Heute heißt es früh aufgestanden, Sachen packen, schnell auschecken (nachdem es ewig dauerte jemanden dafür zu finden) und das Gepäck in die Backstreet Hostel bringen, die auch etwas abseits von der West-Street liegt, und es somit lärm-mäßig keine Probleme geben sollte. Dass mit dem vorbestellten Frühstück hat natürlich nicht funktioniert, doch einen Müsli-Obst-Joghurt zu machen, geht zum Glück auch hier recht schnell, so dass ich rechtzeitig fertig bin, als ich gegen 7Uhr mit einem Minibus abgeholt werde.
Die kurzzeitige Freude einer kleinen Gruppe verlässt mich, als ich zu einem Sammelplatz gefahren werde, wo nach und nach etwa 30-40 Leute eintreffen, darunter auch drei Deutsche, die vier Italiener, einige Franzosen, Holländer, sicher noch ein paar andere Nationalitäten und natürlich Chinesen.
Dann nähert sich auch endlich ein Reisebus, wo dann alle Platz finden und auch das Reisegepäck einiger Teilnehmer untergebracht werden kann.
Wenn man Worte in seiner Muttersprache hört, fällt einem auch schnell wieder ein, dass man Englisch ja eigentlich nur angelernt hat, auch wenn ich mich in China schon über englische Worte riesig freue und es ein heimatliches Gefühl gibt (ich weiß, es klingt merkwürdig - ist es auch).
So sitze ich also mit den drei anderen Deutschen zusammen und lausche Geschichten
rice terraces2The ponies have to carry all heavy things like stones or sacks up the hills.
aus einem sechsmonatigen Aufenthalt in Suzhou. Dorthin soll mein Reiseweg mich auch später noch führen. Und ich staune, dass die beiden Mädels auf Urlaub hier sind, und eigentlich nur auf der Durchreise von Shanghai an den Strand nach Thailand wollen. Ja, ja, solche Touristen gibt es doch überall.
Unser local guide Tiger (wonach die Chinesen sich nur ihre englischen Namen aussuchen?) begrüßt uns recht freundlich und stellt uns das Tagesprogramm vor. Nach seinen Worten brauchen wir mindestens 3,5 h für eine Fahrtstrecke, werden nur 2h vor Ort sein (in der Agency waren es noch 4h) und anschließend in Guilin noch ein South China Pearl Museum besichtigen. “Ach, so ne Verkaufsshow“, meint mein deutscher Sitznachbar nur dazu. Wir sind alle nicht gerade begeistert, doch dies sei von der Regierung so verlangt.
Abwarten, was der Tag also bringt…
Mit Plaudereien, kurzen Nickerchen oder einfach nur die Landschaft beschauen, vertreiben wir uns alle die Zeit. Es wird ein kurzer Stopp bei einer Tankstelle eingelegt. Dort gibt es diesmal zwar richtige chinesische Toiletten, aber dafür ist der Geruch schlimmer als auf dem deutschen Lande.
Auf der Weiterfahrt erfahren wir dann, dass wir vor den Reisterrassen noch Halt bei einem anderen Dorf machen, um dort
traditional handworkThe women in the village having endless hair and doing traditional stitch handwork.
eine Performance von den traditionell gekleideten Frauen sehen werden, die bodenlange Haare haben, und sie beim Knotenbinden beobachten können.
Wie dafür nochmal 40 Minuten der Reisterrasen opfern und 40,-RMB zahlen?
Nein, danke!
Die erste Hälfte des Busses scheint recht anstandslos zu bezahlen. Aber nicht mit uns: so sind die Deutschen eben, die lassen sich nichts ’all inclusiv’ verkaufen, und zahlen dann später was extra. Nach einer kurzen Diskussion und strikter Ablehnung, lassen wir Tiger weiter nach hinten durchgehen, und ich nehme mir vorher eine passende Lösung anschließend zu finden.
Doch dazu soll es gar nicht mehr kommen.
Die Italiener von der letzten Bank scheinen mit dieser Idee auch nicht einverstanden zu sein. Jetzt gibt es keinen Zweifel mehr an ihrer Nationalität, das ist echtes italienisches Temperament. Die gesamte Busbesatzung kann das ‚Gespräch’ mitverfolgen, zumindest das strikte No! des Italieners.
So die Deutschen sind also mit ihrer Ablehnung nicht mehr allein, und auch eine junge Französin, die mit ihrem Vater und seiner Frau reist, versucht zu vermitteln.
Leider kann ich diese Diskussion und Temperamentausbrüche nicht wirklich in Worte fassen, um die richtige Stimmung wiederzugeben.
Nur soviel: viele klare Worte werden gesprochen, alle Reiseteilnehmer scheinen nicht davon begeistert zu sein, auch wenn
sie wortlos bezahlt haben, keiner möchte diese Performance unbedingt sehen, alle haben das gleiche ’all inclusiv’-Angebot, und mit einer gewissen Beharrlichkeit und Sturheit wird aus dem Tiger schnell ein Schmusekätzchen. Obwohl er mir und der Französin schon ein wenig leid tut, denn er hat schließlich auch nur seine Aufträge zu erfüllen.
Schließlich gibt er allen ihr Geld zurück, und wir fahren ohne Stopp an den paar Holzhäusern vorbei, die so gar nicht alt und traditionell aussehen, sondern eher wie für Touristen erschaffen.
So erreichen wir gegen halb 12 einen großen Schotterparkplatz, wo viele von diesen bereits erwähnten Frauen auf uns warten. Warten ist gut gesagt, es ähnelte mehr dem Empfang eines Popstars und der Fußballnationalmannschaft, so sehr kleben sie von außen an den Scheiben.
Nun gut, es sind nur so etwa 20 Frauen, also kein großer Massenauflauf, aber trotzdem.
Kaum aus dem Bus ausgestiegen, werden uns alle möglichen Souvenirs angeboten und sich mit wenigen Englischen und Chinesischen Brocken über unsere Herkunftsländer unterhalten.
So lerne ich auch eine Österreicherin kennen, die etwas Land und Kultur interessierter zu sein scheint als die Deutschen.
Zu Fuß geht es in Richtung Dazhai Village, das echt und alt aussieht. Dann geht es bergauf. Über kleine
Stufen erklimmen wir schwitzend den Ausgangspunkt unserer Erkundungstour, ein Restaurant. Vorgesehen ist es, dass wir alle zu Mittag essen. Doch mit Keksen und Äpfeln habe ich gut vorgesorgt und bin angesichts der Preise sehr dankbar. So nehmen die meisten nur einen kleinen Snack zu sich. Von dort aus, soll es dann in kleinen Gruppen mit den Frauen als Guide zur Wanderung durch die Reisfelder gehen.
Die Frauen tragen alle ihre traditionellen und handgestickten und genähten Trachten und haben ihr Haar unter ihren Hüten auf dem Kopf verknotet. Nicht hübsch, aber sicher einzigartig.
Die Frauen haben auf ihrem Rücken alle jeweils einen Bastkorb, um Lasten die ‚Berge’ hoch zu tragen. Alles was nicht mit menschlicher Kraft zu bewerkstelligen ist, wird Ponys oder kleinen Pferdchen auf den Rücken geschnallt. Sie sind wirklich nur ponygroß, haben Hufe viel, viel kleiner als Lilli, und haben z.T. Lasten zu tragen, wie ich es mir gar nicht ausrechnen möchte - und das über Wege, steile Treppen, bergauf und bergab, und die Verschnürungsweise sieht zweifelhaft aus, aber scheint zu halten. Etwa 3 Backsteine nebeneinander, 2 voreinander, jede Seite mindestens 5-6 Reihen hoch, macht insgesamt so 60 Steine auf dem Rücken. Wie viele fährt man noch mal auf
filled with waterSo every terrace in the whole area should look like this when it is summer.
einmal auf der Schubkarre spazieren und vor allem wie oft am Tag?
Doch die Dorfbewohner wissen die Arbeit der pferdestarken Ponys zu schätzen, alle sehen im Fell-, Futter- und Hufzustand recht passabel bis sehr gut aus.
Mit den Italienern und 3 Frauen geht es dann schließlich los auf den Rundweg.
Carlo, Giuseppe und Francesco (ich hatte keinen Zweifel mehr daran, dass sie aus Italien stammen) haben gerade ihren Abschluss gemacht, und Maria Theresa (Teta ist ihr lieber), Carlos Schwester, hat sich ihnen spontan angeschlossen. Schon sehr lustig, die ersten Italiener, die ich in China treffe.
Auf kleinen Trampelwegen wandern wir also entlang der Terrassen. Zu dieser Jahreszeit sind sie alle mit einem leichten Hauch von Grün bereits bedeckt, doch das Wasser fehlt noch. Dies wird bis Ende Mai eingefüllt. In einigen Stufen steht schon/noch Wasser und lässt uns vermuten, wie es später im Jahr aussehen soll.
Von einigen Aussichtspunkten haben wir trotz leider recht trüben Wetters eine relativ gute Sicht auf die einzelnen Reishügel. Einige Plätze laden richtig zum Verweilen ein, doch mit einem „qu, qu, qu“ (sprich: tschü), werden wir davon abgehalten, natürlich nur soweit wir uns treiben lassen ;-).
Nach nur knapp 2 Stunden erreichen wir wieder das
Dorf. Kaum angekommen holen die Frauen ihre Souvenirs aller Art, von Kissen, Schürzen, Taschen herbei. Kein Wunder, dass wir nicht oben in den grünen Hügeln rasten sollten.
Mit ein paar gekauften Postkarten erfülle ich meine Pflicht und werde in Ruhe gelassen. Manche Stickereien sind wirklich recht schön, sehr farbenfroh, doch was macht man damit? Viele Stoffstücke kann ich gar nicht als einen Gebrauchgegenstand identifizieren.
Nach und nach trudeln alle Teilnehmer ein. Die Chinesin Sabrina vom Vortag wird mit ihrem Freund in dem Dorf übernachten, zwei Schweden lassen sich auf dem Rückweg an einer nahen Haltebucht absetzen. Es ist sehr verlockend, in dieser Gegend noch ein wenig länger zu verweilen, doch es ist bereits recht wolkig und der Wetterbericht sagt von Norden her Regen herbei - und außerdem gibt es in Yangshuo für mich noch genug zu entdecken.
Etwa gegen halb drei geht es wieder zurück, erst über die holprigen, steinigen Wege des Reisterrasengebietes, bevor wir nach 30 Minuten die asphaltierte Straße wieder erreichen.
Auf dem Rückweg plaudere ich ein wenig mit der Österreicherin Maria, die gerade ein halbes Jahr unbezahlten Urlaub hat, und die Welt unsicher macht.
Nach einer Weile fällt der Bus in ein Schweigen, mehr oder weniger schläft alles, und so muss mich Tiger ein wenig unterhalten.
Dann halten wir plötzlich mitten auf der Straße und langweilig und warm wie mir ist, muss ich doch mal nach dem Grund schauen. Der Fahrer steht hinten am Motor und unten strömt Wasser aus. Eine Panne!
Schmunzelnd sehen wir uns schon alle das ‚schöne Museum’ streichen. Nach etwa einer ¾ Stunde ist das Loch abgedichtet und neues Wasser aus dem Fluss neben der Straße wieder aufgefüllt. Es geht weiter.
Mit Einbrechen der Dämmerung erreichen wir endlich Guilin und das South China Pearl Museum. Das müssen wir uns anschauen, der Politik sei Dank. Wie erwartet, handelt es sich um eine 5-minütige Führung, mit der Betonung, weshalb diese Perlen doch so echt und einzigartig sind. Dann geht es in den Verkaufraum, wo wir uns alle ein wenig fehl am Platz fühlen: nach einem langen Tag, durchgeschwitzt und z.T. gerade erst wieder aufgewacht neben glänzenden Perlenketten und Preisschildern, die größere Zahlen beziffern, als ich für die gesamte Reise eingeplant habe.
So laufen wir kurz durch die Reihen und wenden uns dann alle gemeinsam dem Ausgang zu.
Kurz darauf halten wir noch am Busbahnhof, wo bereits viele Aussteigen. Deswegen hatten die auch alle ihr Gepäck mitgebracht. Auch die Italiener steigen aus, denn sie werden am folgenden Tag nach Shanghai fliegen, und dann wieder nach Hause.
Nach einer guten weiteren Stunde erreichen wir übrigen Yangshuo.
Ich gehe mit Maria zum Abendessen ins Global Cafe. Für mich gibt es leckeres Reis-Curry-Hühnchen mit Gemüse, und nebenbei kann man noch kostenlos das Internet nutzen.
Der Wetterbericht sagt leider nichts Gutes voraus, und so verabreden Maria und ich uns morgen früh erstmal zum Frühstücken im Cafe gegenüber (es gibt ja soviel Auswahl hier) und werden dann mal schauen, ob die geplante Fahrradtour klappt.
Ich schlendere anschließend noch ein wenig durch die West-Street und die angrenzenden kleinen Shops. Ich sehe zufällig den Australier draußen vor seiner Guesthouse-Bar sitzen, und ich kann mich für seine hilfreiche Einführung bedanken. Wir scherzen über die Genauigkeit des Wetterberichts, bevor ich mich weiter die Straße in Richtung Hostel begebe. Kurz vor Mitternacht beginnt es dann pünktlich an zu regnen. Die Ehre der Wetterfrösche ist gerettet!
Alle Verkäufer decken schnell ihre Stände mit Plastikplanen ab oder lassen die Sonnenschirme ganz dicht über die Tischen spannen.
So begebe ich mich also in die Hostel, beziehe mein 8-Bettzimmer, in dem diesmal sogar auch andere Leute wohnen. Leider alles nur Chinesen und das Badezimmer ist auch rein chinesisch. Doch erstmal werde ich jetzt schlafen und dann morgen weitersehen.
Gute Nacht!