und das Lichte blinkte heftig auf. Wir fanden es nicht so lustig, er aber liess sicht nicht beirren und machte fleissig weiter .... Das Ende vom Lied: sehr sehr laute Khmer-Schnulzen Musik, dazu
wir Pasta kochend und alle 10 Minuten kommt ein anderer Nachbar, um sich das Spektakel naeher anzuschauen... weiterhin von Kim-Net keine Spur. Lecker war es trotzdem und die Nachbarn mussten/durften alle probieren. Jetzt mussten mal die Khmer neues ausprobieren und immer schoen den Teller leer essen

'its nice, but I dont like'. Kim-Net kam leider erst als alle satt waren und wir uns auf dem Heimweg machen mussten.
Nach Sorya sind wir dann mit dem Bus ca. 6h nach Siem Reap gefahren. Die Highlights kurz zusammengefasst:
1) Landminenmuseum & kurzer Geschichtseinblick
Ein ehemaliger Khmer-Rouge Kindersoldat hat ein Landminenmuseum eroeffnet was sich nur durch Spenden finanziert, und vor allem Aufklaerungsarbeit leistet. Er selbst ist mittlerweile Minen-Entschaerfer und bildet Landbewohner aus. Zudem unterstuetzt er Landminenopfer, indem er ihnen Unterkunft und Bildung bietet, die Fuerhungen werden dafuer von den Opfern durchgefuehrt. (Fuer 2 US$ koennen 3 Minen aufgespuert und entschaerft werden.)
Das Museum besteht aus vielen realen Kriegsbildern und zeigt, zum einen wie grausam die Landminen sind und wie viel Unheil sie HEUTE noch in Kambodscha anrichten. Daneben zeigt der Besitzer Fotos aus seiner Kindheit als Soldat und stellt viele interne Rote-Khmer Fotos aus. In diesem Museum
Silbersee Kuh bei SoryaHallo Wiebke, die Kuh ist bester Laune und perfekt in die Familie integriert, wie du siehst :-). Sehr fotogen ...
wurden uns die Fakten vor Auge gefuehrt, mit welchen wir schon, seitdem wir im Land sind, konfrontiert werden. (wir haben z.B. unsere aeltern Schueler nach der Vergangenheit und Gegenwark im Land gefragt - wohl ein kritisches Thema, nur verlegenes in die Luft gucken, noch nicht einmal ueber die aktuelle politische Situation wird offen gesprochen). Es ist so, dass es ueberall Landminenopfer gibt (ca. jeder 250te ist betroffen), dass noch unheimlich viele Minen im Land versteut sind und Reisbauern und Kinder taeglich bedrohen.
Kurze zur Geschichte Kambodschas:
- In den 70er begann der Buergerkrieg in K. und die Monarchie wurde abgeloest. Die USA unterstuetzen die Khmer Rouge (Pol Pot)
- 1975 kommen die Khmer Rouge an die Macht und verursachen eine mit Hitler vergleichbare Menschenabschlachtung (jeder 4te ist umgekommen!!!). Die Hauptstadt Phnom Pehn (1,2 Mio Einwohner) wird komplett geraeumt (nur 25.000 Menschen bleiben=Familien der Roten Khmer) (Empfehlenswerter Film: Killing Fields mit John Malkovich.)
Ziel der roten Khmer: Familien und Dorfstrukturen aufzugeben, Ausschaltung der Mittelschicht und der intelektuellen Elite, um einen Argrarsozialismus zu schaffen. d.h. es wurden Arbeitslager unter menschenverachtenden Bedingenungen errichtet (wir haben z.B. Lehrer von Sorya danch befragt, und viele waren selbst in Arbeitslagern, die Erinnerungen: als Kind von der Familie getrennt, Hunger und 15h Arbeit am Tag)
- 1979 endet die Macht der Khmer Rouge, es herrscht jedoch Guerilla Krieg bis Ende der 80er
- 1992 kommt die UNO ins Land (Deutschlands erster Einsatz) Sie brachten den Frieden ins Land und ironischer Weise auch den HIV-Virus.
Aber keine Angst, seitdem hat sich viel veraendert und es ist ein super Reiseland geworden, dennoch bleibt es ein Entwicklungsland, dies wurde uns vorallem bei einem Besuch in einem Kinderkrankenhaus deutlich. Wir besuchten einen Vortrag von dem Gruender (ein schweizer Arzt), der seit einigen Jahren im Land ist und drei Krankenhaeuser fuer Kinder gegruendet hat. Diese finanzieren sich nur durch Spenden, dafuer werden alle Kinder umsonst behandelt. Und wir haben mit eigenen Augen gesehen, wie die Eltern mit ihren kranken Kinder nachts vor dem Krankenhaus sitzen und auf Behandlung warten...80% der Kinder in Kambodscha werden von diesen Hospitalen behandelt.
Abschliessend noch eine schoene Geschichte. In Siem Reap ist eine beruehmte Tempelstadt (Angkor Wat), welche wir uns natuerlich angeschaut haben. Es handelt sich um das groesste religioese Bauwerk der Welt. Dafuer sind wir tatsaechlich um 4 Uhr aus den Federn, um den Sonnenaufgang mitzunehmen.... wunderschoen, aber nicht
nur wir hatten die Idee ..

.. Trotz der heissen Temperatur haben wir uns den ganzen Tag Tempel mitten im Dschungel und viele schoene Ruinen angeschaut. Nach dem Sonnenungergang auf einem Berg gings wohlverdient ins Hostel.
Soweit zu Kambodscha. Morgen frueh um 7 gehts Richtung Phnom Penh, um von dort aus mit einem Boot (soweit genug Wasser im Fluss...) Richtung Vietnam und ueber das Mekong Delta nach Ho Chi Minh City zu gelangen. Also, Bye Bye Cambodia und Hello Vietnam.
Blick in MiniBusEs passen bis zu 18 Leute in und auf einen Bulli... Top die Wette gilt !!!
2 Comments -
Add Public Comment or
Send Private MessageIch hoffe, dass das unser Geschenk war und Ihr es immer schön im Einsatz habt!! Mit einem Taschenmesser kommt man um die Welt. Viel Spass weiterhin !! Hadde
Hallo Zusammen!!!
Schön das bei Euch soweit alles rund läuft!!
Bin leider noch der letzte in Greifswald ohne Internet.
Kriege aber am Wk ne Flatrate.Melde mich dann mal öfter!
Bleibt Gesund und munter,euer Jan
Add CommentAll Comments